YBF-Workshop in Frankfurt Inspiration für den Supermarkt

Mittwoch, 02. Dezember 2015
Ulrich Wittur, Betriebsleiter Frische Paradies, freut sich beim YBF-Storecheck über das große Interesse an seinem Markt.
T. Fedra
Ulrich Wittur, Betriebsleiter Frische Paradies, freut sich beim YBF-Storecheck über das große Interesse an seinem Markt.
Wie fit ist der Supermarkt für die Zukunft? Engagierte Händler zeigen bei der LZ-Veranstaltung Flagge. Einer von ihnen ist Ulrich Wittur. Sein Frische Paradies hat sich vom Gastronomiegroßhändler zum Feinkost-Hybrid gewandelt. Anspruchsvolle Endverbraucher sind willkommen.



"Wir wollen mit Qualität begeistern", sagt der Betriebsleiter beim Storecheck. Fast 100 YBF-Teilnehmer aus Handel und Industrie konnten sehen, was Wittur meint: Seeteufel und Meerscheide-Muscheln, Bresse-Hühner und Fasan, edle Weine. Auf 900 qm kaufen hier Sterneköche und Otto-Normal-Genießer ein. Im Bistro gibt es Gourmet-Snacks. "Wenn dort die Weingläser klingen, ist das Fooderotik pur", sagt Wittur. Ein Online-Shop rundet das Multichannel-Konzept ab.

Ein massentauglicheres Bild liefert der zweite Storecheck im Rewe Center Egelsbach: Mehr als 40.000 Artikel, Butlers Shop-in-Shop, Apotheke, Post, Kinderbetreuung und ein großer Gastrobereich mit Pizzaofen. Eine Handelswelt für sich. "Abends finden Events wie Whiskey- und Weinproben statt, die sehr gut ankommen", erklärt Marktleiter Michael Weisbrod, der gerade den zweiten Geburtstag des Centers mit Kunden und Mitarbeitern feiert.

Momentum-Shopping im Trend

Während Händler sich durch den Channel-Dschungel kämpfen, will der Kunde schlicht dann kaufen, wenn ihm danach der Sinn steht. Das sagt Theresa Schleicher vom Zukunftsinstitut. Den Kunden je nach Kontext dort abzuholen, wo er sich gerade aufhält, nennt sie Momentum-Shopping. Doch: Kein Trend ohne Gegentrend. Street-Market-Retail, die Wiederbelebung des Einkaufs auf Märkten, boome trotz Online-Shops. Diese Ausdifferenzierung fordert den Handel heraus, darüber sind sich die YBF-Referenten einig. Wenig Mut macht da Jan Thomas, der Impulse aus der Berliner Start-up-Szene mitbringt. Food ist dort das Trendthema. Start-ups vergleicht er mit Schnellbooten, Händler mit Tankern. Wer die Wetten auf die Zukunft gewinnt, scheint für ihn ausgemacht. Für die Händler im Saal eher nicht.

YBF zu Gast bei Ritter

Die nächste Young Business Factory der LZ trifft sich
am 19. und 20. April 2016 bei Ritter Sport in Waldenbuch.
Interessenten können sich bei johanna.kuhn@dfv.de vormerken.

Wie heute schon die Einsätze für diese Zukunft aussehen, zeigt Bernd Biehl aus der LZ-Chefredaktion. "Amazon kann mit seiner Mischkalkulation bald sehr viel günstiger Food liefern als traditionelle Händler", sagt Biehl, "die können Geld verbrennen". Die Angst der Händler, das E-Commerce-Geschäft an die wendigere Konkurrenz zu verschenken, sitzt tief. Doch der Online-Anteil von Food liegt gerade mal bei 1 Prozent. Die unsichere Produktqualität bei Lieferung und die Kosten sprechen für viele Konsumenten noch gegen den Online-Kauf.

Edeka-Händler Andreas Nolte brach deshalb eine Lanze für die akribische Arbeit auf der Fläche. Was er meint, verdeutlicht er am Bodenbelag seines neuen Marktes: Der ist gegossen, keine Fuge stört das lautlose Gleiten der Einkaufswagen. Das schafft eine entspanntere Atmosphäre, sagt Nolte. Erfolg ist für Nolte nicht ohne solche Details und Liebe zum Sortiment denkbar. Basierend auf soziodemografischen Daten kreiert er so für jeden Standort ein individuelles Angebot. (mgi/sb)

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