Henkel "Mitarbeiter wollen Beruf und Pflege verbinden"

von Silke Biester
Freitag, 09. September 2011
Durch den demografischen Wandel müssen Angestellte immer häufiger zuhause pflegebedürftige Angehörige versorgen. Das neue Gesetz zur Familienpflegezeit schafft dazu flexible Rahmenbedingungen. Henkel stellt sich als Arbeitgeber heute bereits darauf ein.
Lebensmittel Zeitung: Frau Neumann-Busies, wie gehen Sie mit dem Thema Familienpflegezeit aktuell um?

Regina Neumann-Busies: Henkel hat erkannt, dass die Fähigkeiten und Talente unserer Mitarbeiter nur dann optimal genutzt werden, wenn das Unternehmen ihnen dabei hilft, die Herausforderung von Beruf und Familie erfolgreich zu meistern. Neben der Frage der Kinderbetreuung sind immer mehr Beschäftigte damit konfrontiert, Angehörige pflegen zu müssen. Bei Henkel gibt es eine eigene Abteilung als zentrale Anlaufstelle: die sozialen Dienste. Sie beraten in allen Fragen von Pflegebedürftigkeit, geben Hilfestellung beim Anerkennungsverfahren der Pflegeeinstufung und vermitteln Betreuungsmöglichkeiten. Henkel kooperiert unter anderem mit einem externen Familienservice. Und eine Gruppe ehemaliger Mitarbeiter des Unternehmens hilft bei Bedarf bei der Betreuung älterer Menschen.

LZ: Sind Sie häufig mit solchen Situationen konfrontiert?

Neumann-Busies: Die Anfragen häufen sich. Allein zu diesem Thema haben unsere sozialen Dienste im vergangenen Jahr mehr als 80 Beschäftigte am Standort Düsseldorf unterstützt. Hinzu kommen Informationsveranstaltungen, die sehr gut besucht sind. Ein Beispiel ist der Kurs "Wenn Eltern älter werden”. Unser Angebot wird von Mitarbeitern aller Ebenen intensiv genutzt.

LZ: Welche Änderungen erwarten Sie im Zuge der neuen Gesetzgebung?

Neumann-Busies: Henkel bietet jetzt schon eine Menge Unterstützungsmaßnahmen. Wir versuchen immer, gemeinsam mit Betroffenen und Vorgesetzten, individuelle Lösungen zu finden. Dank flexibler Arbeitszeitmodelle wie Gleitzeit, Teilzeit oder Home Office finden wir auch einen Weg. Bei familiären Notfällen stellt der Konzern seine Mitarbeiter frei.

LZ: Mit welchen Schwierigkeiten rechnen Sie bei der Umsetzung? 

Neumann-Busies: Wir erwarten keine Schwierigkeiten, das bei uns umzusetzen. Die meisten Angestellten wollen gar keine Auszeit, sondern Beruf und Pflege miteinander verbinden. Den Fall, dass jemand komplett aus dem Beruf aussteigen möchte, weil er pflegebedürftige Angehörige hat, hatten wir noch nicht.

LZ: Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Neumann-Busies: Viele Angebote gehen zu wenig auf psychosoziale Fragen ein. Durch unser Projekt "Care Support – Pflegebegleitung durch Unternehmen" greifen wir dies auf. Es ist ein Pilotprojekt zur Förderung von Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. In der Henkel-internen Arbeitsgruppe tauschen sich Betroffene aus. So helfen sie sich gegenseitig, Arrangements zu finden, um Beruf und Pflege in Balance zu bringen. Seite 44 (sb)

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