Mitarbeiter-Engagement Procter will Vertrauenskultur stärken

von Christiane Düthmann
Donnerstag, 19. März 2015
Bettina Buschhoff, Personalgeschäftsführerin P&G
Bettina Buschhoff, Personalgeschäftsführerin P&G
Procter & Gamble sieht Vertrauen als wesentlichen Teil seiner Unternehmenskultur an. Das stellt Führungskräfte vor besondere Herausforderungen. Neue Trainings sollen sie unterstützen.
Mit dem Spruch "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser", kann Bettina Buschhoff wenig anfangen. "Vertrauen ist ein wesentliches Element in unserer Unternehmenskultur, Kontrolle hingegen steht für uns nicht an erster Stelle", sagt die Arbeitsdirektorin und Personal-Geschäftsführerin bei Procter & Gamble in Schwalbach.

So praktiziert man dort beispielsweise schon seit Jahren die Vertrauensarbeitszeit, mit der andere Unternehmen noch fremdeln. Seinen Job ganz flexibel und auch von zuhause aus zu erledigen, ist eine Selbstverständlichkeit. Und in der Kantine prüft kein Kassierer nach, ob die Mittagsgäste ihre Menüs korrekt verbuchen.

Doch ganz ohne Kontrolle geht es nicht, räumt die Personalchefin ein. So gebe es hin und wieder Führungskräfte, "bei denen man nachfragen muss, ob Mitarbeitergespräche auch tatsächlich stattfinden und nicht auf die lange Bank geschoben werden".

Warum sie gerade auf diesen Punkt besonders großen Wert legt? Die Gespräche seien ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die HR-Arbeit bei P&G, begründet Buschhoff. "Es hat sich gezeigt, dass Mitarbeiter, mit denen ein solches Gespräch regelmäßig geführt wird, zufriedener und motivierter sind." Das lasse sich sogar messen, ist Buschhoff überzeugt.

Stolz verweist sie auf "in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegene Werte bei der Mitarbeiterzufriedenheit" und spricht von einer "direkten Korrelation zur Vertrauenskultur".

Vertrauen ist kein Selbstläufer

Die ist also mitnichten ein Selbstläufer. Und damit das System funktioniert, kommt es vor allem auf die Führung an. Zwar wüssten viele Vorgesetzte die Freiheiten zu schätzen, weil sie sie als Mitarbeiter selbst genossen haben. Aber einige stehen dem Ganzen, sobald sie in die Vorgesetztenrolle kommen, etwas kritischer gegenüber und müssen lernen, damit umzugehen.

"Speed of Trust" heißt ein neues Training, das ihnen dabei helfen soll. Dabei werden exemplarisch Situationen im Job durchgespielt, bei denen es darum geht, Vertrauen gegenüber den Mitarbeitern zu zeigen. Als Beispiel nennt Buschhoff schwierige Gespräche über Performance ohne das Vehikel der Zeiterfassung.

Angebote für Neulinge und alte Hasen

Das Angebot richtet sich an Chefs mit drei bis vier Jahren Erfahrung. Für Neulinge in der Führungsrolle gibt es ein Netzwerk, in dem sie Erfahrungen austauschen und an Fortbildungen teilhaben können.

Um die Bedürfnisse der Generation Y richtig einzuschätzen, wurden bei Procter & Gamble spezielle Teams ins Leben gerufen. "Wir fühlen dieser Generation gewissermaßen den Puls um herauszubekommen, wie die Kollegen ticken und was sie von uns erwarten", sagt Buschhoff.

Alle Führungskräfte werden als "People Manager" daran gemessen, wie die Leistung und die Stimmung in ihrem Team sind. Dabei geht es etwa um die Frage, wie sich die Mitarbeiter entwickeln und welches Feedback sie ihrem Chef geben. Dazu können die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung bis auf Teamgrößen von zehn heruntergebrochen werden.

Hilfen für die Gesprächsführung

Neben klassischen Mitarbeitergesprächen erwartet das Unternehmen von seinen Führungskräften, dass sie regelmäßig mit ihren Teammitgliedern über Themen reden, die über das rein Fachlich-Sachliche hinausgehen. Das soll dazu dienen, "Sorgen, Nöte und Bedürfnisse des Einzelnen besser zu verstehen". So etwas kann nicht jeder aus dem Bauch heraus.

P&G hat deshalb Leitfäden für solche Gespräche erarbeitet, an denen sich die Führungskraft orientieren kann. Auch hier konstatiert Buschhoff einen direkten Zusammenhang zum Engagement der Beschäftigten: "Vorgesetzte, die diese Gespräche regelmäßig führen, ob intuitiv oder strukturiert, erzielen die besseren Ergebnisse bei der Mitarbeiterzufriedenheit."

(cd)

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