Vom Kumpel zum Chef

von Redaktion LZ
Freitag, 03. Februar 2012
Anna Seifert leitet den Bereich Learning for Development bei L\'Oréal Deutschland
L\'Oréal
Anna Seifert leitet den Bereich Learning for Development bei L\'Oréal Deutschland
LZnet. Das erste eigene Team: Dieser Punkt in der Karriere hat seine Tücken. Damit Nachwuchskräfte die Hürde ohne Blessuren nehmen, hat L’Oréal ein umfangreiches Maßnahmenbündel geschnürt. Ein neuer Baustein ist "Jump".
L’Oréal gehört zu den Arbeitgebern, die sich um ihre Beliebtheit kaum Sorgen machen müssen. Immer wieder erntet der Kosmetikkonzern Top-Noten bei Absolventen. Doch auch nach der Einstellung gilt es, daran zu arbeiten, dass Talente gern an Bord bleiben und im Unternehmen erfolgreich sind.

Ein kritischer Punkt in der Karriere ist die erste Führungsverantwortung, sei es für einen Mitarbeiter oder gleich ein ganzes Team, weiß Anna Seifert. Die 35-Jährige leitet den Bereich "Learning for Development" im Personalressort von L’Oréal Deutschland, und weiß, wovon sie spricht. Denn sie stieg nach ihrem Psychologiestudium bei den Düsseldorfern ein und führt heute selbst ein kleines Team.

Kritischer Punkt in der Karriere

Am Beispiel Vertrieb erläutert Seifert, um welche Zielgruppe es geht. Hochschulabsolventen fangen dort als Führungsnachwuchskräfte an und sind meist erst mal ein bis zwei Jahre im Außendienst tätig. Dann kommen sie in den Innendienst, beispielsweise ins Key-Account-Management, bevor sie zum Junior Key Accounter ernannt werden, der weitere ein bis zwei Jahre für einen bestimmten Kunden in einem bestimmten Vertriebskanal zuständig ist – noch ohne Personalverantwortung.

Der nächste Karriereschritt könnte dann die Beförderung zum Key-Account-Manager sein, dem ein Team von einem bis fünf Kollegen unterstellt ist. "Eine ganz neue Herausforderung für Mitarbeiter, die an diesem Punkt ihrer Karriere meist noch keine dreißig Jahre alt sind."

Je nach Werdegang liegt der Knackpunkt dabei entweder darin, jetzt das Team zu leiten, dessen Mitglied man zuvor war, also "vom Kumpel zum Chef" zu werden. Oder man trägt nun Verantwortung in einem anderen Vertriebskanal als dem, in dem man sich seine ersten Sporen verdient hat.

Recruiting und Arbeitsrecht als Herausforderungen

Vor allem in ihrer Funktion als Vorgesetzte brauchen die Novizen Rüstzeug, hat L’Oréal Deutschland erkannt und im vergangenen Jahr "Jump" ins Leben gerufen. Das steht für Junior-Management-Programm und bündelt das entsprechende Human-Resources-Know-how.

"Ein Aspekt dabei ist das Recruiting", erläutert Seifert. Den Führungsverantwortlichen wird vermittelt, was dabei zu beachten ist, wenn man Praktikanten oder neue Teammitglieder an Bord holt. Daneben spielt Arbeitsrecht eine wichtige Rolle. "Denn Vorgesetzte müssen wissen, welche Verantwortung und Aufgaben beispielsweise zum Thema Arbeitszeit auf sie zukommen."

In den Workshops geht es auch um die Do’s und Don’ts im Einstellungsprozess, die Integration neuer Teammitglieder, die Weiterentwicklung der Mitarbeiter, was beim Führen eines Teams zu beachten ist oder wie der Bewertungsprozess abläuft.

Individuelle Coachings ergänzen das Programm

Jump beginnt mit einer Kick-off-Veranstaltung und wird bei Bedarf durch individuelle Coachings und Personalentwicklungsbausteine ergänzt. Die bislang rund 20 Teilnehmer hätten das Konzept als "praxisnah und relevant" gelobt, freut sich Seifert.

Denn es reduziere die Hürden, die die neue Rolle mit sich bringt. Auch in Zukunft will L’Oréal an den Hilfestellungen für frischgebackene Führungskräfte weiter feilen. So könnten durch die veränderten Studienabschlüsse neue Herausforderungen auf das Unternehmen zukommen. Seifert ist sicher: "So ein Programm muss immer wieder angepasst werden."

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