Job-Befindlichkeit Wissensarbeiter wollen Flexibilität

von Christiane Düthmann
Donnerstag, 07. Mai 2015
„Mehr Demokratie wagen“: Frei nach Willy Brandt fordert Xing-CEO Thomas Voll moeller zeitgemäße Strukturen für mündige Arbeitnehmer.
„Mehr Demokratie wagen“: Frei nach Willy Brandt fordert Xing-CEO Thomas Voll moeller zeitgemäße Strukturen für mündige Arbeitnehmer.
Wertewandel, Digitalisierung und Fachkräftemangel prägen die HR-Diskussion. Wie die Arbeitnehmer ihre Job-Situation erleben, zeigt der "Kompass neue Arbeitswelt" von Xing und Statista.
Von Unruhe keine Spur. Sieben von zehn Beschäftigten sehen die Veränderungen ihres Berufsfelds gelassen bis positiv. Das ist ein Ergebnis der Studie "Kompass neue Arbeitswelt", die das Meinungsforschungsinstitut Statista für das Jobnetzwerk Xing durchgeführt hat.

"Sie zeigt die Sicht der Arbeitnehmer auf die Realität ihres Berufsalltags", sagt Xing-CEO Thomas Vollmoeller. 4.000 Menschen wurden zu ihrer Situation, ihren Wünschen und Erwartungen an die Zukunft befragt.

Von seinem Einkommen gut leben kann beinahe jeder Zweite, und vier von zehn Beschäftigten finden ihre Entlohnung angemessen. Allerdings glauben weniger als 40 Prozent der Vollzeitarbeitnehmer im "typischen Familienalter", von ihrem Gehalt alleine eine Familie ernähren zu können.

Für eine Familie reicht es oft nicht

Dass ihr Arbeitgeber Frauen schlechter bezahlt als Männer, vermuten 15 Prozent. Etwa die Hälfte meint dagegen, beide Geschlechter werden in ihrer Firma gleich entlohnt. Vor allem Männer sind häufig dieser Ansicht.

Bei den Arbeitszeiten klaffen Wunsch und Wirklichkeit auseinander. Mehr als die Hälfte arbeitet mindestens vierzig Stunden in der Woche – aber nur 29 Prozent möchten das eigentlich. Im Schnitt würden die Befragten gern fünf Stunden weniger arbeiten.

Das Ideal sind fünf Stunden weniger

Nach wie vor stark verankert ist das Bedürfnis deutscher Arbeitnehmer nach Sicherheit im Job. Zwei Drittel finden sie wichtiger als Selbstbestimmung. In der Zielgruppe der sogenannten Wissensarbeiter sind es deutlich weniger (57 Prozent). Diese würden zudem auf keinen Fall für mehr Geld Zugeständnisse bei der Flexibilität machen. Unter allen Befragten wären immerhin 44 Prozent dazu bereit.

Die wichtigsten Ergebnisse Vorgesetzte: 55 Prozent bewerten die Kommunikation ihrer Chefs mit gut oder sehr gut. 54 Prozent loben Unterstützung und Erreichbarkeit. 52 fühlen sich wertgeschätzt.
Finanzielle Situation: 46 Prozent können von ihrem Gehalt gut leben. 40 Prozent halten es für angemessen.

Arbeitszeit: 53 Prozent arbeiten mindestens 40 Wochenstunden. Die Mehrzahl würde gern etwa fünf Stunden reduzieren.

Selbstbestimmung: 44 Prozent aller Arbeitnehmer würden für mehr Gehalt auf Flexibilität verzichten. Für Wissensarbeiter käme das nicht in Frage (0 Prozent). 67 Prozent aller Beschäftigten finden Sicherheit wichtiger als Selbstbestimmung (Wissensarbeiter: 57 Prozent).
Quelle: Statista

Mit Blick auf das Autonomiebedürfnis gerade der Wissensarbeiter ruft Vollmoeller die Arbeitgeber zu mehr Transparenz und Mitbestimmung jenseits althergebrachter Strukturen auf: "Zwängen wir sie nicht in Korsetts. Geben wir ihnen den Raum, damit sie ihre Ideen äußern und entwickeln können." Angesichts zunehmender Konkurrenz um helle Köpfe auf dem Arbeitsmarkt seien "Innovation und Demokratie" in den Unternehmen unerlässlich.

(cd)

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