Management fürs Federvieh

von Redaktion LZ
Freitag, 10. Juni 2011
Vom Stall bis in den Laden: Mit vereinten Kräften kümmert sich die Geflügelbranche um Nachwuchs für das Management der gesamten Wertschöpfungskette.
LZ-Archiv
Vom Stall bis in den Laden: Mit vereinten Kräften kümmert sich die Geflügelbranche um Nachwuchs für das Management der gesamten Wertschöpfungskette.
LZnet. Der Geflügelwirtschaft droht der Führungsnachwuchs auszugehen. Ein unternehmensübergreifendes Traineeprogramm unter dem Dach des Zentralverbands der Branche soll Abhilfe schaffen.
"Unsere Branche spürt den Nachwuchsmangel schon", sagt Johannes Ritz. Einen Grund dafür macht der Projektleiter für Ausbildungsfragen bei der DLG-Akademie in Frankfurt an den Hochschulen aus. "Dort fristet die Geflügelwirtschaft ein Schattendasein."

Infolgedessen würden talentierte junge Leute "oft erst als Letztes auf diese fortschrittliche Branche aufmerksam". Und das, obwohl sie für Absolventen interessante Aufgabenfelder zu bieten habe. Ritz verweist unter anderem auf aktuelle Themen wie Nachhaltigkeit oder Tierschutz.

Ein neu aufgelegtes Traineeprogramm soll Abhilfe schaffen. Unter dem Dach des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) werden jetzt Nachwuchskräfte für Führungsaufgaben gesucht. Zu den Partnerunternehmen, die jeweils ein oder zwei Trainees brauchen, zählen die PHW-Gruppe (Wiesenhof), Cobb Germany und Wimex Agrarprodukte.

Gemeinsame Initiative

"Wir finden die gemeinsame Initiative spannend und wollen diesen Weg einmal ausprobieren", begründet Wiesenhof-Vorstandsvorsitzender Peter Wesjohann die Teilnahme seines Unternehmens. Zwei der Kandidaten wolle Wiesenhof voraussichtlich einstellen. Das Branchen-Traineeprogramm könne ein "Baustein" im Gesamtkonzept der Nachwuchsrekrutierung darstellen.

Darüber hinaus bilde Wiesenhof auch eigene Trainees aus, beispielsweise in Kooperation mit der Fachhochschule Osnabrück. "Die Zahl der Bewerbungen geht langsam zurück", schildert Wesjohann den beginnenden Fachkräftemangel. Zurzeit finde man aber noch genügend gute Leute. "Und wir wollen, dass das so bleibt."

Für das Branchen-Ausbildungsprogramm werden zunächst sechs Absolventen gesucht. Sie sollen mit dem Schwerpunkt Agrar- oder Veterinärwissenschaften studiert haben oder über einen Fachschulabschluss sowie einschlägige Berufserfahrung verfügen. Für jeden Kandidaten gebe es bei den beteiligten Unternehmen konkreten Bedarf.

Theorie und Praxis werden verzahnt

Die Vorauswahl trifft die DLG-Akademie, angestellt werden die Nachwuchskräfte dann bei den einzelnen Unternehmen – befristet auf ein Jahr. Neben einem Traineegehalt von 800 Euro werden Unterkunft und Fahrtkosten bei Seminaren gestellt.

Das Programm besteht aus Theorie und Praxis. Ein zwölf Wochen dauernder Seminarteil, der von der DLG-Akademie und dem Gießener Institut für Agribusiness angeboten wird, soll den Teilnehmern das nötige Führungsrüstzeug vermitteln.

Personalmanagement und Unternehmensführung, Marketing und Kommunikation, Steuer- und Rechtsthemen stehen ebenso auf dem Lehrplan wie Zuchtmethoden, Qualitätsmanagement oder Supply Chain Management. Zweimal zwölf Wochen Managementerfahrung entlang der Wertschöpfungskette sammeln die Trainees bei den Partnerunternehmen.

"Es treffen bereits erste Bewerbungsmappen ein", freut sich Ritz über die Resonanz auf die Ausschreibung. Die Frist läuft noch bis Mitte Juli. Geplant ist, jedes Jahr ein solches Traineeprogramm aufzulegen.

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