Demografie Henkel macht sich fit für Rente mit 67

von Redaktion LZ
Freitag, 25. Oktober 2013
Komplexität: Mitarbeiter müssen heute oft nicht nur eine, sondern mehrere Anlagen bedienen können.
Komplexität: Mitarbeiter müssen heute oft nicht nur eine, sondern mehrere Anlagen bedienen können.
LZnet/Christiane Düthmann. Henkel macht seine Produktionsmitarbeiter fit für längere Lebensarbeitszeiten. Ein "Arbeitsbewältigungsindex" zeigt auf, an welchen Stellen Maßnahmen ergriffen werden müssen. Nach der Pilotphase wird das Projekt jetzt auf das gesamte Stammwerk ausgeweitet.
Henkel konfrontiert seine Mitarbeiter mit einem unbeliebten Thema: "Wie können Sie sich vorstellen, bis zum 67. Lebensjahr zu arbeiten?" Diese Frage stellt der Persil-Konzern den Beschäftigten in der Produktion, um herauszufinden, wie es um Gesundheit und Job-Zufriedenheit bestellt ist.

"Die Qualität der Arbeitsbewältigung ist im Wesentlichen von vier Faktoren abhängig", weiß Dr. Toni Reifferscheid, Leiter des werksärztlichen Dienstes. "Das sind Gesundheit, Qualifikation, Arbeitsumgebung und betriebliche Organisation."

Freiwillige Fragenbogenaktion

Sie werden mithilfe eines Fragebogens erfasst. Die Teilnahme an diesem "Arbeitsbewältigungsindex" ist freiwillig. Das Ganze findet im Rahmen der routinemäßigen arbeitsmedizinischen Vorsorgemaßnahmen statt.

Im ersten Schritt waren die insgesamt 500 Mitarbeiter der Energiebetriebe, der Werkstätten sowie der "General Services" wie Werkschutz oder Verkehrsbetriebe an der Reihe. Das Pilotprojekt mit diesen drei Organisationseinheiten lief von 2010 bis 2012. "Die Teilnahmequote lag bei 94 Prozent", so Reifferscheid.

Roll-out: Nach dem Pilotprojekt werden jetzt auch die Beschäftigten in der Waschmittel- und Klebstoffproduktion am Standort Düsseldorf in den Arbeitsbewältigungsindex einbezogen.
Henkel
Mit den Ergebnissen des ersten Durchgangs ist er sehr zufrieden. So zeige der Arbeitsbewältigungsindex bei immerhin 85 Prozent der 500 Mitarbeiter des Pilotprojekts "sehr gute" oder "gute" Werte. Etwa 12 Prozent lagen im "mittelmäßigen", 3 Prozent im "kritischen" Bereich.

Jeder Teilnehmer erhält ein individuelles Feedback. Der Werksarzt rät, was er umsetzen sollte, um auch mit 67 noch seine Arbeit machen zu können. "Der eine braucht vielleicht eine Reha-Maßnahme, der andere eine weitere Behandlung durch den Haus- oder Facharzt. Für familiäre Probleme gibt es die sozialen Dienste als Anlaufstelle", nennt Reifferscheid einige Beispiele.

Individuelles Feedback

Am schwierigsten sei es erfahrungsgemäß, persönliche Verhaltensänderungen anzustoßen. Mehr Bewegung, gesündere Ernährung und Nichtrauchen gehören zu den Top Fünf auf der Prioritätenliste. Ganz oben steht der Wunsch der Mitarbeiter nach Wertschätzung.

Mit jedem Kollegen wird zudem besprochen, welche Unterstützung er im Job benötigt. Von Besprechungskultur über Schichtsystem bis Ergonomie reichen die Themen, aus denen sich konkrete Maßnahmen ergeben. So wurden im Rahmen des Pilotprojekts bei den Energiebetrieben beispielsweise veraltete Bürostühle und Monitore ausgetauscht.

Neue Radlader und Gabelstapler verfügen über Schwingsitz und Lärmschutzkabine. Lärmschutz war auch den Mitarbeitern in der mechanischen Werkstatt ein Anliegen. Dort gibt es nun einen Raum, der ruhige Pausen ermöglicht.

Ausweitung auf den gesamten Standort

"Wir haben von den Mitarbeitern, den Führungskräften und dem Betriebsrat durchweg positives Feedback erhalten", freut sich Reifferscheid. Nach vier Jahren soll die Befragung wiederholt werden. So könne man im Vergleich Fortschritte ablesen und feststellen, wo sich neue Fragen auftun.

"Das ist ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess" beschreibt der Arbeitsmediziner das weitere Vorgehen. Als nächstes sind die Waschmittel- und die Klebstoffproduktion am Standort Düsseldorf dran, im Januar nächsten Jahres soll dann das erste Werk außerhalb des Stammsitzes folgen.

 

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