Nachhaltige Kapitalanlage Nestlé legt Geld in Bildungsfonds an

von Redaktion LZ
Freitag, 28. Februar 2014
Erst lernen, später zahlen: 900 Studenten werden aktuell durch Bildungsfonds von Brain Capital unterstützt.
Shutterstock, Nestlé
Erst lernen, später zahlen: 900 Studenten werden aktuell durch Bildungsfonds von Brain Capital unterstützt.
LZnet/Christiane Düthmann. Nestlé investiert zum Sommersemester 2014 erstmals in den Bildungsfonds Brain Capital, der Darlehen an Studenten vergibt. Über fünf Jahre will die Pensionskasse des Unternehmens 13 Millionen Euro anlegen. Der Business-Plan prognostiziert eine Rendite von 6,5 Prozent.
Nestlé hat ein neues Instrument am Kapitalmarkt für sich entdeckt. Die Pensionskasse des Unternehmens will ab Beginn des Sommersemesters im April 13 Millionen Euro – verteilt auf fünf Jahre – in "Brain Capital" investieren.

Die Brain Capital GmbH entstand 2005 als Ausgründung an der WHU Otto Beisheim School of Management in Vallendar und betreut heute 15 Bildungsfonds, die Studenten an verschiedenen Hochschulen fördern.

Die Idee dahinter: Junge Menschen, die durch Brain Capital unterstützt werden, zahlen während ihres Studiums keine Studiengebühren. Im Gegenzug verpflichten sie sich zu einkommensabhängigen Zahlungen nach dem Examen für eine bei Vertragsabschluss festgelegte Laufzeit.

Die notwendige Kapitalbasis stellen bislang zwei institutionelle Investoren, sieben Stiftungen und mehr als 150 Privatinvestoren bereit, die sich mit Beträgen von 10.000 bis 500.000 Euro beteiligen. Aus der Industrie ist Nestlé der erste Investor – und mit 13 Mio. Euro einer der großen Geldgeber.

„Wir investieren in die Zukunft junger Leute“: Bettina Nürk, Nestlé


"Das ist ein Investment, das mit prognostizierten etwa 6,5 Prozent eine schöne Rendite bringt", sagt Bettina Nürk, Leiterin Altersversorgung und Vorstand der Nestlé-Pensionskasse. "Und sollten es nur 5 Prozent sein, wären wir immer noch sehr zufrieden." Zwar machen die 13 Millionen Euro nur 1 Prozent des Gesamtvermögens der Pensionskasse aus und "der Effekt auf die Gesamtrendite hält sich entsprechend in Grenzen", wie die Expertin einschränkt.

Aus Kapitalmarktperspektive jedoch "handelt es sich dabei um eine schöne Ergänzung". Zudem passt es zur ethisch-sozialen Komponente von Nachhaltigkeit, einem Thema, das Nestlé auch in Sachen Kapitalanlage vorantreiben will. "Wir investieren in die Zukunft junger Leute, indem wir Studenten unterstützen, die aus finanziellen Gründen sonst den gewählten Bildungsgang nicht bezahlen könnten", begründet Nürk.

"13 Millionen Euro reichen für die Studiengebühren von 350 bis 400 Studenten", rechnet Marco Vietor vor, Geschäftsführer von Brain Capital. Gefördert werden in der Mehrzahl Wirtschaftswissenschaftler, sowohl Bachelor als auch Master. Die größten Kontingente stellt neben der WHU die internationale Universität Bad Honnef. Hinzu kommen die Bucerius Law School in Hamburg sowie eine Reihe von Studenten, die in den USA juristische Masterprogramme absolvieren.

Um ein Studentendarlehen von Brain Capital kann sich bewerben, wer die Zusage seiner Hochschule bereits in der Tasche hat. "Wir setzen dann ein eigenes Auswahlverfahren obendrauf, bei dem es neben Abiturnoten auch um die Motivation des Kandidaten geht", beschreibt Vietor das Procedere. Schließlich will man sichergehen, dass die Geförderten nach ihrem Examen auch wirklich eine Karriere anstreben.

Rückzahlungen sind nach oben gedeckelt

 

Wovon man bei den Studenten der genannten Unis allerdings ausgehen könne, ist Nürk sicher. "Wer hier studiert, will später auch etwas auf die Beine stellen." Die "Ausfallquote" in den bisherigen Jahrgängen gibt ihr Recht. Sie liegt laut Vietor bei kumulierten 0,13 Prozent. Der Business-Plan unterstellt 5 Prozent.

Neun von zehn Geförderten bekommen die kompletten Studiengebühren, 10 Prozent erhalten lediglich eine Teilfinanzierung. Von den derzeit 900 geförderten Studenten befinden sich 250 in der Rückzahlungsphase.

Wer nach der Hochschule seine Karriere beginnt, muss zehn Jahre lang zwischen 4 und gut 9 Prozent vom Einkommen zurückzahlen, sofern er mehr als 30.000 Euro im Jahr verdient. "Berechnungsbasis ist das Bruttoeinkommen abzüglich Werbungskosten.

Das muss über den Steuerbescheid nachgewiesen werden", präzisiert Vietor. Einkommen, das im Ausland erzielt wird, falle genauso in die Berechnung hinein wie hiesiges. Zurzeit liege der Anteil der Absolventen, die im Ausland arbeiten, bei 5 Prozent. Die meisten davon haben einen Job in Großbritannien, der Schweiz oder Frankreich.

Nach oben sind die Rückzahlungen gedeckelt. "Niemand muss mehr als das Doppelte dessen erstatten, was er bekommen hat", sagt der Brain-Capital-Geschäftsführer. Zudem seien die Rückzahlungsraten nach heutiger Rechtslage steuerlich größtenteils absetzbar.

 

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