Transfer stärkt Handel und Unis

von Redaktion LZ
Freitag, 09. März 2012
Talkrunde: Jörg Pretzel von GS1 Germany, Henkel-Geschäftsführer Stephan Füsti-Molnàr, dm-Gründer Götz Werner und Michael Gerling vom EHI (v.l.).
EHI/Hauser
Talkrunde: Jörg Pretzel von GS1 Germany, Henkel-Geschäftsführer Stephan Füsti-Molnàr, dm-Gründer Götz Werner und Michael Gerling vom EHI (v.l.).
LZnet. Mit dem Wissenschaftspreis wollen EHI und GS1 Erkenntnisse über den Handel und deren praktische Nutzung stärken. Vor rund 300 Gästen zeichneten die beiden Branchenorganisationen je eine Bachelor-, Master- und Doktorarbeit sowie eine Kooperation aus.
"Wir müssen den Handel aus der untersten Image-Etage der Karriere-Perspektiven herausholen", stellt dm-Gründer Götz Werner im Vorfeld der Preisvergabe klar, warum es wichtig ist, sich stärker mit den Hochschulen zu vernetzen. "Spannende Laufbahnen können verhindern, dass Talente lieber in der Telekommunikation oder Automobilbranche anheuern."

Zwei Fakten sollten junge Menschen wissen, wenn sie sich nach dem Studium über den Berufseinstieg Gedanken machen, so der Unternehmer: "Der Handel ist interessant, und man kann damit reich werden!"

Stephan Füsti-Molnàr, Geschäftsführer Henkel Wasch- und Reinigungsmittel und Aufsichtsrat GS1 Germany, sieht in den kommenden Jahren einen erfolgskritischen Engpass auf alle Unternehmen zukommen. "Wir müssen deutlich mehr tun, um die besten Hochschulabsolventen zu gewinnen", sagt er.


Weil die rein fachliche Qualifikation nicht ausreiche, sei es umso wichtiger, den Austausch zwischen Unternehmen und Hochschulen zu vertiefen. Praktische Erfahrungen und Softskills sollten bei den Studenten ebenfalls gestärkt werden.

Kooperation zwischen Hochschule und Unternehmen

Jörg Pretzel von GS1, regt an, dass die Universitäten sich stärker dem Thema Kooperation annehmen sollten. Denn in der Wirtschaftspraxis werde Wachstum nicht zuletzt durch die gemeinsamen Projekte von Handel und Industrie generiert. "Der ECR-Gedanke ist aber in Forschung und Lehre noch nicht verankert", urteilt er. Diesbezüglich sollte bei den Lehrplänen nachgebessert werden.

Geehrt: Prof. Antonio Krüger, Dr. Sebastian Popp, Kristina Wittkowski, Thomas Pfannkuch (v.l.).
EHI/Hauser
"Gute Theorie ist gute Praxis", betonte Edeka-Vorstand Dr. Reinhard Schütte die Bedeutung wissenschaftlicher Erkenntnis für die Branche. Er zeigte sich sichtlich irritiert durch die Ergebnisse der Masterarbeit von Kristina Wittkowski, auf die er die Laudatio hielt. Die Akademikerin konnte belegen, dass Konsumenten künftig weniger Wert auf den Besitz von Produkten legen. Eine kooperative Nutzung
reiche ihnen aus.

Kunden wollen mieten statt besitzen

"Das ist eine Katastrophe für den Handel", sagte Schütte mit Verweis auf sinkende Umsätze im Nonfoodgeschäft. Doch die Studentin rückte zurecht: "Es ist auch eine Chance!" Schließlich sei in Amerika bereits zu beobachten, dass Händler einen Mietservice beispielsweise auch für kleine Werkzeuge anbieten. Auch ein Handtaschen-Abo für modebewusste Frauen sei längst gelebte Praxis.

"Wir müssen die Nachfolgegeneration besser verstehen", schlussfolgerte Schütte und bezog sich dabei sowohl auf die Konsumenten als auch auf künftige Mitarbeiter. Denn der Wertewandel wirke sich ebenso auf gängige Karriere-Anreizsysteme aus.

"Neueinsteiger fragen nicht nach dem eigenen Firmenwagen", hat er beobachtet. "Es reicht ihnen, wenn sie bei Bedarf ein Fahrzeug nutzen können", bestätigt der Edeka-Vorstand die Forschungsergebnisse.

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