YBF bei Rotkäppchen Starke Rolle im Markenmarkt

von Redaktion LZ
Donnerstag, 12. Februar 2015
YBF bei Rotkäppchen mit Queisser
T. Fedra
YBF bei Rotkäppchen mit Queisser
Mit Genugtuung stellte Queisser gleich zu Beginn fest, dass er an diesem Abend nicht zu den Ältesten gehörte. Doch was er sagte, zeugte von großer Erfahrung. Der 44-Jährige, der seit eineinhalb Jahren an der Spitze von Rotkäppchen-Mumm steht, gewährte Einblicke in die Markenwelt und Geschäftspolitik des Anbieters, der konsequent keine Eigenmarken produziert. Wer das komplexe Geschäftsmodell "Marke" wähle, müsse konsequent und selbstbewusst seine Stärken ausspielen.


Dass Rotkäppchen-Mumm 52 Prozent des Sektmarktes auf sich vereine und starke Marken im Portfolio habe, helfe bei den Gesprächen mit dem Handel, sagte Queisser. Eine konsequente Preispolitik auf Basis der Kostenführerschaft mache es Eigenmarken schwer, Marken zu verdrängen. Der Sektmarkt sei und bleibe ein Markenmarkt.

Balance zwischen Innovation und Bestandswahrung

Das Marketing, so Queisser, sei für einen Markenartikler essenziell. Die Kunst bestehe darin, die richtige Balance zwischen Innovation und Bestandswahrung zu finden. Im vergangenen Jahr dürfte das dem Unternehmen sehr gut gelungen sein. Der Markt habe die Innovationen, darunter neue Mischgetränke, sehr gut angenommen.

Dass Rotkäppchen-Mumm mit Chantré im Spirituosensektor den Weg in die Aldi-Regale gefunden hat, habe nicht allen Marktteilnehmern auf Handelsseite gemundet, räumte Queisser ein. Doch auch auf diesem Feld wolle das Unternehmen Steherqualitäten entwickeln: "Der Handel fragt uns ja auch nicht, ob wir etwas dagegen hätten, wenn er ein Konkurrenzprodukt einlistet."

Marketing-Direktor Peter Claußen betonte, wie wichtig ein Marketing aus einer Hand sei – gerade für ein Unternehmen, das vier der sechsgrößten Sektmarken mit zum Teil sehr unterschiedlicher Ausrichtung führt. Als Beispiel nannte er die Marke Jules Mumm, die "sehr spitz auf die Damenwelt zugeschnitten" sei.

Pflege der "Love Brand"

Marketing-Managerin Tanja Rosenthal berichtete vom märchenhaften Aufstieg der schwächelnden DDR-Marke Rotkäppchen zur stärksten Sektmarke Deutschlands mit 36 Prozent Marktanteil. Die von vielen Kunden heißgeliebte "Love Brand" müsse aber gepflegt werden, so Rosenthal. Nur so könne man verhindern, dass die im Handel beliebte Aktionsware im Image abrutsche. Weil der Verbrauch von Sekt zurückgeht, hat sich Rotkäppchen außerdem als Dachmarke auf die wachsenden Felder Wein, Fruchtsecco und alkoholfrei vorgewagt.

Als Marke für stilvollen Genuss stellten Cathrin Duppel, Meike Schleicher und Anne Koppelmann Mumm vor. Dabei sei die Herausforderung, die Marke an die veränderten Auffassungen von Stil (persönlich statt konformistisch) und Genuss (Regel statt Ausnahme) anzupassen.

Auch im wachsenden Weinbereich ist Rotkäppchen-Mumm aktiv. Produktmanagerin Nadine Dübner berichtete, wie die Konzentration auf den zwischenzeitlich verwässerten Markenkern den Absatz der Weinmarke Blanchet von 2010 bis 2013 um 23 Prozent steigerte.

Tilo Lehmann, Leiter des Perfetto-Marktes im Karstadt Wiesbaden, lobte das "perfekt einheitliche Markenbild" von Rotkäppchen, mahnte aber an, im Verkauf noch mehr auf Erlebnis und Inszenierung zu setzen. "Wir sind Geschichtenerzähler Ihrer Marke. Geben Sie uns Geschichten, dann erzählen wir sie."

(gh/him/sb)

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