Demografischer Wandel Belastungen durch Nachtarbeit

von Christiane Düthmann
Freitag, 11. April 2014
Lebensmittelproduktion: Die meisten Betriebe arbeiten im Dreischichtsystem.
LZ-Archiv
Lebensmittelproduktion: Die meisten Betriebe arbeiten im Dreischichtsystem.
Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels suchen Lebensmittelhersteller nach neuen Schichtarbeitsmodellen, um ihre Belegschaften fit und gesund zu halten. Das Fünfschichtmodell, das Griesson – de Beukelaer erprobt, gilt als zukunftsweisend.
In der Ernährungsindustrie steigt das Durchschnittsalter der Belegschaften. Dadurch gibt es immer mehr Mitarbeiter, die nicht mehr "vollschichtig" eingesetzt werden können. "Die Betriebe müssen jetzt Antworten auf den demografischen Wandel finden, statt zu warten, bis die Falle zuschnappt", sagt Peter Dunkel, Leiter des Referats Industrie-, Struktur- und Branchenpolitik der NGG.

Man könne ältere Mitarbeiter entweder ganz aus der Nachtschicht herausnehmen oder dafür sorgen, dass sie weniger Nachtschichten arbeiten müssen, nennt er zwei mögliche Handlungsalternativen für die Hersteller.

"Vor allem fünf Nachtschichten in Folge sind belastend", verweist Dr. Ralf Wimmer, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands der Ernährungsindustrie Nordrhein-Westfalen (AEN), auf Forschungsergebnisse aus der Arbeitsmedizin. "Man sollte deshalb nach Möglichkeit Schichtsysteme mit nicht mehr als vier Nachtschichten hintereinander in Folge wählen."

Das ist zum Beispiel beim sogenannten Fünfschichtmodell der Fall, das Griesson – de Beukelaer seit März mit hundert Mitarbeitern am Standort Polch erprobt. Dabei werden – vorwärts rollierend – an sieben Tagen in der Woche je zwei Früh-, Spät- und Nachtschichten gearbeitet, gefolgt von vier freien Tagen.

Fünfschichtmodell taugt nur für manche Unternehmen

"Das ist aus unserer Sicht ein richtiger Ansatz, denn er trägt dazu bei, Belastungen zu reduzieren", urteilt NGG-Demografieexperte Dunkel. Mit der "Vorwärtsrotation" und der "geblockten Freizeit" würde wesentlichen arbeitsmedizinischen Erkenntnissen Rechnung getragen. Wichtig sei die Freiwilligkeit bei solchen Projekten. "Schichtarbeitsmodelle lassen sich nur umsetzen, wenn die Mitarbeiter zustimmen."

Doch längst nicht alle Unternehmen der Ernährungsindustrie sehen sich dazu in der Lage, auf solche Schichtmodelle umzuschwenken. "Wer nicht in größerem Umfang auch am Wochenende produziert, und das sind die meisten Unternehmen der Branche, dem bleibt in der Praxis oft gar nichts anderes übrig als der klassische Dreischichtbetrieb", gibt Arbeitgebervertreter Wimmer zu bedenken.

Denn Rahmenbedingungen wie vertragliche Wochenarbeitszeiten oder bestehende Schichtgruppen ließen sich nicht so einfach aus der Welt schaffen. Insofern sei Griesson mit seinem neuen Fünfschichtmodell innerhalb der Foodbranche "schon sehr innovativ".

Hinzu kommt die Tatsache, dass in Vier- und Fünfschichtmodellen eben regelmäßig auch am Wochenende gearbeitet werden müsse. "Aber vielen Mitarbeitern ist ein freies Wochenende mindestens genauso wichtig wie die Frage, wie viele Nachtschichten in Folge anfallen", so Wimmer.

In anderen Branchen, wie zum Beispiel der chemischen Industrie, sei das Fünfschichtmodell bereits häufig anzutreffen. Denn dort gebe es sehr viele Betriebe, die schon aus technischen Gründen "durchfahren" müssen.

 

 

(cd)

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