L’Oreal Schönheit kommt aus dem Internet

von Redaktion LZ
Freitag, 12. Juni 2015
„Jeder braucht digitale Affinität“: Eva Szreder, Leiterin des Bereichs Talent Acquisition bei L’Oréal.
L’Oréal/Bedoy
„Jeder braucht digitale Affinität“: Eva Szreder, Leiterin des Bereichs Talent Acquisition bei L’Oréal.
LZnet/Christiane Düthmann. Digitalisierung ist ein Megatrend. Auch L’Oréal verstärkt das Online-Engagement. Die Belegschaft wird für die neuen Herausforderungen fit gemacht. Selbst Nachwuchskräfte müssen dazulernen.
Eigentlich sollte man meinen, Digital Natives macht in Sachen Online keiner was vor. Schließlich lernen sie mit Smartphone und Tablet umzugehen, bevor sie laufen und sprechen können. Doch die Gleichung "jung = digital fit" geht mit Blick auf die Ansprüche der Konsumgüterwirtschaft nicht immer auf.

"Es überrascht mich, wie oft Hochschulabsolventen, gerade im Marketing, digitale Kompetenz fehlt, und wie klassisch das Verständnis von Marketing ist", sagt Eva Szreder. Die gebürtige Niederländerin leitet den Bereich Talent Acquisition bei L’Oréal Deutschland.

Der Beautykonzern will im Online-Bereich Gas geben. Das Konsumentenverhalten ändert sich rasant. Immer mehr Cremes und Parfums werden im Web bestellt.

Reine Offline-Denke ist nicht mehr möglich

Bislang erzielt L’Oréal erst 6 Prozent seines Umsatzes in Internet, doch "2020 wollen wir bereits 20 Prozent unseres Umsatzes online machen", beschreibt Szreder die Marschrichtung. "Digitalisierung ist ein sehr wichtiges Thema für uns."

Das betrifft nicht nur die IT oder ausgewählte Spezialisten, sondern alle Mitarbeiter. Wegducken geht nicht: "Jeder braucht digitale Affinität und Neugier", fordert die Talent-Managerin. Eine reine Offline-Denke ist etwa im Marketing oder im Vertrieb längst nicht mehr möglich.

Im L’Oréal-Marketing in Düsseldorf arbeiten inzwischen rund dreißig Personen "komplett digital". Alle anderen müssen ebenso in der Lage sein, bei Kampagnen und Produktlaunches virtuelle Kanäle zu bespielen.

Auch in Szreders eigenem Fachgebiet Human Resources spielt digitale Kompetenz eine wichtige Rolle. "Mein ganzes Kommunikationsbudget fließt aufgrund der größeren Reichweite in Online-Kanäle", nennt sie ein Beispiel. Ein weiteres ist die digitale Jobmesse, die das Unternehmen organisiert, um Interessenten und Experten zusammenzubringen (lz 47-14).

Online-Weiterbildung für Geschäftsführer

Um den digitalen Kulturwandel zu beflügeln, hat L’Oréal in den vergangenen zwei Jahren gezielt erfahrene Online-Fachleute ins Unternehmen geholt, die ihr Wissen weitergeben. "Was wir jetzt forcieren, ist ein Top-Down-Ansatz, um jeden auf dem digitalen Weg auch wirklich mitzunehmen", beschreibt Szreder das Schulungskonzept.

Das beginnt mit den Geschäftsführern, die an einem "Reverse-Mentoring-Programm mit unseren Digital Direktoren" teilnehmen. In Kürze sollen die Senior-Manager in zweitägigen Seminaren auf Online-Kurs gebracht werden.

Für Mitarbeiter einzelner Fachbereiche gibt es spezielle Workshops zu digitalen Inhalten wie beispielsweise Suchmaschinenoptimierung für Marketingexperten. Einschlägige Module im hauseigenen E-Learning-Programm stehen zudem jedem zur Verfügung.

Studentenwettbewerb fokussiert digitales Marketing

In die Einstiegsprogramme für Hochschulabsolventen hat L’Oréal Online-Schwerpunkte eingebaut, um Know-how-Lücken bei den Nachwuchskräften auszubügeln. So hat eine der drei Stationen im Bachelor-Traineeprogramm nun einen digitalen Fokus.

Auch schon im Vorfeld setzt der Beautykonzern den Hebel an, etwa indem sich Praktika verstärkt um dieses Thema drehen. Und die Aufgabenstellung beim Studentenwettbewerb "Brandstorm" umfasst seit einigen Jahren explizit auch das digitale Marketing. In Vorträgen bei den Partneruniversitäten halten L’Oréal-Manager Vorträge, bei denen solche Inhalte ebenfalls im Mittelpunkt stehen.

Erfreut beobachtet Szreder außerdem, dass die Hochschulen selbst die Online-Ausbildung der Studenten verstärkt in ihre Lehrpläne integrieren. Als positives Beispiel nennt sie die Uni Köln, die sich diesbezüglich "sehr offen" zeige.

 

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