L'Oréal und Coca-Cola sind beliebt

von Judit Hillemeyer
Freitag, 10. Juli 2009
Holger Koch, Foto: Tendence
Holger Koch, Foto: Tendence
Europas Studierende zeigen sich bei der Arbeitgeberwahl mobil. Dafür steigt das Interesse an einem sicheren Arbeitsplatz. Das ermittelt das diesjährige Graduate Barometer des Berliner Trendence Instituts.



Holger Koch, Geschäftsführer des Beratungshauses Tendence

Wenn es um die Karriere geht, präsentieren sich die Studierenden Europas international orientiert und mobil. 47,6 der befragten Wirtschaftsstudenten geben an, dass sie weltweit eine Arbeitsstelle annehmen würden, wenn dies ihrer Karriere zuträglich wäre. Damit nähern sie sich der Berufsgruppe der angehenden Ingenieure mit einem Anteil von 47,4 Prozent an.

Generell ist in Europa trotz oder gerade wegen der Wirtschaftskrise eine gestärkte Stellung der Wirtschaftsprüfer zu beobachten. Die ersten drei Ränge der beliebtesten Arbeitgeber bei den Wirtschaftsstudenten belegen PricewaterhouseCoopers, L'Oréal sowie Ernst & Young.

Bei den angehenden Ingenieuren ist vor allem Google beliebt. "Die Arbeitgebermarke Google schafft einen sehr schwierigen Spagat: Sie ist nicht nur unglaublich präsent und erfolgreich, sondern darüber hinaus auch nach wie vor bei Absolventen führend bezüglich des wichtigen Imagetreibers Kollegialität, Lifestyle und Work-Life-Balance", erklärt Oliver Viel, Director of Customer Relations bei Trendence, den Erfolg der amerikanischen Suchmaschine im Ranking (11,1 Prozent).

Kein anderes Unternehmen schafft es, den Absolventen ein derartig positives Bild von Arbeitsklima und Unternehmenskultur zu liefern. Das Phänomen Google funktioniert in ganz Europa.

Große Marken überzeugen

Unter den Konsumgüterherstellern haben vor allem L'Oréal und Coca-Cola viel Energie in den Aufbau einer guten Arbeitgebermarke gesteckt. "Die Auswirkungen lassen sich im Ranking in ganz Europa deutlich erkennen", so Holger Koch, Geschäftsführer des Beratungshauses Trendence in Berlin.

"Die beiden Marken haben schon vor Jahren die Notwendigkeit von Arbeitgebermarketing entdeckt. Nur mit einer Top-Positionierung als Arbeitgeber gelingt es ihnen, exzellenten Nachwuchs zu rekrutieren", erläutert Koch.

Vor allem L'Oréal sei ein gutes Beispiel für ein Unternehmen, das es geschafft hat, bei Absolventen ein "unglaublich positives Bild von Arbeitsklima und Unternehmenskultur zu liefern", erläutert Koch den europaweiten Erfolg des Kosmetikkonzerns im Ranking. Auch Coca-Cola strahle eine ungebrochene Anziehungskraft auf angehende FMCG-Mitarbeiter aus.

"Die kontinuierlich und konsequent entwickelte Arbeitgebermarke ist in Kombination mit der starken Produktmarke für das exzellente Abschneiden des Konzerns verantwortlich", weiß Koch. "Bei Coca-Cola wird die Pflege der Arbeitgebermarke als Wertschöpfungsmaßnahme verstanden", unterstreicht er.

In Krisenzeiten verschiebt sich insgesamt der Blick auf potenzielle Arbeitgeber beziehungsweise Präferenzen bei der Arbeitgeberwahl: Sicherheit im Job wird wichtiger. FMCG-Unternehmen profitieren hier jedoch, da sie dank ihrer Produkte als relativ krisensicher gelten. Besonders überrascht hat Koch das gute Abschneiden beziehungsweise der Einstieg vieler Luxusmarken in die Länderrankings. Ein gutes Beispiel hierfür sind die LVMH- und die PPR-Gruppe. In Krisenzeiten werden Luxusmarken - sowohl auf Produkt- als auch auf Arbeitgeber-Ebene attraktiver.

Große Gehaltsunterschiede

Bei den Verdienstmöglichkeiten klafft die Erwartungshaltung bei den Europäern weit auseinander. Während Dänen und Schweizer mit einem BWL-Abschluss mit einem Jahresverdienst zwischen 49.000 beziehungsweise knapp 50.000 Euro rechnen, halten Rumänen rund 9.300 Euro als Jahresvergütung für realistisch. Deutsche erwarten rund 40.700 Euro.

Ähnlich weit gehen die Vorstellungen bezüglich der Wochenarbeitszeit auseinander: Schweizer Absolventen aus dem Bereich BWL schätzen, dass sie im ersten Job etwa 48,3 Stunden pro Woche arbeiten werden, in Finnland rechnen die Kommilitonen mit 41,4 Wochenstunden.

Zum achten Mal in Folge hat das Berliner Trendence Institut examensnahe Studierende in 22 europäischen Ländern zu ihren beruflichen Plänen befragt. In diesem Jahr haben mehr als 196.000 Menschen an der Untersuchung teilgenommen - 67.500 gehören den Wirtschaftsfakultäten an und 74.500 dem Fachbereich Ingenieurswissenschaften.

Top-Arbeitgeber Europas - Business Edition 2009
PDF zum Ausdrucken

Food und Handel - Europäisches Graduate Barometer 2009
PDF zum Ausdrucken

Erwartungshaltung - Deutsche wollen gut verdienen
PDF zum Ausdrucken (juh)

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