Kraft Foods "Es geht um Differenzierung"

von Redaktion LZ
Freitag, 01. April 2011
„Befruchtende Impulse“: Christian Reuver will jede zehnte Vakanz im Unternehmen extern besetzen.
Kraft Foods
„Befruchtende Impulse“: Christian Reuver will jede zehnte Vakanz im Unternehmen extern besetzen.
LZnet. Kraft Foods möchte seinen Gesamtauftritt gegenüber dem studentischen Nachwuchs vereinheitlichen. Im Gespräch mit der LZ erläutert Personaldirektor Christian Reuver die Details.
Lebensmittel Zeitung: Herr Reuver, Sie wollen in diesem Jahr Ihr Hochschulmarketing verstärken. Was genau haben Sie vor?

Christian Reuver: Das grundsätzliche Thema lautet: Wie gewinnt man die besten Talente für das Unternehmen? Also Menschen, die gestalten, den Status quo hinterfragen und etwas verändern wollen. Was ich stärker herausstellen möchte, ist, dass die jungen Menschen, die von der Hochschule kommen, bei uns eine Chance haben, von Anfang an Verantwortung zu übernehmen.

LZ:
Das behaupten viele andere Markenartikler auch.


Reuver: Also geht es um die Frage der Differenzierung. Wir bieten zum Beispiel ganz bewusst kein klassisches Traineeprogramm an, sondern stellen innerhalb unseres Junior Management Programms Absolventen für tatsächlich vorhandene Vakanzen in den Fachbereichen ein – mit konkreten Jobprofilen. Bei uns rotiert man nicht kurzfristig durch die verschiedenen Abteilungen der Zentrale. Das macht einen Riesenunterschied.

Zur Person

Zur Person

Christian Reuver (46) ist bereits seit 19 Jahren bei Kraft Foods. Nach seinem Einstieg als Führungsnachwuchs 1992 bei Jacobs Suchard in Bremen hatte der gelernte Industriekaufmann, der dann Betriebswirtschaft in Passau studierte, verschiedene Positionen inne. Seit Februar 2006 ist er Personaldirektor Deutschland und Österreich bei Kraft Foods.



Gilt das vor allem für Marketing und Vertrieb oder auch für die Produktion?

Reuver: Für die Werke gilt dasselbe Prinzip. In Lörrach zum Beispiel gibt es aktuell etwa fünfzehn Nachwuchskräfte, meist Ingenieure. Auch die steigen auf konkreten Positionen ein.

LZ: Sind Nachwuchspositionen im Marketing oder Ingenieurstellen schwerer zu besetzen?

Reuver: In Deutschland haben wir die meisten Vakanzen im Marketing und Vertrieb, und dafür erhalten wir nach wie vor gute Bewerbungen. Für Ingenieurstellen ist das regional unterschiedlich, doch auch hier finden wir geeignete Mitarbeiter. Allerdings ist der Erklärungsbedarf höher. Man muss den Absolventen erst einmal nahebringen, wie spannend etwa die Schokoladenherstellung ist. Wir werden hier noch mehr tun in Richtung Transparenz und Vermarktung.

LZ: Was heißt das konkret?

Reuver: Wir wollen unseren Gesamtauftritt stärken. Deshalb bündeln wir die Rekrutierungs- und Hochschulmarketingaktivitäten über die verschiedenen Werke in Deutschland hinweg, die bislang weitgehend für sich agieren. In Zukunft werden wir uns an interessanten Unis mit einem einheitlichen Bild präsentieren. So können wir auch die Entwicklungschancen bei Kraft Foods deutlicher herausstellen.

LZ: Was bedeutet das für die Personalabteilungen der einzelnen Standorte?

Reuver: Wir haben uns die Frage gestellt, wer den größten Bedarf und die meiste Erfahrung hat. In diesem Fall wird Lörrach die Federführung übernehmen und die Aktivitäten für ganz Deutschland umsetzen.

LZ: Welche Art der Zusammenarbeit schwebt Ihnen vor?

