Haudegen müssen lernen
Harte Schule: Ivan Bagaric kennt den Alltag im Discount.
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LZnet/cd. Versierte Einkäufer haben im Handel ausgezeichnete Karrierechancen. Denn Vakanzen werden vorrangig mit Experten besetzt, die über profundes Warenwissen verfügen. Vor allem der Discount sucht Talente.
Sie gelten als harte Hunde, die in Jahresgesprächen die Industrievertreter das fürchten lehren: Die Rede ist von der Spezies des Handelseinkäufers. Ein etwas übertriebenes Bild, findet Ivan Bagaric. Der Personalconsultant war vor seiner Tätigkeit für das internationale Beratungsunternehmen Michael Page selbst zwei Jahre lang als Einkaufsleiter für Lidl in Kroatien tätig und kennt die Gepflogenheiten der Zunft. "Man lernt bei Lidl extrem viel, aber es ist auch eine harte Schule", schildert er den Alltag im Discount.
"Ohne Durchsetzungsfähigkeit geht es in diesem Job nicht", so der für Procurement und Supply Chain zuständige Experte. Wichtiger für den Erfolg aber seien zum Teil sehr spezielle Warenkenntnisse und die Fähigkeit, sich zügig in neue Themen einzuarbeiten. Man müsse in kurzen Zyklen immer wieder zu pragmatischen Lösungen kommen.
Vor allem die expansiven Discounter, aber auch Baumärkte suchen permanent nach Talenten, berichtet Bagaric. Entsprechend attraktiv sei der Verdienst. Schon ein Category Manager verdiene 90.000 bis 100.000 Euro, sein Vorgesetzter 130.000 bis 140.000 Euro.
Internationalität ist in dem Metier ein Muss, Englisch muss jeder Kandidat beherrschen – und am besten noch eine weitere Fremdsprache. "Einkauf ist ein globales Business, bei dem man global, vernetzt ist und analytisch denken muss", formuliert es der Personalberater.
Wer Erfolg haben will, braucht eine klare Vorstellung davon, wie internationale Märkte zusammenhängen. Für den Einstieg werde heute durch die Bank ein abgeschlossenes Hochschulstudium vorausgesetzt.
"Die Beschaffung im LEH ist ein schnelleres Geschäft als auf Herstellerseite", so Bagaric. Deshalb seien Industrieeinkäufer nur schwer an Handelskunden zu vermitteln, weiß der Berater aus seiner Vermittlungstätigkeit für den LEH. Was dagegen besser funktioniert, ist der Quereinstieg aus anderen Handelszweigen in den Foodbereich.
Besonders gern werden gute Leute branchenintern abgeworben. Da dieser Pool naturgemäß begrenzt ist, gehen zudem viele Unternehmen dazu über, jüngere Kandidaten mit wenig Berufserfahrung, aber viel Potenzial einzustellen, die "noch formbar sind".
Einkäufer, das ist sicher kein Job für Introvertierte. Man müsse konsequent sein und zumindest symbolisch auch mal auf den Tisch hauen können, sagt Bagaric. Die dazu erforderliche Konfliktfähigkeit könne man nur zu einem gewissen Grad lernen. Frauen sind in diesem Job noch recht selten anzutreffen. Gleichzeitig findet ein Umdenken statt. "Work-Life-Balance" sei auch in Einkäuferzirkeln kein Fremdwort mehr.