Spitzenkräfte aus dem Ausland

von Judit Hillemeyer
Montag, 26. April 2004
Das neue Zuwanderungsgesetz wird zurzeit zwischen Regierung und Opposition diskutiert. Für den Bereich Arbeitsmigration zeigt sich, dass hoch qualifizierte Zuwanderer vergleichbare inländische Arbeitnehmer nicht verdrängen.



Dem soll das neue Zuwanderungsgesetz Rechnung tragen und die Zuwanderung ausländischer Hochqualifizierter erleichtern sowie ihren langfristigen Aufenthalt in Deutschland ermöglichen.

Dabei ist Eile geboten, damit Deutschland im internationalen Wettbewerb um Spitzenkräfte nicht zurückfällt. Hoch qualifizierte ausländische Beschäftigte sind meist kein Ersatz für deutsche Kollegen mit gleicher Qualifikation, sondern ergänzen deren Wissen und Fähigkeiten.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von Thomas Bauer (RWI und IZA, Bonn) und Astrid Kunze (Norwegian School of Economics and Business Administration, Bergen und IZA).

Grundlage der Studie ist der IZA International Employer Survey 2000 (IZA IES), für den Daten von mehr als 500 Unternehmen aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien erhoben wurden.

Internationale Ausrichtung der Unternehmen

In den fünf untersuchten Sektoren (Chemie, Verarbeitendes Gewerbe, IT-Bereich, Forschung und Entwicklung, Finanzwirtschaft) ist der Anteil hoch qualifizierter Ausländer mit 8 bis 10 Prozent im Bereich Forschung und Entwicklung am größten.

Insgesamt werden hoch qualifizierte ausländische Mitarbeiter häufiger von Unternehmen beschäftigt, die international orientiert sind, einen hohen Exportanteil haben, Teil eines multinationalen Konzerns sind sowie Auslandserfahrungen und Sprachkenntnisse als wichtig bewerten.

Die befragten deutschen Unternehmen beschäftigen ausländische Hochqualifizierte meist, weil sie über Kenntnisse verfügen, die national nicht vorhanden sind.

Sie schätzen an den ausländischen Beschäftigten vor allem ihr Wissen über ausländische Märkte und ihre Sprachkenntnisse. Somit ergänzen ausländische hoch qualifizierte Beschäftigte das Angebot inländischer Hochqualifizierter.

Die bisherige Bilanz der deutschen Green-Card-Initiative zur Anwerbung von hoch qualifizierten ausländischen IT-Spezialisten fällt aus Sicht der Wissenschaftler gemischt aus.

Barrieren sollen möglichst niedrig sein

Von August 2000 bis Ende April 2003 wurden gut 14 000 Green Cards ausgestellt. Die angestrebte Zahl von 20 000 wird voraussichtlich auch bis Ende dieses Jahres nicht erreicht werden.

Wie die Untersuchung zeigt, werden die Bedürfnisse von Unternehmen, die ausländische hoch qualifizierte Mitarbeiter einstellen möchten, durch die Green Card und die mit ihr verbundene auf fünf Jahre befristete Arbeitserlaubnis nur teilweise befriedigt.

Die Wissenschaftler fordern daher eine Zuwanderungspolitik, die Deutschland langfristig zu einem attraktiveren Arbeitsplatz für ausländische Hochqualifizierte macht.

Hierzu gehören niedrigere institutionelle Barrieren für sie und ihre Familien ebenso wie eine reibungslose und schnelle Integration. Das derzeit debattierte Zuwanderungsgesetz sei ein Schritt in die richtige Richtung.

Es sollte schnell verabschiedet werden, damit Deutschland im globalen Wettbewerb um Spitzenkräfte nicht zurückfalle. (juh)

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