Betriebliche Alterssicherung Wirtschaftlichkeit der Altersvorsorge ungewiss

von Silke Biester
Donnerstag, 26. März 2015
Rechnung mit Unschärfe: Kaum jemand weiß, ob die Rente reichen wird. Daran ändert die eigenfinanzierte Vorsorge nur wenig.
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Rechnung mit Unschärfe: Kaum jemand weiß, ob die Rente reichen wird. Daran ändert die eigenfinanzierte Vorsorge nur wenig.
Die gesetzliche Rente stößt an ihre Grenzen. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales will die betriebliche Alterssicherung stärken. Doch die niedrige Zinslage drückt auf die Wirtschaftlichkeit. Das bekommen Mitarbeiter und Unternehmen zu spüren.
Die betriebliche Altersvorsorge findet im Handel zumeist in Form einer Entgeltumwandlung statt. Die Unternehmen vermitteln dabei in der Regel Verträge externer Dienstleister. Abgesehen von einem gewissen Verwaltungsaufwand und etwaiger freiwilliger Zuschüsse tragen sie dabei kaum ein Risiko. "Die tarifliche Altersversorgung über eine Pensionskasse ist die von unseren Mitarbeitern am häufigsten gewählte Variante", teilt beispielsweise Kaufland mit. Die Metro Group hat für 60.000 Mitarbeiter ein solches Versorgungskonto eingerichtet.

Händler setzen auf Entgeltumwandlung

Das Drogeriemarkt-Unternehmen dm setzt auf Pensionskasse und Direktversicherung. "Wir sind bei der betrieblichen Altersvorsorge gut aufgestellt", findet Christian Harms, Geschäftsführer für das Ressort Mitarbeiter. Rund 15 Prozent der dm-Beschäftigten machen von dem Angebot Gebrauch. Der Arbeitgeber bezuschusst die Sparsumme zusätzlich mit 10 Prozent und legt pro Vollzeitkraft einmalig 300 Euro pro Jahr obendrauf.

Dass trotzdem nur einige freiwillig vorsorgen, liegt Harms zufolge daran, dass man zugunsten des Alters auf einen Teil des Gehalts verzichtet. Insbesondere bei kleineren Einkommen fällt das schwer. Außerdem sei der Anreiz zu gering. Schließlich ist der Garantiezins für solche Anlagen gerade auf 1,25 Prozent zusammengeschrumpft.

Auf Arbeitgeberseite wirkt sich das niedrige Zinsniveau dann aus, wenn das Unternehmen der Belegschaft eine Betriebsrente aus eigenen Mitteln finanziert. Das ist beispielsweise bei Henkel der Fall. Der Konsumgüterriese musste 2014 die Rückstellungen in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um 349 Millionen Euro anheben. Rund 14.000 ehemalige Mitarbeiter erhalten Leistungen von Henkel.

Ähnlich sieht es bei Nestlé aus: 12.000 Rentner stehen dort für "70 Prozent des gebundenen Kapitals", erläutert Personalvorstand Peter Hadasch die Lage der Nestlé-Pensionskasse. "Dafür die notwendigen Erträge zu erwirtschaften, ist angesichts der niedrigen Zinslage eine echte Herausforderung." Mithilfe einer "diversifizierten Anlagestrategie" sei es dem Konzern aber gelungen, gute Renditen zu erzielen. Voraussetzung dafür ist neben der breiten Streuung ein professionelles Risikomanagement.

Das System muss durchschaubar sein

Grundsätzlich unterstützen viele Unternehmen die Bestrebungen der Politik, die Altersvorsorge zu stärken. Allerdings halten sie auch mit Kritik an der Durchführung nicht hinterm Berg: "Mit einer Betriebsrente trägt ein Arbeitgeber ein unkalkulierbares Risiko über 60 Jahre. Wenn die Politik dafür keine Anreize schafft, wird das keiner tun", bringt Hadasch die Lage auf den Punkt.

Auch bei Henkel heißt es: "Eine wichtige Voraussetzung sind Anreize und Verbesserungen steuer- und sozialversicherungsrechtlicher Art." Die Metro teilt diesbezüglich mit: "Das Ziel sollte sein, die Komplexität der betrieblichen Altersvorsorge auf allen Ebenen abzubauen."

Damit die betriebliche Altersversorgung die breite Masse erreicht, muss sich die Investition in die Zukunft für die Mitarbeiter nicht nur lohnen, sondern auch durchschaubar sein. "Für den Einzelnen ist nicht erkennbar, was er am Ende rausbekommt", spiegelt ein Personaler die Lage der Angestellten. Die Politik sollte klarstellen, dass eigenfinanzierte Renten später nicht auf eine Mindestversorgung angerechnet werden.

Ob das Thema Alterssicherung dazu beitragen kann, sich als attraktiver Arbeitgeber darzustellen, darüber gehen die Meinungen auseinander. "Absolut nicht sexy", "viel zu kompliziert" oder "Berufseinsteiger denken nicht an die Rente", äußern die Skeptiker. Nestlé-Manager Hadasch ist dagegen überzeugt, dass man selbst junge Leute indirekt damit erreichen kann: "Wenn der Papa sagt: ,Geh zu Nestlé, da gibt es eine gute Versorgung’, dann wirkt das durchaus."

(sb)

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