Personalmanagement Arbeitsklima und Kultur wichtiger als Vergütung

von Redaktion LZ
Freitag, 11. September 2015
Kenner der Food-Industrie: Carl Christian Müller, Topos.
Topos
Kenner der Food-Industrie: Carl Christian Müller, Topos.
LZnet/Silke Biester. Der Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter verschärft sich in der Lebensmittelindustrie. Strukturiertes Personalmanagement wird insbesondere im Mittelstand umso bedeutender, so das Fazit einer aktuellen Studie der Personalberatung Topos.
Drei Viertel der deutschen Nahrungsmittelhersteller sind überzeugt, dass sich der demografische Wandel in den kommenden drei Jahren stark oder sehr stark auf ihr Unternehmen auswirken wird. Sie rechnen damit, den Fachkräftemangel entsprechend intensiv zu spüren zu bekommen.

Das ist das Ergebnis einer Branchenanalyse, der Personalberatung Topos und der Fachhochschule Erfurt, die der LZ exklusiv vorliegt. Die Engpässe am Personalmarkt seien bereits deutlich spürbar, berichtet der Studien-Initiator Carl Christian Müller.

"Es gibt deutlich weniger wechselwillige, qualifizierte Kandidaten", stellt er fest. Diese hätten zudem mehr Angebote zur Auswahl. Ein sehr gutes Gehalt allein sei heute nicht mehr ausreichend, um potenzielle Mitarbeiter zu überzeugen. "Unternehmenskultur und Arbeitsklima sind ausschlaggebend."

Systematische Fach- und Führungskräfteentwicklung sowie Mitarbeiterbindung seien entscheidend für das Personalmanagement der Branche. Die meisten Unternehmen haben die Bedeutung erkannt: Für satte 85 Prozent der Befragten ist das Thema Mitarbeiterentwicklung wichtig oder sehr wichtig. Die beiden genannten Hauptgründe für das Engagement sind "Anpassung der Qualifikationen und Kompetenzen" sowie "Steigerung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit".

Dies entspricht den klassischen Zielen solcher Maßnahmen. Überrascht haben die Studienmacher aber festgestellt, dass die Verbesserung des Unternehmensimages dabei auf dem letzten Rang gelandet ist, obwohl die Relevanz des Themas Arbeitgeberattraktivität und Employer Branding enorm zugenommen hat.

Insbesondere im Mittelstand sieht Müller noch Potenzial für die strukturierte Herangehensweise zur Verbesserung der Mitarbeiterbindung. Zwar treffen bereits 58 Prozent der Teilnehmer die Aussage, Mitarbeiterbindung sei wichtig und weitere 27 Prozent halten sie für sehr wichtig. In der Praxis werde diese aber oftmals noch sehr situativ betrieben, weiß Müller: Wenn ein Mitarbeiter ein gutes Angebot bekommen hat, versucht man im Nachhinein, ihn doch zu halten – anstatt proaktiv zu handeln.

Voraussetzung für eine zielgerichtete Personalstrategie sei der Aufbau von HR-Kompetenz. Der erste Schritt müsse sein, die eigenen Leistungs- und Potenzialträger zu identifizieren. Sie weiter zu entwickeln, folgt als zweiter Schritt. Hilfreich sei dabei das Instrument standardisierter Mitarbeitergespräche, die in der Branche aber noch nicht selbstverständlich sind.

Personalmanagement ist Chefsache

 

In den befragten Unternehmen werden Maßnahmen zur Verbesserung des Arbeitsklimas und der Kultur sowie Motivation am häufigsten umgesetzt. Work-Life-Balance spielt am seltensten eine Rolle. Grundsätzlich gelte es, die Maßnahmen professionell zu begleiten und die Ergebnisse zu bewerten, rät Müller. Als "Königsklasse" bezeichnet er es, Führungskräfte aus den eigenen Reihen heranzuziehen.

Insbesondere in mittelständischen, familiengeführten Unternehmen, wie sie in der Food-Industrie überwiegen, "ist Personalmanagement Chefsache", sagt Müller. Die Entscheider sollten das Thema "ganz oben auf der Agenda" haben, wenngleich das Tagesgeschäft von Spezialisten in der HR-Abteilung umgesetzt werden kann. Der Erfolg einer Personalstrategie hänge nicht zuletzt von der Investitionsbereitschaft ab: "Investitionen in Personal sind genauso wichtig wie in Maschinen", sagt er entschieden.

 

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