Zukunft der Arbeit New Work schafft Raum für Kreativität

von Silke Biester
Freitag, 21. Juli 2017
Von der Idee zum Markt: Flexible Arbeitsmodelle halten die Einstiegshürden gering.
Von der Idee zum Markt: Flexible Arbeitsmodelle halten die Einstiegshürden gering.
Co-Working-Angebote und "Makerspaces" erleichtern Start-ups und Gründungsinteressierten den Markteinstieg. Auch Konzerne und Traditionsunternehmen lassen sich davon inspirieren.

Die Welt ist voller Ideen. Doch in der sogenannten alten Arbeitswelt scheitern allzu viele bereits bevor sie jemals zu Ende gedacht oder gar ausprobiert wurden an festgefahrenen Strukturen. Jungunternehmern fehlt oftmals dagegen der Marktzugang, da er hohe Investitionen erfordert. So war es lange. Doch die Arbeitswelt steht an einem Wendepunkt. Jahrzehntelang galt Größe allein fast schon als Erfolgsgarant: Sie stellte Marktmacht sicher und funktionierte auch wie ein Magnet für die vielversprechendsten Talente.

Das hat sich geändert. Neue, agile und schnell wachsende Unternehmen ziehen an traditionellen Wettbewerbern vorbei und stellen die Märkte auf den Kopf. Und: Dem Managementnachwuchs gefällt der lockere Umgang, die fehlende Hierarchiebetonung sowie der Spielraum für die eigene persönliche Entfaltung.

Eine Trendexpedition von "Zukunftsinstitut Workshop" hat jüngst im Raum Frankfurt die "Skyline von New Work" unter die Lupe genommen: Womit punkten Start-ups im Markt? Welche Voraussetzungen brauchen sie? Wohin entwickelt sich die Arbeit? Einige Antworten und reichlich Inspiration erhielten die Teilnehmer zum Beispiel durch den Blick hinter die Kulissen von Co-Work & Play, Tatcraft und DB Skydeck.

Der zu Beginn 2017 im Frankfurter Osten eröffnete Co-Working-Space Co-Work & Play bietet Raum für Arbeit mit Work-Life-Balance. Die Gründerinnen Jana und Yvonne – Nachnamen gibt es in der neuen Arbeitswelt kaum – bieten auf 1 200 qm 70 flexible plus 20 feste Arbeitsplätze und fünf Teambüros mit angebundener Kinderbetreuung. Mit "Arbeitsplatz" sind modern und bunt eingerichtete Räumlichkeiten samt Schreibtisch und Infrastruktur gemeint – vom großen, betreuten Spielraum für Kinder über Küche inklusive Kaffee und Wasser, Waschmaschine, Sitzkissen bis zum WLAN. Die eigentliche Arbeit sowie einen Labtop und Telefon bringen die Co-Worker selber mit.

Abgesehen von der für junge Eltern ausgesprochen praktischen Versorgung des Nachwuchses, profitieren Kleinstunternehmer von der Flexibilität sowie den Kontaktmöglichkeiten zu Gleichgesinnten. Statt langfristiger Mietverträge können Sie vom Halbtages-Ticket für 19 Euro über Tages-, Wochen- oder Zehnerkarten bis zum Premium-Team-Office für 1 600 Euro monatlich buchen, was sie gerade brauchen, und auch kurzfristig wieder aussteigen. Genutzt wird das Angebot keineswegs nur von Freelancern oder Start-ups. Auch fest Angestellte, die beispielsweise ihr Kleinkind nicht mit ins Büro bringen können, greifen darauf zurück.

Motivation ist wichtiger als Ausbildung

Auch Tim und Fabian wollen helfen die Einstiegshürde für künftige Selbstständige gering zu halten. Die Gründer des "Makerspaces" Tatcraft sprechen von "professionellen Amateuren", denen Sie Raum und Werkzeuge sowie Beratung an die Hand geben, damit diese aus einer Idee überzeugende Prototypen machen – und später damit den Markt erobern können. Dafür haben sie ein altes Fabrikgelände am Rande der Stadt mit Standard- sowie High-Tech-Maschinen aller Art ausgestattet. Von der Bohrmaschine über 3D-Drucker bis zum Wasserstrahlschneider steht alles bereit, was Macher beim Umgang mit Holz, Metall, Textilien oder Farben benötigen könnten. Der Maschinen-Zugang sowie die Abrechnung werden per App gesteuert.

Tim ist überzeugt, dass nicht nur Start-ups für digitale Produkte, sondern auch die Schöpfer von Hardware-Produkten aktuell gute Chancen haben, aus ihrer Idee ein Unternehmen zu machen. "Wir leben in einer spannenden Zeit", findet er und erklärt, warum das Internet Unternehmertum fördert: "Jeder hat einen leichten Zugang zu Informationen und kann die eigenen Fähigkeiten weiter entwickeln." Zudem sei es über Social Media leicht, ein großes Publikum und damit potenzielle Kunden zu erreichen, ohne allzu viel Geld für Marketing ausgeben zu müssen. "Persönliche Motivation ist auf dem Weg zum Unternehmer wichtiger als eine formale Ausbildung", so sein Fazit.

Kreativität gilt als Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Dessen sind sich auch Konzern-Manager bewusst. Auf dem neu geschaffenen "Skydeck" der Deutschen Bahn konnten die Teilnehmer der Trendexpedition beobachten, wie ein traditioneller "Dampfer" agile Methoden einführt.

In der IT-Abteilung "DB Systel" ist seit einem Jahr jeder der 3 000 Mitarbeiter eingeladen, sich einzubringen. In der offen und bunt gestalteten Innovation-Etage bekommt jeder, der eine Idee mitbringt, einen Mentor an die Hand. Dieser hilft, einen strukturierten Plan aufzusetzen und ein Team für die Entwicklung einer ersten Minimalumsetzung zusammenzubringen. Diese wird potenziellen Kunden präsentiert. Wenn der Prototyp Interesse weckt, wird aus der Idee ein Projekt. Auch hier wird das Ziel verfolgt, die Hürden für Kreativität möglichst gering zu halten. Erfolgversprechendes bekommt dann Unterstützung auf dem Weg zum Geschäftsmodell.

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