Weiterbildung KIN optimiert das Bildungsangebot

von Roswitha Wesp
Freitag, 06. November 2015
KIN-Schüler: Der Mittelstand hat großen Weiterbildungsbedarf in Sachen Lebensmittelsicherheit angemeldet.
KIN
KIN-Schüler: Der Mittelstand hat großen Weiterbildungsbedarf in Sachen Lebensmittelsicherheit angemeldet.
Das KIN-Lebensmittelinstitut baut sein berufsbegleitendes Weiterbildungsangebot aus. Im April 2016 startet die erste Stufe für die Qualifizierung zum Lebensmitteltechniker. Sukzessive sollen die Angebote praxisorientierter und zeitgemäßer konzipiert werden.

Ziel der Arbeit des KIN-Lebensmittelinstituts ist es laut Axel Graefe, sich zukunftsorientiert mit Blick auf die aktuellen Bedürfnisse des Mittelstandes auszurichten. Der Institutsleiter und Geschäftsführer der in Neumünster angesiedelten Institution, die in diesem Jahr 50-jähriges Bestehen feiert, ist angetreten, die Zahl der Schüler aus dem gesamten Bundesgebiet weiter zu erhöhen. Derzeit besuchen 150 Schüler das KIN, im Frühjahr nächsten Jahres sollen es dann 170 sein.

In Zeiten sinkender staatlicher Zuschüsse sei es nötig, das KIN im öffentlichen Bewusstsein stärker zu verankern. Lebensmittelskandale und das zunehmende Ernährungsbewusstsein in der Gesellschaft machen die Arbeit der als Konserven-Institut Neumünster gegründeten Privatschule mit anerkanntem staatlichen Abschluss zunehmend bedeutsamer.

Fachkräftemangel erhöht Nachfrage nach Qualitätsmanagern

Die Nachfrage nach Qualitäts- und Produktmanagern sowie Lebensmitteltechnikern sei hoch, sagt Graefe. In den rund 270 Mitgliedsunternehmen des KIN werde viel über den bereits zu spürenden Fachkräftemangel diskutiert. In einer aktuellen Umfrage stellte sich jetzt heraus, dass mehr als 90 Prozent der Unternehmen angaben, diesem Problem durch die Schulung des eigenen Personals begegnen zu wollen.

Insgesamt wurden 90 Unternehmen nach ihrem Bedarf an beruflicher Weiterbildung befragt. Rund 40 Prozent davon rangieren als Mittelstand, weitere 31 Prozent als Klein- und Kleinstbetriebe und 29 Prozent als Großunternehmen.

Durchweg alle befürchten einen Wissensverlust durch Personalfluktuation oder durch das Erreichen des Rentenalters von qualifizierten Mitarbeitern. "In deren Windschatten segeln zwar einige andere. Die jedoch trauen sich oft nicht zu, in Führungspositionen aufzusteigen und brauchen mehr Qualifikation", erklärt Graefe die Notwendigkeit auch hier mehr zu schulen.

Weiterbildung läuft künftig berufsbegleitend

Bislang sind die Weiterbildungsangebote für den Lebensmitteltechniker, für den zwei Jahre veranschlagt werden, auf Vollzeit ausgerichtet. Die Schüler – allesamt Erwachsene – mussten ihren Beruf aufgeben, um am KIN die Fortbildung zu belegen. Die meisten mussten daher auch eines der insgesamt 80 Appartements mieten, die das KIN zur Verfügung stellt, weil sie nicht im Umkreis wohnen.

60 Prozent der KIN-Schüler kommen zwar aus Norddeutschland, der Rest jedoch aus dem gesamten Bundesgebiet. Wer seinen ersten Wohnsitz nicht in Schleswig-Holstein hat, kann keine Landesschüsse für die rund 15.000 Euro teure Bildungsmaßnahme erhalten.

Die für das kommende Frühjahr geplante berufsbegleitende Weiterbildung zum Lebensmitteltechniker dauert drei Jahre und kostet ebenfalls 15.000 Euro. Doch der Teilnehmer muss seinen Beruf nicht aufgeben, sondern kann weiter im Unternehmen arbeiten und zu festgelegten Zeiten Seminarmodule – zum Teil auch ohne Präsenzpflicht – belegen.

Über 90 Prozent der vom KIN befragten Unternehmen waren bereit, die Kosten für die berufsbegleitende Fortbildung ihrer Beschäftigten zum Teil zu übernehmen. "Die meisten Arbeitgeber akzeptieren zudem, dass ein Mitarbeiter dem Betrieb alle zwei Monate für eine Woche Blockunterricht fernbleibt", sagt Graefe.

KIN verfügt über großen Maschinenpark und Labor

Die Ausstattung des KIN mit einem Laborbereich und einem Technikum, das zwar wegen seines großen Maschinenparks und dessen Unterhaltung entsprechend teuer ist, gilt als wichtige Voraussetzung dafür, genügend Schüler zu finden, die an praxisorientierten Schulungen interessiert sind. "Unser Ruf geht weit über die Landesgrenzen hinaus", sagt Graefe.

Mund-zu-Mund-Propaganda beschere eine stabile Nachfrage und bekräftige, dass es in Neumünster keine theorielastigen Angebote gibt. Auch der berufsbegleitende Bachelor Lebensmitteltechnologie & Produktmanagement, der gemeinsam mit der Steinbeis Akademie angeboten wird, gilt als praxisorientiert ebenso wie das Vollzeitstudium in Koordination mit der Fachhochschule Flensburg, das die Technikerausbildung am KIN mit einem Studium verbindet.

Im kommenden Jahr wird es zudem einen sechsmonatigen Lehrgang mit KIN-Zertifizierung zum Qualitätsmanager geben, ab 2017 zudem für Produktmanager.

Auch die Angebote für die Lebensmittelindustrie unter dem Stichwort Business-Seminare und KIN Expert-Level-Kurse wurden einer Rundum-Erneuerung unterzogen.

"Die Konturen wurden schärfer herausgearbeitet", sagt Graefe. Unter dem Schlagwort Industrie 4.0 kümmere sich das KIN unter anderem verstärkt auch um die Anforderungen einer digital veränderten Arbeitswelt.

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