„Das Potenzial von Social Recruiting ist noch nicht ausgeschöpft“

von Silke Biester
Freitag, 04. März 2011
Stefan Schmidt-Grell, Director Product Marketing der Xing AG.
Xing
Stefan Schmidt-Grell, Director Product Marketing der Xing AG.
Soziale Netzwerke erobern den Arbeitsalltag der HR-Verantwortlichen, sagt Stefan Schmidt-Grell, Director Product Marketing bei Xing.
 
Lebensmittel Zeitung: Herr Schmidt-Grell, als Trend wird Social Media schon länger bezeichnet. Doch welche Rolle spielt E-Recruiting in der Praxis?

Stefan Schmidt-Grell: Das Thema Social Recruiting ist mittlerweile fester Bestandteil in der Personalbeschaffung. Viele Firmen haben für dieses Jahr entsprechende Maßnahmen in ihrer Budgetplanung berücksichtigt. Sie nutzen soziale Business-Netzwerke, um neue Mitarbeiter anzusprechen.

LZ: Können Sie das mit Zahlen belegen?

Schmidt-Grell: Der Geschäftsbereich E-Recruiting bei Xing mit dem Stellenmarkt und der Recruiter-Mitgliedschaft entwickelt sich prächtig. So konnten wir in diesem Feld im dritten Quartal 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 80 Prozent zulegen.

LZ: Was bringt Social Media konkret für Personaler?

Schmidt-Grell: Social Networks bieten Personalern etliche Möglichkeiten, die sie über klassische Kanäle nicht haben. Auf Xing sind über 4,2 Millionen Business-Professionals im deutschsprachigen Raum angemeldet. Der Personaler kann dort potenzielle neue Mitarbeiter finden, sich die Lebensläufe anschauen und Bewerber direkt kontaktieren. Auch kann man sehen, in welchen Gruppen jemand aktiv ist oder mit welchen Mitgliedern er vernetzt ist, und sich so ein Bild von der Expertise des Kandidaten machen.

LZ: Es dürfte aber sehr viel Zeit kosten, wenn man das bei jeder Stellenbesetzung tut.

Schmidt-Grell: Für die aktive Suche nach einem passenden Kandidaten bieten wir speziell für diesen Zweck eine Recruiter-Mitgliedschaft. Ausgefeilte Filter und Selektionsmöglichkeiten bieten eine gezieltere und schnellere Suche.

LZ: Wie kann man sich das praktisch vorstellen?

Schmidt-Grell: Wenn Sie zum Beispiel einen Controller für die Lebensmittelindustrie suchen, geben Sie die Kriterien an, die Ihnen wichtig sind. Zum Beispiel welche Sprachkenntnisse Sie wünschen, wie viele Jahre Berufserfahrung und aus welchem Postleitzahlengebiet der Kandidat stammen soll. Dann werden Ihnen von den über zehn Millionen Mitgliedern weltweit vielleicht zwölf Profile angezeigt, die Sie sich genauer ansehen können. Wenn diese nicht passen, können Sie die Kriterien verändern.

LZ: Ist das nicht kritisch im Sinne des Datenschutzes?

Schmidt-Grell: Die Suche basiert ausschließlich auf Informationen, die für das gesamte Netzwerk freigeschaltet sind. Unsere Mitglieder wollen sichtbar sein und gefunden werden.

LZ: Welche Möglichkeiten werden noch genutzt?

Schmidt-Grell: Neben der aktiven Suche können Personaler über den integrierten Stellenmarkt Xing Jobs Anzeigen einstellen. Ein intelligenter Algorithmus gleicht jede Stellenanzeige mit den öffentlich einsehbaren Profilinformationen jedes Mitglieds ab. Passende Jobs werden dann direkt auf der Startseite präsentiert. So erreicht man nicht nur aktiv Jobsuchende, sondern auch Fachkräfte, die zwar in einem festen Arbeitsverhältnis stehen, aber neuen Herausforderungen gegenüber nicht abgeneigt sind. Zudem werden Unternehmensprofile und professionell gestaltete Diskussionsgruppen von immer mehr Firmen gezielt für das Personalmarketing genutzt.

LZ: Welche Handelsunternehmen sind besonders aktiv?

Schmidt-Grell: Unter den Händlern zählt sicherlich die Metro Group zu den Vorreitern. Der Konzern bringt bereits seit Sommer 2009 ehemalige, aktuelle sowie potenzielle Mitarbeiter in ihrer professionellen Gruppe auf Xing zusammen, informiert die Teilnehmer über aktuelle Ereignisse bei der Metro und tritt mit ihnen in Dialog. Weitere große Händler setzen bei ihrer Kandidatensuche auf Xing Jobs. Im Vergleich zu Social-Media-affinen Branchen wie IT, Medien und Consulting schöpft die Konsumgüterwirtschaft das Potenzial von Social Recruiting jedoch bei weitem noch nicht aus.

LZ: Demnach gibt es einige Unternehmen, die zögern?

Schmidt-Grell: Heute beschäftigt sich praktisch jede Personalabteilung mit dem Thema. Aber nicht jeder bringt es gleich an den Start. Wir haben unsere Beratungskapazitäten deutlich ausgebaut, um bestehende wie neue Kunden bestmöglich zu unterstützen. Social Media ist ein zusätzlicher Kanal für das Recruiting. Letzten Endes muss jedes Unternehmen selbst entscheiden, in welchem Maße es ihn in der Personalarbeit einsetzt. Es gibt nicht den einen einzigen richtigen Weg.

LZ: Sie kooperieren seit Kurzem mit Kununu. Warum haben Sie kein eigenes Bewertungstool aufgebaut?

Schmidt-Grell: Es ist immer sinnvoll, sich mit starken Partnern zusammenzutun. Kununu ist die führende Bewertungsplattform im deutschsprachigen Raum. Wir möchten unsere Kräfte bündeln, um unsere Recruiting-Tools noch besser an die Bedürfnisse unserer Kunden anzupassen.
(sb)

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