L'Oréal zieht Nachwuchs an

von Judit Hillemeyer
Freitag, 19. Dezember 2008
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L'Oréal ist spitze. Der französische Kosmetikkonzern ist Wunscharbeitgeber Nummer eins unter europäischen Studenten. Das ermittelte das Trendence Institut in seinem "European Student Barometer - Business Edition".



Wunscharbeitgeber Top 50
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Jeder siebte Student der Wirtschaftswissenschaften in Europa gab bei einer Befragung des Berliner Trendence Instituts an, bei dem Kosmetikkonzern arbeiten zu wollen. L'Oréal schafft den Spagat zwischen "attraktiver Produktwerbung und professionellem Arbeitgebermarketing - gepaart mit internationalen Studentenwettbewerben", erklärt Oliver Viel, CRM-Direktor bei dem Trendence Institut, den Erfolg des Unternehmens.

Die "Konsumgüterbranche" ist im Vergleich unter europäischen Hochschülern begehrt. Darunter subsumieren sich Produzenten von Lebensmitteln, Konsum- und Gebrauchsgütern inklusive der Automobilindustrie. 41,6 Prozent der deutschen Studenten würden gerne in einem dieser Wirtschaftszweige arbeiten.

In Frankreich sind es stattliche 51,3 und in Ungarn 59,2 Prozent. Nur in Großbritannien und der Slowakei kann sich dafür lediglich ein Viertel des akademischen Nachwuchses begeistern.

Die Retailbranche findet im Verhältnis weniger Anhänger. "Dem Handel fehlt es an Glanz. Er gilt jedoch unter Studenten als ein verlässlicher und interessanter Arbeitgeber", sagt Viel und nennt Aldi: "Das Unternehmen präsentiert sich überzeugend transparent und pragmatisch."

Auch der Einzelhandel hat Bedarf an internationalen Mitarbeitern. Doch um die Mobilität europäischer Studenten ist es national recht unterschiedlich bestellt. Knapp 50 Prozent des deutschen akademischen Nachwuchses würde sich für ein "sehr gutes Jobangebot" überall in der Welt niederlassen, während jeweils rund 20 Prozent lieber in Europa oder im eigenen Land bleiben möchten.

10 Prozent bevorzugen die angestammte Region. Mit fast 70 Prozent suggerieren die Franzosen die größte weltweite Mobilitätsbereitschaft. Viel mahnt zur Vorsicht: Französische Wirtschaftsstudenten, die Karriere machen wollen, absolvieren die Grandes Écoles in Paris.

Sie besitzen traditionell ein höheres Prestige als die Universitäten. Diese Absolventen streben überproportional eine internationale Karriere an, was das Gesamtergebnis verzerrt.

Wenig mobil zeigen sich die Osteuropäer. Ungarn habe beispielsweise erhebliche Schwierigkeiten, Fachkräfte aus den osteuropäischen Nachbarländern ins eigene Land zu holen. Natürlich spiele bei der Arbeitgeberwahl der Standort - Provinz versus Großstadt - eine große Rolle. "Studenten aus Großstädten pflegen einen urbanen Lebensstil",

Deutsche Absolventen erwarten mit rund 42.600 Euro ein überdurchschnittliches Jahresgehalt. Diese Erwartungshaltung ähnelt der der Briten. Dänische Studenten rechnen mit mehr als 50.000 Euro, Italiener mit 23.800 Euro.

Für íhr Geld sind Deutsche auch bereit, 48 Stunden pro Woche zu arbeiten, ebenso wie die Österreicher. Schweden rechnen gar mit 50 Wochenstunden. "Das entspricht bei dieser Studentengeneration durchaus einer Work-Life-Balance", sagt Viel.

Auf europäischer Ebene akademischen Nachwuchs zu rekrutieren, ist schwer. Darüber hinaus haben einige Arbeitgeber festgestellt, dass sie große Schwierigkeiten haben, ausländische Berufsanfänger am Firmenstandort zu integrieren, weiß Viel. "Heute wird an den nationalen Hochschulen mit einem internationalen Beuteschema rekrutiert," sagt er.

Denn wer in Frankfurt oder London studiert habe, sei bereits sozialisiert. Für das europäische Studentenbarometer wurden 90.000 Hochschüler aller Fachrichtungen befragt, darunter 31.000 Wirtschaftswissenschaftler.

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Deutsche Absolventen wollen gut verdienen
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