YBF in Frankfurt und Königstein Zukunft gestalten für den Point of Sale

von Silke Biester und Katy Weber
Donnerstag, 01. Dezember 2016
Rund 100 Jungmanager nahmen an der YBF der Lebensmittel Zeitung zum Thema Zukunftskonzepte am POS teil.
T. Rohnke
Rund 100 Jungmanager nahmen an der YBF der Lebensmittel Zeitung zum Thema Zukunftskonzepte am POS teil.
Die Zukunft ist digital. Darauf muss die Branche Antworten finden. Wie sich der stationäre Handel behaupten kann, diskutieren Jungmanager bei der Young Business Factory (YBF) der LZ anhand exklusiver Vorträge von Amazon, Media-Saturn, Edeka, Ferrero und Pilot.

Den Rahmen der Herausforderungen für den Lebensmitteleinzelhandel steckt Bernd Biehl, stellvertretender Chefredakteur der Lebensmittel Zeitung, gleich zur Begrüßung der 100 Workshop-Teilnehmer ab: Da ist der Gigant Amazon mit seiner finanziellen Schlagkraft und der Möglichkeit, in Amazon Fresh zu investieren, ohne auf Rentabilität zu achten. Da sind die schnellen Bestellungen übers Internet auf der einen Seite und die Herausforderungen, "logistisch auf den grünen Zweig zu kommen", auf der anderen. Außerdem: "Jemand mit einem Discountmarkt in der Nähe verhungert nicht. Und wenn der Discounter Marken im Sortiment führt, erhöht das nochmal den Druck." Wie also mit all dem umgehen? Biehls Antwort lautet: "Der Supermarkt muss stark sein."

Und wie ein "starker" Supermarkt aussehen kann, zeigt Edeka-Kaufmann Andreas Nolte, der durch seinen Vorzeigemarkt in Königstein im Taunus führt. Alles ist darauf ausgerichtet, dem Kunden ein entspanntes und perfektes Einkaufsvergnügen zu verschaffen. Auf dem glatten Boden rollen Einkaufswagen nahezu geräuschlos. Die Gänge sind breit, die Decke ist hoch und die niedrigen Regale erlauben den Kunden eine schnelle Orientierung im Markt. Ablenkende Displays, Ansagen aus Lautsprechern – Fehlanzeige. Das Sortiment ist exquisit.

Einen Blick durch die Virtual-Reality-Brille in einen digitalen Supermarkt werfen die Teilnehmer am zweiten Workshop-Tag. Die Technologie zeichnet das Verhalten der Kunden auf. Martina Vollbehr, Geschäftsführerin der Medienagentur Pilot, glaubt an die Bedeutung für Marktforschung und Produktentwicklung: Künftig würden reale und virtuelle Welt verschmelzen, um Kundenwünsche zu erfüllen.

Das sieht Sonja Moosburger, Leiterin Digital Transformation Media-Saturn, ebenso. Sie rechnet damit, dass sich bald zu den 2,9 Millionen Online- und 2,6 Millionen Offline-Kunden eine dritte Gruppe gesellt: Kunden aus der virtuellen Welt. Die Zeit der "Digital Invaders" ist gekommen, sagt Theresa Schleicher, strategische Beraterin beim Zukunftsinstitut. Sie treiben die Vernetzung aller Kanäle aus E-Commerce und stationärem Handel voran.

Bernd Schwenger, Geschäftsführer Amazon Transport Deutschland, beschreibt, wie der Online-Riese die Paketverteilung in München und Berlin in Eigenregie steuert. Das ermöglicht die Auslieferung innerhalb einer Stunde. Um auf der letzten Meile erfolgreich zu sein, nutzt er die Ortskenntnis lokaler Subunternehmer. Die Fahrer ergänzen das Liefersystem mit aktuellen Details, um den Amazon-Routenplaner kontinuierlich zu verbessern.

YBF zu Gast bei Edeka Südwest

„Handeln mit Verantwortung“ heißt es bei der Young Business Factory der LZ am 8./9. Februar 2017. Gastgeber Edeka Südwest bietet dem Führungsnachwuchs der Branche exklusive Einblicke: Die Geschäftsführer Rainer Huber, Rudolf Matkovic und ihr Team erläutern, wie die Regionalgesellschaft die Wertschöpfungskette vom Kunden her steuert. Inklusive Produktionsbesichtigung im Fleischwerk Rheinstetten sowie Storecheck im Scheck-In-Center Achern und Küchenparty. Jetzt hier anmelden oder bei johanna.kuhn@dfv.de.

Bereitwillig beantwortet er die Fragen aus dem Publikum: Auch er sieht Schwierigkeiten, Amazon Fresh in Deutschland umzusetzen. "Der Einzelhandel ist hier sehr gut aufgestellt", lobt er die Mitbewerber. Um einen Mehrwert zu bieten, müsse das Brot vom Lieblingsbäcker mitgeliefert werden. Die Herausforderung bestehe darin, auf lokaler Ebene eine Vernetzung aufzubauen.

Als erfolgreichen Online-Supermarkt stellt Sascha Berens, Projektleiter beim EHI Institut, den holländischen Shop Picnic vor. "Picnic liefert ab einem Mindestbestellwert von 25 Euro versandkostenfrei." Dank Live-Tracking wüssten die Kunden, wann die Ware ankommt. Der Ferrero-Manager Enrique Strelow führt die YBF-Teilnehmer wieder an den klassischen Point-of Sale und zeigt, wie man Marken richtig in Szene setzt. Ferrero nutzt Erkenntnisse aus der Hirnforschung. "Der Kontext entscheidet über die Zahlungsbereitschaft des Shoppers", ist er überzeugt.

Den dynamischen Abschluss des YBF-Workshops liefern der EdekaKaufmann Dieter Hieber sowie Martin Ohnemüller von der Neuromerchandising Group. Der Schlüssel zum Erfolg sei die Freude am Umgang mit Menschen, sagt Ohnemüller und bezeichnet Hieber als einen "Leonardo" seines Fachs. Hieber sieht seine Aufgabe darin, Werte zu schaffen, statt Werte zu vernichten. Die 10-Eier-Packung zu 99 Cent sucht man in seinen zwölf Läden rund um Lörrach von daher vergebens.

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