Reuver: Ich möchte den Besuch von Hochschulmessen reduzieren und stattdessen verstärkt mit guten Universitäten direkter kooperieren. Das kann in Form von Vorträgen oder Workshops passieren. Oder wir laden Studenten zu uns ein, um Case-Studies zu bearbeiten.

LZ: Planen Sie Vergleichbares für Marketing und Vertrieb?

Reuver: Ja. Auch hier wollen wir Schlüsseluniversitäten identifizieren, mit denen wir direkter zusammenarbeiten. Die Jacobs University in Bremen etwa bietet den neuen Studiengang "Global Economics" an, dessen Inhalte unsere Anforderungen genau erfüllen. Dort haben wir die ersten Kooperationsfelder schon abgesteckt und werden in diesem Jahr beginnen.

LZ: Nennen Sie doch mal ein Beispiel.

Reuver: Unser Deutschlandgeschäftsführer Jürgen Leiße hat sich bereit erklärt, den Dialog zwischen Studenten und dem Unternehmen zum Beispiel mit einem Vortrag aktiv mitzugestalten. In der weiteren Entwicklung kann die Zusammenarbeit über Case-Studies bis hin zu einer gemeinsamen Workshopserie führen. So erfahren die Studenten etwas über uns und die Arbeitswelt, und wir wiederum kommen mit interessanten Kandidaten ins Gespräch.

LZ: Wie zufrieden sind Sie insgesamt mit der universitären Ausbildung?

Reuver: Die Hochschulen hierzulande sind sehr marketinglastig. Ich würde mir mehr Vertiefung im Bereich Vertrieb wünschen.

LZ: Welche Konsequenzen haben die neuen Studienabschlüsse?


Reuver: Durch die Umstellung auf Bachelor kommen die Hochschulabsolventen jünger zu uns. Dadurch müssen wir teilweise mehr in die Entwicklung der Personen investieren. Den Top-Talenten werden wir den Master ermöglichen.

LZ: Von wie vielen Fällen gehen Sie dabei aus?

Reuver: Wir stellen in Deutschland ungefähr 40 bis 45 Absolventen im Jahr ein. Davon kommt voraussichtlich etwa eine Handvoll in Frage.

LZ: Wie entwickeln Sie Ihre Führungskräfte insgesamt weiter?


Reuver: Wir sprechen mit jedem Mitarbeiter über seine Leistung und individuellen Möglichkeiten und vereinbaren Maßnahmen, um ihn weiterzuentwickeln. Auch das Potenzial der Führungsverantwortlichen wird in regelmäßigen Reviews erfasst. Für die High Potentials, das sind etwa acht bis zehn Prozent davon, haben wir im letzten Jahr erstmals ein Talent-Programm aufgesetzt. In crossfunktionalen Teams haben sie mit Unterstützung durch das Top-Management eine Business-Strategie für Kraft Foods Deutschland, Österreich und die Schweiz ausgearbeitet. Erste Ergebnisse werden Mitte Mai präsentiert.

LZ: Sie wollen demnach aus eigenen Reihen mehr Potenzial schöpfen.

Reuver: Vorrangig schon. Um aber nicht nur im eigenen Saft zu kochen, möchte ich um die zehn Prozent aller vakanten Stellen extern besetzen. Derzeit liegt diese Quote bei drei bis fünf Prozent. Ich strebe mittelfristig eine stärkere Durchmischung an. Denn es tut dem Unternehmen gut, zusätzliche Impulse von außen zu erhalten. International gibt es bei uns durch die Zukäufe, vor allem von Cadbury, natürlich jede Menge neue Gesichter. Das ist ungeheuer befruchtend.

LZ: Gab es Reibungsverluste durch die Cadbury-Integration?


Reuver: Wir führen aus beiden Unternehmen und beiden Kulturen das Beste zusammen. Nicht nur bei den Mitarbeitern, sondern auch bezogen auf Trainings und Prozesse.

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