Interview "Wir brauchen keine Ego-Shooter, sondern Teamplayer"

von Christiane Düthmann
Donnerstag, 02. Juli 2015
Frank Blömer ist Sales Director bei PepsiCo Deutschland.
PepsiCo
Frank Blömer ist Sales Director bei PepsiCo Deutschland.
Für Frank Blömer ist Veränderung ein entscheidender Erfolgsfaktor. Der Sales Director von PepsiCo Deutschland ist überzeugt: In fünf Jahren wird sein Unternehmen nicht mehr das gleiche sein wie heute. Beim LZ Karrieretag referierte der Top-Manager über "Verkaufsprozesse im Beta-Zustand".
Herr Blömer, PepsiCo ist im Vertrieb sehr aktiv. Welche Profile suchen Sie dafür?

Fachlich suchen wir vor allem Betriebswirte und Wirtschaftswissenschaftler. Aber viel wichtiger als Abschlüsse sind für uns Persönlichkeitsmerkmale wie Kommunikationsstärke, unternehmerisches Denken und Offenheit für Neues.

Stichwort Cultural Fit: Wer passt zu PepsiCo?

Wir brauchen keine Ego-Shooter, sondern Teamplayer. Wer zu uns möchte, sollte gerne mit Menschen umgehen, pro-aktiv sein sowie interdisziplinär denken und arbeiten wollen, denn wir agieren abteilungsübergreifend in cross-funktionalen Teams.

Haben Nachwuchskräfte den Karriereeinstieg im Vertrieb "auf dem Schirm"?

Sales steht für viele nicht an erster Stelle. Die Mehrheit ist eher marketingorientiert. Dabei sind Vertriebsrollen mittlerweile inhaltlich sehr anspruchsvoll geworden. In der Zusammenarbeit mit dem Handel ist man heute, neben den klassischen Vertriebsaufgaben, Moderator zwischen den Ressorts und braucht Kenntnisse aus vielen verschiedenen Unternehmensbereichen – von Produktionsprozessen über Logistik bis zu Category Management und Shopper-Marketing.

Sind Uni-Absolventen für dieses komplexe Aufgabenfeld gerüstet?

Die meisten jungen Leute haben während des Studiums relativ wenig Wissen darüber vermittelt bekommen. Deshalb legen wir Wert auf Praktika oder erste Erfahrungen als Werkstudent. Wer dann sein Examen macht, bringt ein ganz anderes "Setup" mit. Er kennt wichtige Tools und Prozesse bereits, kommt schneller zurecht, arbeitet eigenständiger und findet seine Rolle im Team zügiger.

Wo müsste die akademische Ausbildung nachlegen?

Es fehlt häufig am Praxisbezug. Ich würde mir wünschen, dass man die Ganzheitlichkeit der Zusammenarbeit von Markenartikelindustrie und Handel intensiver vermittelt. Und das nicht nur in einzelnen Sequenzen, sondern entlang der kompletten Wertschöpfungskette und über den gesamten Produktlebenszyklus. Um diesen Einblick in die Praxis zu vermitteln, müssten sich auch die Unternehmen an den Hochschulen engagieren.

Wie steigen Akademiker bei Ihnen ein?

Absolventen fangen im Sales-Bereich in der Regel im Außendienst an. Denn so lernen sie schnell unsere Marken kennen und die Prozesse am POS – von dem Moment, wo die Ware bestellt wird, bis zu dem, wo sie über die Kasse geht. Und sie merken, wie der Handel tickt. Danach gibt es mehrere Möglichkeiten: Man kann sich Richtung Key Account, Category Management/Shopper Marketing oder Customer Marketing/Trade Marketing entwickeln.

Sie haben die Arbeit in multifunktionalen Teams hervorgehoben. Was bedeutet das für die Karriereentwicklung?

Dadurch, dass man in der Gruppe immer die Perspektive von verschiedenen Abteilungen mitbekommt, erarbeitet man sich ein grundsätzliches Wissen über angrenzende Bereiche. Was die Entwicklung junger Talente betrifft, bieten sich dadurch Möglichkeiten auch in andere Funktionsbereiche zu wechseln. Diese Chancen werden bei uns gerade von jungen Leuten aktiv genutzt.

Schildern Sie doch mal einen beispielhaften Karriereweg!

Eine Kollegin von mir hat im Marketing angefangen und wechselte dann ins Finanzressort. Anschließend ging sie in den Bereich Supply Chain und leitet heute in Großbritannien eine große Produktionsstätte. Wir fördern solche Karrieren. Denn die Fähigkeiten und Neigungen des einzelnen Mitarbeiters kristallisieren sich oft erst nach und nach heraus.

Welche Chancen bietet PepsiCo als weltweit agierender Konzern?

Man kann sich international entwickeln, muss es aber nicht. Wir führen regelmäßige Mitarbeitergespräche und sorgen mit unseren Tools dafür, dass jedes Talent sichtbar ist. Hat jemand etwa in seinem Karriereprofil vermerkt, dass er eine internationale Karriere anstrebt, berücksichtigen wir das für seine künftige Position.

(cd)

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