Zeitarbeiter fangen Produktionsspitzen ab

von Redaktion LZ
Freitag, 14. Januar 2011
LZnet. Produkteinführungen, Urlaubs- oder Erntezeiten: Der Personalbedarf in der Foodherstellung schwankt. Um flexibel reagieren zu können, nutzt Sonnen Bassermann eine spezielle Dienstleistung des Zeitarbeitsprofis Randstad.
Türkisfarbene Plastikpötte flitzen über die Transportbänder. Sitzen die Etiketten richtig? Eine letzte Kontrolle, dann geht es ab in die Kartons und auf die Palette. Im Sonnen-Bassermann-Werk in Seesen wird seit einigen Monaten ein britisches Traditionsgericht abgefüllt: "Baked Beans".

Die gehören zu einem richtigen englischen Frühstück dazu wie Porridge, Orangenmarmelade und Würstchen. Und jetzt gibt es sie nicht nur aus der Dose, sondern in einem wiederverschließbaren Kunststoffbehältnis, das sich angebrochen ein paar Tage im Kühlschrank hält. Convenience ist auch bei gebackenen Bohnen Trumpf.

Produkteinführungen sind besonders personalintensiv

"Das war unsere spannendste Neuentwicklung des vergangenen Jahres", sagt Ron Speelman. Seit vier Jahren leitet der Niederländer das Werk in Seesen. Für die Personalplanung bedeutet eine solche Produkteinführung eine echte Herausforderung. Denn neben den rund 200 Leuten der Stammbelegschaft wurden "in der Spitze" zusätzlich 250 Kräfte benötigt.

Lernen im Job

Lernen im Job

Das berufsbegleitende Programm "Lernen im Job" soll es gering qualifizierten Zeitarbeitnehmern ermöglichen, ihre beruflichen Kompetenzen und Qualifikationen zu erweitern. Durch den Einsatz in unterschiedlichen Unternehmen durchlaufen die Teilnehmer verschiedene Module und erlernen Fähigkeiten und Kenntnisse, die in einem Kompetenzpass dokumentiert werden. Inhaltlich orientieren sich die Module an den Rahmenlehrplänen bestehender Berufsausbildungen. Nach einem bestandenen Test vor der IHK, dem TÜV Rheinland oder der Dekra gibt es ein Zertifikat. Bei Sonnen Bassermannn in Seesen werden ab diesem Jahr zwei Ausbildungsgänge angeboten: Lagerassistent und Produktionsassistent.


Eine Nagelprobe für "RIS". Die drei Buchstaben stehen für Randstad Inhouse Service und bezeichnen eine spezielle Dienstleistung des Zeitarbeitsunternehmens. Seit zwei Jahren gleicht Randstad damit schwankenden Arbeitskräftebedarf in den Werkshallen aus.

Durchschnittlich 60 Randstad-Leute stehen zusätzlich zu den Sonnen-Bassermann-Mitarbeitern an den Abfülllinien. Es wird kontinuierlich in drei Schichten gearbeitet, meistens an fünf Tagen in der Woche.

Schwankender Arbeitskräftebedarf wird ausgeglichen

Der Produktionsstandort in der südniedersächsischen Kleinstadt ist schon 113 Jahre alt. "Sonnen" ist auf einem Turm noch zu lesen, der Name der Firma, aus der später Sonnen Bassermann wurde. Seit 1999 gehört der Hersteller von Suppen, Eintöpfen und Fertiggerichten zu H.J. Heinz.

Der durch seinen Tomatenketchup berühmt gewordene Global Player produziert weltweit in 77 Fabriken. In Seesen werden unter den Marken Sonnen Bassermann, Weight Watchers und Heinz-Gerichte für Deutschland und die weite Welt gekocht und abgefüllt – bis nach Australien und Neuseeland liefert das Werk.
Personeller Mehrbedarf ist keine Seltenheit. Saisonale Spitzen, Urlaubs- oder Erntezeiten führen zu Engpässen. "In einer Woche stehen hundert Leute am Band, in der nächsten brauchen Sie zweihundert. Solche Schwankungen kriegen Sie ohne Zeitarbeiter nicht geregelt", weiß Speelman aus Erfahrung.

Handelskunden erwarten Flexibilität

Auch die Reaktion auf Handelswünsche erfordert Flexibilität. Wenn ein Kunde kurzfristig ein spezielles Display bestückt haben möchte, müssen mal eben acht oder zehn zusätzliche Mitarbeiter zwei Tage lang Produkte umpacken, um diesen Auftrag abzuarbeiten. Randstad reagiere in solchen Situationen "innerhalb von Stunden", lobt Speelman seinen Personaldienstleister.

"Dafür müssen wir ein stetiges Rekrutierungsrad drehen", kommentiert Jana Gronwald, die als Commercial Manager Inhouse Service für den Kunden verantwortlich ist. Ein "Pool Management" sorge dafür, dass möglichst eingearbeitete Kollegen die Lücken füllen, und keine Anfänger in die Hallen geschickt werden. "Im sensiblen Bereich der Lebensmittelproduktion brauchen wir besonders zuverlässige Mitarbeiter", betont Gronwald.

Im Foodbereich ist Zuverlässigkeit gefragt

 Randstad hat ein eigenes Büro auf dem Sonnen-Bassermann-Gelände und ist mit mehreren Mitarbeitern für den Auftraggeber und die Zeitarbeitskräfte vor Ort ansprechbar. Zudem bemüht sich das Serviceunternehmen um Prozessoptimierung. Mit einem eigens entwickelten Softwaretool will man die Personalplanunng am Standort weiter verbessern.

Mit etwa 46.000 Mitarbeitern und 400 Niederlassungen in 300 Städten sowie einem Umsatz von 1,32 Mrd. Euro sieht sich Randstad als führender Personaldienstleister in Deutschland. Aktuell bietet er 6.000 neue Jobs an.

Ingesamt betreut das Unternehmen rund 180 RIS-Projekte, die meisten davon in Produktion und Logistik, wo erfahrungsgemäß die größten Schwankungen beim Arbeitskräftebedarf auftauchen. Randstad bezahlt nach dem Tarifvertrag zwischen dem Bundesverband Zeitarbeit (BZA) und der Tarifgemeinschaft Zeitarbeit des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Für längerfristige Einsätze in einem Kundenunternehmen gibt es Produktivitätszuschläge.

Bei Langzeiteinsätzen werden Zuschläge gezahlt

Die Entgelte liegen damit zwar niedriger als die der Festangestellten bei Sonnen Bassermann in Seesen. Doch Kostendrückerei sei nicht sein Ziel, betont Werksleiter Speelman. Er ist vielmehr froh über das Plus an Flexibilität durch RIS. "Das verschafft uns Luft zum Atmen."

Mancher Zeitarbeiter ist inzwischen längst in die Stammbelegschaft gewechselt. "Klebeeffekt" heißt so etwas in der Leiharbeitsbranche.

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