Procter & Gamble "Arbeitszeit frei gestalten"

von Redaktion LZ
Freitag, 06. August 2010
Bettina Buschhoff
Bettina Buschhoff
LZnet. Bettina Buschhoff, Personalleiterin bei Procter & Gamble in Deutschland, kann sich freuen. Denn die Schwalbacher Niederlassung kommt in den Konzernrankings zu Engagement und Zufriedenheit gut weg. Die Gründe dafür erläutert sie im Gespräch mit der LZ.
Lebensmittel Zeitung: Frau Buschhoff, im europäischen Vergleich führt die deutsche P&G-Organisation bei der Mitarbeiterzufriedenheit. Wie haben Sie das hingekriegt?

Bettina Buschhoff: Wir haben offensichtlich einen guten Job gemacht. Im Einzelnen spielen drei Aspekte bei der tollen Bewertung im Rahmen unserer jährlichen Mitarbeiterbefragung eine Rolle: sehr flexible Arbeitszeitmodelle, interessante Karriereperspektiven und spannende Arbeitsinhalte.

LZ: Flexible Arbeitszeiten schreiben sich viele auf die Fahnen – was heißt das bei Ihnen?

Buschhoff:
Bei uns wird nicht die Anwesenheit bewertet, sondern die Leistung. Jeder kann seine Arbeitszeit frei gestalten. Es gibt zum Beispiel ausgesprochen flexible Teilzeitmodelle, die von ungefähr dreißig Prozent unserer Beschäftigten genutzt werden. Wir glauben, das ist ein zukunftsfähiges Modell, gerade mit Blick auf die nachwachsenden Generationen, für die wir uns so als attraktiver Arbeitgeber positionieren.

LZ: Teilzeit gilt ja oft als Karrierehindernis.

Buschhoff: Nicht bei uns. Wir wollen und unterstützen Teilzeitmodelle. Unser Konzept dazu heißt "Role Model from the Top". Das bedeutet, jede Führungskraft muss ein Stück dieser Flexibilität vorleben und damit andere ermutigen, sich ebenfalls dafür zu entscheiden. Zudem kann jeder, der möchte und dessen Arbeitsinhalt es erlaubt, einen Homeoffice-Vertrag bekommen.

Zur Person

Zur Person

Bettina Buschhoff (43) startete vor zwanzig Jahren eine klassische Personalerkarriere bei Braun in Kronberg. Neben diversen Corporate-Funktionen war sie Personalleiterin am Produktionsstandort Waldürn. 2005 übernahm Procter das Unternehmen Gillette inklusive Braun. Bettina Buschhoff wechselte als Human Resources Associate Director in die P&G-Deutschlandzentrale nach Schwalbach. Seit September 2007 ist sie Personalleiterin bei Procter & Gamble in Deutschland.



LZ:
Wie machen Sie solche Konzepte den Vorgesetzten alter Schule schmackhaft?

Buschhoff: Unsere Führungskräfte wissen, welch positiven Einfluss flexible Arbeitszeitmodelle auf die Zufriedenheit und damit das Engagement der Mitarbeiter haben. Im Rahmen der jährlichen Mitarbeitergespräche gibt es einen Aktionsplan für jeden Einzelnen. Darin wird explizit festgeschrieben, dass Vorgesetzte so etwas in ihren Teams etablieren sollen. Es kann die Leistungsbeurteilung negativ beeinflussen, wenn sich jemand dagegen sträubt. Das kommt aber zum Glück sehr selten vor.

LZ: Gibt es Führungskräfte mit reduzierten Arbeitszeiten?

Buschhoff: Das ist kein Tabu. Wir haben auf den höheren Levels durchaus Mitarbeiter in Teilzeit, allerdings ist der Anteil insgesamt dort geringer. Dafür nutzen fast alle Manager das Homeoffice. Ich selbst arbeite in der Regel einen Tag pro Woche von zuhause.

LZ: Was unterscheidet in Ihren Augen einen Job bei P&G inhaltlich von anderen?

