"Das ist ein Feuerwehrjob"

von Christiane Düthmann
Freitag, 29. Juli 2011
Bloß kein Einerlei: Thomas E. Wenzel (53), Geschäftsführer der Wenzel Business Consulting, Frankfurt, liebt an seinem Dasein als Manager auf Zeit vor allem Abwechslung und Unabhängigkeit.
Volker Oehl
Bloß kein Einerlei: Thomas E. Wenzel (53), Geschäftsführer der Wenzel Business Consulting, Frankfurt, liebt an seinem Dasein als Manager auf Zeit vor allem Abwechslung und Unabhängigkeit.
Thomas E. Wenzel managte als Übergangsvorstand die Dr. Scheller Cosmetics AG – bis hin zum Verkauf an Coty Deutschland. Im Gespräch mit der LZ schildert der Markenartikelexperte, zu wem ein solcher Job auf Zeit passt.
Lebensmittel Zeitung: Herr Wenzel, wie wird man Interimmanager?

Thomas E. Wenzel: Das ist kein Berufswunsch, auf den man mit 24 Jahren kommt. Die meisten schlagen diesen Weg irgendwann in ihrer Laufbahn ein, weil sie sich verändern wollen oder die Karriere stagniert. Oder weil die Firma restrukturiert wird und man plötzlich vor der Frage steht: Was nun?

LZ: Wie war es bei Ihnen?

Wenzel: Ich war selbstständiger Unternehmensberater und sollte meine Vertriebs- und Marketingkonzepte auf Wunsch der beiden Kunden auch aus einer zeitweiligen Linienfunktion umsetzen. So wurde ich Interimmanager, aber der Begriff war mir bis dahin fremd. Nachdem diese beiden Jobs erfolgreich abgearbeitet waren, habe ich Kontakt zu Vermittlungsagenturen aufgenommen. Irgendwann hatte ich dann den ersten Auftrag in der Hand. Inzwischen gehöre ich zu den alten Hasen.

LZ: Das klingt wenig planbar.

Wenzel: Interimmanagement ist ein Feuerwehrjob. Wenn man Sie aussucht, müssen Sie sehr kurzfristig, manchmal übermorgen, anfangen. Denn der Auftraggeber hat ein konkretes Problem, das dringend gelöst werden muss. Und es ist immer auch eine Black Box. Aufgabe und Rolle werden zwar beschrieben, aber meist entwickelt sich das Ganze völlig anders – auch zeitlich. Es ist selten, dass ein auf sechs Monate vereinbartes Mandat auch tatsächlich nach sechs Monaten endet.

LZ: Ging Ihnen das bei Dr. Scheller Cosmetics ähnlich?

Wenzel: Nach dem Weggang des Vorstands Reinhold Schlensok sollte ich die Brücke zu dem Nachfolger bilden, den der russische Mehrheitseigner Kalina dabei war zu suchen, und in dieser Zeit außerdem die Kostenseite restrukturieren. Das sollte vier, höchstens sechs Monate dauern. Es wurden eineinhalb Jahre. Denn es lief schließlich darauf hinaus, das Unternehmen zu verkaufen. Diesen M&A-Prozess sollte ich begleiten. Das Mandat endete am 30. Juni.

LZ: In vier bis sechs Monaten ist man doch normalerweise kaum richtig eingearbeitet.

Wenzel: Das unterscheidet Interim- von normalem Management. Wir machen den gleichen Job wie andere auch – nur eben viel schneller. Wo ein Festangestellter die berühmten hundert Tage zur Einarbeitung bekommt, hat ein Interimmanager maximal dreißig. Mit anderen Worten: Nach einem Monat erwartet man von Ihnen, dass Sie fit sind. Und am besten sagt man schon nach zwei Wochen etwas Schlaues und zeigt, dass man das Unternehmen versteht.

LZ: Wie muss man von der Persönlichkeit gestrickt sein?

Wenzel: Mehrmals pro Woche übernachtet man auswärts. Deshalb sollte man Hotels, Autobahnen und Züge mögen. Man braucht ein ausgeglichenes Gemüt und muss Abwechslung lieben. Wer unter Stress zum Herzinfarkt neigt, sollte die Finger davon lassen. Denn man ist immer unter Druck, jeder will alles sofort.

LZ: Was finden Sie insgesamt am Dasein eines Interimmanagers am attraktivsten?

Wenzel: Das ist ganz eindeutig die Unabhängigkeit. Ich muss mich nicht
mit den täglichen kleinen Querelen und Reibereien irgendeines Konzerns herumschlagen. Ich kann meine Meinung sagen, brauche nichts schönzureden.

LZ: Und nach ein paar Monaten sind Sie wieder weg.

Wenzel: Genau. Der einzige Nachteil: Man weiß nie, woher man in den nächsten Monaten sein Geld bekommt.
(cd)

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