Young Professionals Barometer Talente wollen nicht in den Handel

von Silke Biester
Freitag, 13. Oktober 2017
Auf den Hund gekommen: Der Handel hat es schwer, die besten Potenzialträger anzulocken. Nur wenige haben Sympathien gewonnen. Edeka gehört dazu.
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Auf den Hund gekommen: Der Handel hat es schwer, die besten Potenzialträger anzulocken. Nur wenige haben Sympathien gewonnen. Edeka gehört dazu.
Der Wettstreit um Talente verschärft sich. Doch weder der Handel noch die FMCG-Hersteller können als Arbeitgeber bei jungen Akademikern punkten. Insbesondere sogenannte Digitals werden von anderen Branchen besser rekrutiert, zeigt das Young Professionals Barometer des Trendence Instituts.

Die schlechte Nachricht vorweg: Handel und Konsumgüterindustrie gehören aus Sicht von Young Professionals zu den unattraktiven Branchen. Sie schaffen es nicht in die vorderen Ränge der Wunscharbeitgeber junger Akademiker mit bis zu zehn Jahren Berufserfahrung. Das zeigt das aktuelle Trendence Young Professional Barometer. Auf die Fragen, "in welcher Branche würdest du dich auf jeden Fall – beziehungsweise auf keinen Fall – bewerben", überwiegt die Ablehnung bei den FMCG-Herstellern nur leicht, während der Handel deutlich im Minus landet.

Doch beide sind im Vergleich von 14 Branchen gegenüber 2016 zurück gefallen. Die Industrie erreicht Rang 10, die Händler landen auf Platz 12. Nur 60 Prozent derer, die aktuell im Handel arbeiten, würden sich auf jeden Fall wieder auf einen Job in der Branche bewerben. Schlechter ist diese Quote nur im öffentlichen Sektor. Der Handel bildet zudem das Schlusslicht in Sachen Zufriedenheit: Nur 27 Prozent der Mitarbeiter im Handel sind sehr zufrieden mit ihrem Arbeitgeber. Die negativ gestimmten Beschäftigten kritisieren das niedrige Gehalt, den schlechten Führungsstil und schlechte Karriereperspektiven.

Im Detail findet sich allerdings auch manche gute Nachricht in der Studie: So sind beispielsweise 38 Prozent der Beschäftigten bei den Markenartiklern sehr zufrieden, ein Ergebnis, das über dem Schnitt von 34 Prozent liegt. Bemängelt wird dort dennoch mangelnde Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern und schlechter Führungsstil.

Als Einzelunternehmen schaffen es Beiersdorf (27), Johnson & Johnson (58), Henkel (68), Rewe Group (71), Amazon (79) und Ikea (100) unter die Top-Hundert. Eine geschlechterspezifische Betrachtung zeigt, dass sich Frauen deutlich stärker zur Konsumgüterwirtschaft hingezogen fühlen als Männer.

Exklusiv für die LZ hat das Trendence Institut zudem eine Sonderauswertung vorgenommen, die das Ranking der Wunscharbeitgeber derjenigen zeigt, die gerne im Handel oder bei seinen Lieferanten arbeiten möchten. Mit Abstand der beliebteste Handelsarbeitgeber ist weiterhin Amazon. Bei dem Online-Riesen würde sich nahezu jeder Dritte bewerben. Allerdings haben insbesondere die Lebensmittelhändler in diesem Jahr einen Sprung nach vorn gemacht: Rewe (2), Edeka (5), Aldi Süd (7), Lidl (11), Aldi Nord (16), Kaufland (18) – sie alle verbessern sich im Vergleich zum Vorjahr. Die Rewe Group würde von jedem Fünften eine Bewerbung erhalten, Kaufland noch von jedem 20sten.

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Einen deutlichen Imageverlust muss offenbar dm-Drogerie hinnehmen. Während im Vorjahr noch 20 Prozent der branchenaffinen Befragten den Vorzeige-Drogisten als Wunscharbeitgeber nannten, waren es 2017 nur noch 11 Prozent. Das hat ein Abrutschen von Rang 3 auf 9 zur Folge. Dazu beigetragen haben möglicherweise die Negativschlagzeilen des Unternehmens rund um den Streit und die Auslistung der Bio-Marke Alnatura. Schlechte Presse hatte es für das Unternehmen bis dahin im Gegensatz zu anderen Handelsunternehmen kaum mal gegeben.

Betrachtet man das isolierte Ranking der Wunscharbeitgeber der FMCG-Hersteller, führen Adidas und Apple, während Beiersdorf und Unilever sich auf einen dritten und vierten Platz vorarbeiten konnten, und Procter & Gamble auf Platz fünf rutscht. Zulegen konnten in dem Vergleich zum Beispiel Coca-Cola (8), Johnson & Johnson (10), Ferrero(12), Dr. Oetker (18), Bahlsen (22) und Mars (25). Dagegen haben Nestlé (14), Henkel (15), Red Bull(19) und Haribo (21) im Ansehen bei Young Professionals verglichen mit dem Vorjahr etwas nachgelassen.

Dabei sind die FMCG-Talente ausgesprochen begehrt: 72 Prozent haben im vergangenen Jahr mindestens ein Jobangebot von einem anderen Arbeitgeber erhalten. Die Nachfrage ist um 3,8 Prozentpunkte gestiegen. Bei den im Handel beschäftigten Jungmanagern hat es zu 69 Prozent Abwerbeversuche gegeben. Im Schnitt bekommen sie vier neue Jobs angeboten. 18 Prozent der Mitarbeiter aus dem Handel und 15 Prozent der Mitarbeiter aus der Konsumgüterindustrie sind selbst aktiv auf der Suche nach einer neuen Position.

Erstmals hat Trendence auch die Wahrnehmung der Employer-Branding-Aktivitäten unter die Lupe genommen. Aus Sicht der Befragten hat sich die Metro mit wenig Ruhm bekleckert: Das Arbeitgebermarketing der Düsseldorfer führt das Negativ-Ranking der Kampagnen an, über alle Branchen hinweg. Insgesamt werden die Aktivitäten der Branche gut wahrgenommen. 28 Prozent von denjenigen, die im Handel arbeiten wollen, sind die Arbeitgeber durch ihre Arbeitgeberkommunikation aufgefallen. Damit landet die Branche auf Rang 4 von 14. Besonders positiv scheiden die Kampagnen von Rewe und Tchibo ab. Die Konsumgüterindustrie hat hingegen die unauffälligsten Kampagnen. 22 Prozent derjenigen, die in der Branche arbeiten wollen, sind die Unternehmen dadurch aufgefallen.

Wenig zukunftsweisend stellt sich in der Studie auch die Situation in der FMCG-Branche dar, wenn es um Digital-Talente geht: Sie ist der Bereich mit dem geringsten Anteil an Digitals unter den aktuell Beschäftigten. Und auch beim Potenzial bilden die Hersteller das Schlusslicht. Der Handel steht nur minimal besser dar. Digitals werden offenbar von anderen Branchen erfolgreicher rekrutiert. Dabei überzeugt diese Gruppe potenzieller Mitarbeiter nicht nur durch ihr digitales Know-how, sondern auch mit Qualitäten wie Leistungsbereitschaft und Belastbarkeit, so die Studienmacher. Immerhin bewegen sich einzelne Unternehmen wie etwa Amazon, Rewe Group, Johnson & Johnson, Henkel, Beiersdorf und Ikea zumindest im grünen Bereich als Magnet für Digital-Talente.

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