Buschhoff: Vor allem die große Verantwortung, die allen Beschäftigten sehr früh übertragen wird. Auch das ist Teil unserer Prinzipien und wird außerordentlich geschätzt, wie die Ergebnisse unserer Befragungen zeigen. Zudem kümmern wir uns intensiv um Gesundheit und Wohlbefinden unserer Belegschaft.

LZ: Was heißt das konkret?
Buschhoff: Es gibt Trainings zu Stressmanagement, Aktionen zu Ernährungsverhalten und Gesundheitsvorsorge. Bewegungswilligen steht ein Fitnesscenter zur Verfügung. Zudem kümmern sich Kollegenteams um kleine und große Verbesserungen rund um den Arbeitsalltag. So finden Sie hier in der Zentrale eine Reinigung, einen Schuster, eine Bankfiliale oder eine Paketstation. Das spart Wege und Zeit. Auch Kinderbetreuung ist uns ein Anliegen: Wir kooperieren mit einer Kindertagesstätte und subventionieren dort vierzig Plätze.

LZ: Ihr Unternehmen ist bekannt dafür, nur aus eigenen Reihen zu befördern. Wie streng wird das gehandhabt?

Buschhoff: Unsere Grundphilosophie heißt "Build from within". Wir stellen Einsteiger ein und entwickeln diese weiter. In ganz seltenen Ausnahmefällen rekrutieren wir auch mal einen erfahrenen Mitarbeiter von außen. So haben wir gerade einen Steuerexperten extern gesucht.

LZ: Böse Zungen würden behaupten, Sie kochen im eigenen Saft.

Buschhoff:
Davon kann keine Rede sein. Denn im Zuge unserer Akquisitionen kommt immer wieder frisches Blut ins Unternehmen. Das bringt Impulse und Inspiration von außen und stellt einen guten Mix sicher. Ich selbst bin über den Kauf von Braun zu Procter gestoßen.

LZ: Procter gilt als Innovationsmaschine – dafür braucht es kreative Köpfe. Wie stellen Sie die Qualität bei Ihrem Nachwuchs sicher?

Buschhoff: Unser Auswahlverfahren sieht Sreeningtests und ein sehr ausgeklügeltes Interviewmodell vor. Dieser Prozess hat sich bewährt. Das sieht man auch daran, dass von den fünfzig Absolventen, die ich in meiner Organisation eingestellt habe, nur ein einziger während der Probezeit gescheitert ist.

LZ: Was tun Sie für die Weiterentwicklung der Neulinge?

Buschhoff: Jeder, der frisch von der Uni zu uns stößt, bekommt vom Start weg sein eigenes Projekt, seine eigene Verantwortung. Ein erfahrener Mentor begleitet ihn durch die ersten Tage, Monate und Jahre. Es gibt zudem ein Trainingsprogramm für alle, nicht nur die Nachwuchsführungskräfte. Das Procter-Spezifische daran: Wir arbeiten zu 99 Prozent mit Inhouse-Trainern. Deshalb erwarten wir von jedem unserer Mitarbeiter, vor allem natürlich dem Management, entsprechendes Engagement.

LZ: Wird die Nachfolgeplanung durch die strikte Vorgabe, aus den eigenen Reihen zu entwickeln, nicht erschwert?

Buschhoff: Nein. Man muss allerdings besonders weit vorausschauen. Es gehört zu meiner Verantwortung, demografische Betrachtungen anzustellen und die Personalplanung für die nächsten zehn Jahre danach auszurichten. Das machen wir für jede einzelne Funktion im Unternehmen, nicht nur für das Management. Wir wissen sehr genau, wo wir stehen.

LZ: Welche Rolle für die Rekrutierung spielt der Online-Wettbewerb "P&G&U", den Sie gerade erstmals durchgeführt haben?

Buschhoff: So etwas ist der richtige Weg, um uns bei den Studenten zu positionieren. Bei P&G&U schließen sich Studenten in multifunktionalen Teams zusammen und bearbeiten gemeinsam Fallstudien zu unseren Marken. Auf den drei vorderen Plätzen landeten Teilnehmer aus Frankreich, Italien und Deutschland. Mit den achtzig Einsendungen sind wir sehr zufrieden. Eine Neuauflage ist geplant.

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