"Wir brauchen substanzielle Verbesserungen"

von Christiane Düthmann
Freitag, 25. Februar 2011
„Ergebnisse statt Anwesenheit“: Cornelia Hulla plädiert für eine moderne Unternehmenskultur.
Coca-Cola
„Ergebnisse statt Anwesenheit“: Cornelia Hulla plädiert für eine moderne Unternehmenskultur.
Frauenförderung ist ein Thema für die Topetage, findet Cornelia Hulla, Vorstand Personal der Coca-Cola Erfrischungstränke AG.
Lebensmittel Zeitung: Frau Hulla, wie hoch ist der Frauenanteil im Management bei Coca-Cola in Deutschland?

Cornelia Hulla: Es gibt in unserer Belegschaft insgesamt rund zwanzig Prozent Frauen, und ihr Anteil auf allen Führungsebenen entspricht mit ebenfalls zwanzig Prozent dieser Grundgesamtheit. Das halte ich für eine sehr gesunde und vernünftige Relation.

LZ: Was machen Sie, um Frauen zu fördern?


Hulla: Wir haben jetzt schon zum zweiten Mal ein Mentoringprogramm aufgesetzt und eine Reihe von Netzwerken gegründet. In allen Regionen, in denen wir tätig sind, bringen wir die Frauen auf diese Weise zusammen. Auch im Rahmen unseres Talent-Management-Prozesses spielt das Thema eine große Rolle. Bei bestimmten Management- und Senior-Management-Programmen sind zudem viele Plätze für Frauen reserviert, um die Talent-Pipeline entsprechend zu füllen.

LZ: US-Konzerne sind bei der Frauenförderung weiter als viele deutsche. Woher kommt dieser Vorsprung?


Hulla: Die strengere Antidiskriminierungspolitik und die gesamten Rahmenbedingungen in den USA haben sicherlich einen kulturstiftenden Einfluss, der sich in die Unternehmenspraxis übersetzt. So kann man dort selbstverständlicher mit diesen Fragen umgehen.

LZ: Wie lässt sich Frauenförderung sinnvoll in einer Organisation verankern?


Hulla: Es ist extrem wichtig, dass das Topmanagement solche Konzepte entsprechend unterstützt. Natürlich können sich Frauen auch selbst organisieren und Druck von unten machen. Aber wenn das vom Senior-Management nicht mitgetragen wird, ist es viel langwieriger und der Erfolg unsicherer.

LZ: Wird es in Deutschland ohne verordnete Quote zu entscheidenden Fortschritten kommen?


Hulla: Der Vorschlag Ursula von der Leyens zu einer 30-Prozent-Quote hat dem Thema jede Menge Aufmerksamkeit beschert. Und ohne Aufmerksamkeit bewegt sich nichts. Im Übrigen diskutieren wir ja nicht mehr, ob wir mehr Frauen auf den Chefetagen brauchen, sondern wie wir dahin kommen. Ich bin der Meinung, dass wir hierzulande sehr schnell zu substanziellen Verbesserungen kommen müssen, allein schon, um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu sichern.

LZ: Bei uns herrscht eine extreme Präsenzkultur. Das schreckt viele Frauen, aber auch Männer ab. Was muss sich ändern?


Hulla: Es ist wichtig, den Fokus nicht auf Anwesenheit, sondern auf Ergebnisse zu richten. Für unsere Nachwuchskräfte beiderlei Geschlechts ist zudem Work-Life-Balance ein wichtiger Wert. Flexibilität, zum Beispiel durch moderne Home-Office-Lösungen, ist besonders bei jungen Eltern gefragt. 
(cd)

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats