Zukunft Personalarbeit "HR muss neue Wege gehen"

von Silke Biester
Freitag, 10. Juni 2016
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Kienbaum/Stefan Gregorowius
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Neue Technologien verändern Märkte und Arbeitsplätze. Das birgt Herausforderungen für Personalverantwortliche. Bei der Kienbaum Jahrestagung suchten sie gemeinsam nach Möglichkeiten, wie die digitale Transformation durch HR in die richtigen Bahnen gelenkt werden kann.

Hunderte Personaler aus den unterschiedlichsten Unternehmen haben vergangene Woche am "Ehreshoven-Manifest" mitgewirkt. Bei der Kienbaum Jahrestagung beschäftigten sie sich mit der Frage: "Was muss man tun, um Menschen und Technologien zielführend zusammen zu bringen? "70 Prozent der Unternehmen haben dafür noch keine wirkliche Strategie", stellte Jochen Kienbaum, Geschäftsführungsvorstand des Beratungsunternehmens klar. Deshalb sollten die Verantwortlichen für Human Resources aktiv werden, um die analoge Intelligenz mit der digitalen Transformation zu verknüpfen. "Denn was nutzt digitale Intelligenz ohne Business-Kompetenz?"

Kienbaum-Geschäftsführer Walter Jochmann ist überzeugt, dass die HR-Funktion in Zukunft einen Beteutungszuwachs erlangen wird, "wenn wir uns trauen, neue Wege zu gehen". Wesentlich sei es dabei, sich des eigenen Wertbeitrags für das Unternehmen bewusst zu werden. Im Kern gehe es weniger um den Einfluss der Digitalisierung auf HR-Prozesse. Vielmehr müsse der Ausbau der Kompetenzen im Unternehmen voran getrieben werden. Führungskräfte bräuchten nicht nur innovative und agile Denkstrukturen, sondern auch Social Skills und Veränderungsbereitschaft. "Wer versteht die Digitalisierung – die Mitarbeiter, der Vorstand?", fragte er provokativ. HR müsse unterstützen, diese Lücke zu füllen und den Kulturwandel im gesamten Unternehmen voran zu treiben. Dafür sei es zwingend, auch als Personaler die Märkte zu kennen.

Die Erfahrungen ihres eigenen Arbeitsalltags konnten die rund 400 Teilnehmer des Kongresses in den so genannten "Challenge Camps" einbringen. Per iPad erarbeiteten sie so das "Ehrenshoven-Manifest" – ein Spiegel der aktuellen Ziele und Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Um künftig weiter erfolgreich zu sein, sei in den traditionellen Unternehmen eine höhere Risikobereitschaft vonnöten, sind sich die Teilnehmer einig. Statt auf "deutsche Gründlichkeit" zu setzen, gehe es darum, eine Fehlerkultur zu schaffen und starre Strukturen aufzubrechen. Nur so sei es möglich, die notwendige Agilität, Schnelligkeit und Flexibilität im Unternehmen zu etablieren.

Ein Weg, neue Chancen und Arbeitsformen in traditionellen Unternehmen aufzugreifen, sei, eine "Two-Speed-Organisation" aufzubauen, schlägt Philipp Depiereux von Etventure vor. Dabei werde ein eigenständig arbeitendes Digital-Team mit sehr viel Gestaltungsfreiraum ausgestattet, um neue Geschäftsfelder auszutesten. Erst wenn sich ein Konzept als erfolgversprechend beweist, solle es in die Kernorganisation übertragen werden. So könnte in einer Einheit vieles ausprobiert und verworfen werden, ohne gleich die gesamte Organisation zu verändern. Wichtigste Voraussetzung für die Transformation sei allerdings, dass der CEO dahinter steht, sind sich Redner und Teilnehmer einig.

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