Ferrero Ferrero investiert in seine Mitarbeiter

von Redaktion LZ
Freitag, 19. November 2010
Alexander Lauer hat viel bewegt.
Ferrero
Alexander Lauer hat viel bewegt.
LZnet. Der drohende Fachkräftemangel erfordert neue Konzepte. Der Anbieter von Kinderriegel und Nutella hat das erkannt und poliert sein Arbeitgeberimage auf.
"Viele reden darüber, wenige beschäftigen sich systematisch damit", beschreibt Ina Wietheger, Partner von Roland Berger, ihre Beobachtung, wenn es um das Topthema Talentmanagement geht. Das Consulting-Unternehmen hat vor kurzem eine Broschüre darüber verfasst. Darin fordert es Unternehmen auf, ihre Recruitingmaßnahmen zu aktualisieren.

"Der Fachkräftemangel stellt ein strukturelles Problem dar, keine vorübergehende Erscheinung", mahnt Wietheger. Der nachhaltige Umgang mit Personal, so die Beraterin, entscheidet in Zukunft den Wettbewerb.

Beim Süßwarenspezialisten Ferrero ist diese Botschaft angekommen. Talentmanagement zählt für den Leiter HR Dr. Alexander Lauer zu den wichtigsten strategischen Aufgaben derzeit. Zwar spüre der Süßwarenriese noch wenig von dem Mangel an Nachwuchs. "Die eigentlichen Auswirkungen erwarten wir erst in fünf bis zehn Jahren", sagt er.

Jetzt die Weichen für später stellen

Talent Management

Talent Management

Nach der Krise planen viele Unternehmen eine Neuausrichtung ihrer Programme zum Talentmanagment. Das stellt die aktuelle Mercer-Studie "Future of Talent Management" fest. An der Umfrage beteiligten sich 700 Unternehmen aus den USA, Europa, dem Nahen Osten und Afrika. Die Arbeitgeber räumen dem Thema Vorrang ein und erwarten, dass seine Bedeutung noch steigen wird. Sie gehen davon aus, dass sich der Wettbewerb um junge Talente zuspitzt. Vorrangig kümmern sie sich um die Nachfolgeplanung der Führungsetagen.
"Wer meint, Talentmanagement sei allein Sache der Personalabteilung, irrt." Mit diesem Statement leitet Roland Berger Strategy Consultants seine Ausführungen in "Think: act content" ein. Die Publikation widmet sich ebenfalls dem Topthema. Die Berater haben die Erfahrung gemacht, dass viele Topmanager zwar glauben, HR-Themen komme in nächsten Jahren eine Schlüsselrolle zu. Doch sie handelten nicht danach. Dabei entscheide der nachhaltige Umgang mit Personal in Zukunft über die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen.

Doch wer jetzt nicht die Weichen stellt, gerät leicht ins Hintertreffen. Deswegen hat Ferrero vor zwei Jahren begonnen, massiv in Talentmanagement und Employer Branding zu investieren. Die Ausgaben für Training und Development stiegen um 50 Prozent – zu einer Zeit, wo fast überall im Land Sparen angesagt war, wie Lauer nicht ohne Stolz bemerkt.

Einen ersten Erfolg konnte das Unternehmen dabei für sich bereits verbuchen. Zum ersten Mal beteiligte es sich an der Trendence-Bewertung der Top-Arbeitgeber und erreichte auf Anhieb Platz zehn.

Ferrero punktet mit seiner Internationalität. In den Einstiegsprogrammen für High Potentials sind Auslandseinsätze fest verankert. So etwa ist eine externe Phase im Bereich Finanzen obligatorisch. Aber auch der Nachwuchs in Marketing oder Vertrieb erhält die Chance, in einem anderen Land zu arbeiten.

Wettbewerb um Schlüsseltalente in den nächsten Jahren
LZ-Grafik

Wettbewerb um Schlüsseltalente in den nächsten Jahren

"Aktuell schicken wir einige unserer jungen Vertriebsleute für zwölf Monate nach Skandinavien", sagt Lauer. "Das erweitert den professionellen Horizont und motiviert in höchstem Maße." Ebenso wie die Partner-Universität Saint Joseph’ s in Philadelphia, an der jährlich 30 bis 40 erfahrene Vertriebler für eine zeitlang Vorlesungen hören. Zu dieser Weiterbildung zählen außerdem Storechecks vor Ort. Seit diesem Jahr kooperiert Ferrero zudem mit Insead, einer Business-Schule in Fontainbleau bei Paris.

Um junge Talente im Unternehmen zu halten, muss das Arbeitsumfeld stimmen. Ferrero hat auch auf dem Gebiet in den letzten achtzehn Monaten viel getan. So wurden Büros modernisiert und eine firmeneigene Kantine eingerichtet. Mehr Teilzeitstellen entstanden.

Unterstützung auf höchster Ebene

Und zwei Marketingabteilungen probieren seit kurzem aus, wie sich Home-Office-Tage in den Arbeitsablauf integrieren. "Das ist auf große Begeisterung gestoßen", bewertet Lauer. In der IT habe das bereits "wunderbar funktioniert." Vor allem aber müssen die Führungskräfte des Hauses mitziehen, die den Nachwuchs motivieren und sinnvoll einsetzen.

"Das Thema kann nur erfolgreich betrieben werden, wenn es auf höchster Ebene verankert ist", benennt Wietheger einen wichtigen Erfolgsfaktor. Dem stimmt Lauer zu: "Wir haben bei der Umsetzung von TM-Strategien massive Unterstützung von der Geschäftsleitung erhalten. Und viel Freiraum für das, was wir in den vergangenen zwei Jahren umgesetzt haben."

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