Samstag, 18. Mai 2013

Feinkost spielt eine Hauptrolle

Freitag, 30.09.2011

Auch 2011 ist die Anuga Fine Food die größte und internationalste Fachsparte unter dem Dach der Kölner Weltmesse
Die größte Teilmesse mit über 3000 Ausstellern ist die Anuga Fine Food
Die größte Teilmesse mit über 3000 Ausstellern ist die Anuga Fine Food
Foto: Anuga
LZnet/GvP. Mit über 3000 Ausstellern unter der Flagge "Fine Food" wartet die Anuga 2011 auf. Damit ist diese Fachsparte unter dem Dach der größten Nahrungsmittelmesse der Welt die mit Abstand bedeutendste. Für einige Aussteller ist die Präsenz in Köln weit mehr als nur ein Teil der Imagepflege.

Der Aufmerksamkeit des deutschen und internationalen Handels können sich die Feinkostanbieter auch in diesem Jahr gewiss sein. Immerhin ist diese Warengruppe eine der attraktivsten unter dem Wertschöpfungsaspekt.
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Zur Orientierung

Carl Kühne KG (GmbH&Co.): H12/C21

Develey Feinkost&Senf GmbH: H11.2/A8, B9

Ebro Foods/Euryza GmbH: H10.2/A52

Feinkost Dittmann GmbH: H10.2/B10+11

Importhaus Wilms/Impuls GmbH: H10.2/C10–18

Rila Feinkost-Importe Gmbh&Co. KG: H10.2/A10

Teutoburger Ölmühle GmbH&Co. KG: H5.1/E1, F2 und

H10.2/C71

Theodor Kattus GmbH/Fuchs: H11.2/B10, C19

Wolfram Berge GmbH&Co. KG: H10.2/A21, A39
Auf der zurückliegenden Anuga vor zwei Jahren hatte der Chefeinkäufer einer der größten deutschen Handelsorganisationen seine Mitarbeiter angewiesen, nur solche Anbieter zu besuchen, mit denen das Unternehmen nicht ohnehin schon in Geschäftsbeziehungen steht.

Darauf befragt, ob damit die Messe für deutsche Aussteller an Wert verliere, wenn diese Maxime Schule machen sollte, meinten die Hersteller fast einhellig, dass ohnehin ausländische Handelskunden und internationale Beziehungen im Fokus stehen.

Wolfram Berge zum Beispiel, der mit seinem gleichnamigen Feinkostunternehmen seit 1963 der Anuga lückenlos die Treue hält, bezeichnet sich selber als "Aussteller alten Schlags". Berge: "Bei uns wird auf dem Stand noch geordert. Selbst Neukunden wissen, wenn ich mich jetzt nicht entscheide, habe ich keine Garantie, später noch mit ausreichenden Mengen zum Zug zu kommen."

Eher zurückhaltend geht der spanische Deutschland-Ableger von Ebro Foods in Köln ans Werk. Das Unternehmen, zu dem auch der Teigwarenhersteller Birkel gehört, präsentiert sich nur mit der Reissparte unter der Euryza GmbH, Hamburg. Das Unternehmen vermarktet Oryza-Reis und Reis-fit.

Der Wechsel des Vertriebs ist einer der Gründe, warum die
Teutoburger Ölmühle GmbH & Co. KG, Ibbenbüren, in Köln unter eigener Regie ausstellt. Laut Geschäftsführer Dr. Michael Raß war die Zusammenarbeit mit dem Importhaus Wilms bis 2010 sehr erfolgreich.
Doch mit wachsender Bedeutung des Geschäfts sei die kritische Masse erreicht worden, um den Vertrieb in eigene Hände zu übernehmen. 2009 präsentierte Wilms die Rapsöle aus Ibbenbüren noch auf der Anuga.

Kein Warten auf Zufallskunden

Das Unternehmen, das sich an der Spitze des Marken-Rapsölsegments in Deutschland sieht, will die Internationalisierung vorantreiben. Gut sei bereits das Geschäft in einigen Auslandsmärkten wie Österreich, Schweiz, Dänemark und seit kurzem auch Großbritannien.

"Auf der Messe", so Raß, "warten wir nicht auf Zufallskunden, sondern schreiben vorher potenzielle Neukunden und Vertriebspartner an." Neben der Kür gebe es somit die Möglichkeit "auch das Pflichtprogramm mit bestehenden Partnern abzuarbeiten".

Um die Kontakt- und Kundenpflege geht es auch dem Geschäftsführer des ehemaligen Vertriebspartners Wilms, Karl Josef Henecka. Für Wilms spiele das Image auch eine Rolle, wenn es darum geht, auf der Anuga auszustellen. Dies sei aber ein untergeordneter Aspekt. Wilms sei schon seit über 20 Jahren ohne Unterbrechung auf der Anuga vertreten.

Ähnlich variantenreich wie bei Wilms ist das Sortiment der
Rila Feinkost-Importe GmbH & Co. KG aus Stemwede-Levern. Seit 1981 nutzt das Unternehmen regelmäßig die Anuga, um das breite Spektrum zu präsentieren. In diesem Jahr richtet sich der Fokus auf Innovationen und Verkaufsförderungs-Systeme, die für den Lebensmittelhandel entwickelt wurden. Rila richtet sich somit nicht nur an Auslandskunden.

Stark überarbeitet wurde seit Anfang 2010 das Bio- und Vollwertkostsortiment "Rinatura". Der Relaunch betraf etwa 150 Artikel mit Angaben wie laktose- und glutenfrei, ohne Zusatz von Eiern oder Nüssen, Kaloriendeklarationen etc.

Einige Ländermarken wie Liakada (Griechenland) oder Leverno (Italien) wurden bei der Ausstattung aktualisiert und das Sortiment der "Feine Küchen-Marke" Jürgen Langbein ergänzt.

Anuga als wichtigste Messe

An seiner Aussage von vor zwei Jahren hält Geschäftsführer Timm Reichold, Geschäftsführer der Feinkost Dittmann GmbH in Taunusstein fest: "Die Anuga ist eine unserer wichtigsten Messen, da sich hier alle Einkäufer aus Deutschland, Europa und sogar weltweit einfinden." Wichtig sei daher, wie aktiv ein Aussteller die Messe nutzt.

Dittmann habe ein ganzes Paket an interessanten Neuheiten geschnürt. Wieder im Fokus stehe der Frischebereich. Dort werde der Convenience-Aspekt mit kleineren Verpackungen unterstrichen. Das reiche bis hin zu spanischen Tapas.

Neue Varianten wollen die Taunussteiner im Bereich der Tapenaden mit Pestos, Bruschettas und Humus (Kichererbsencreme) präsentieren. Hinzu kämen einige neue Themen, über die Reichold erst auf der Messe sprechen möchte.

Vor dem Hintergrund der Angebotsvielfalt des Unternehmens rät der Unternehmer auch denjenigen Einkäufern, die sich nicht mit bestehenden Kundenbeziehungen auf der Messe befassen sollen, sich dennoch am Stand von den Produkten ein konkretes Bild zu machen.

Ebenfalls seit langem, konkret seit 1977, ist die Develey Senf & Feinkost GmbH aus Unterhaching bei München auf der Anuga vertreten. Damit unterstreicht das Unternehmen mit der Präsenz 2011, dass dieses Ereignis nach wie vor fester Bestandteil der Messeplanung ist.

Marketingchef Volker Leonhardi: "Wir suchen diese Top-Kommunikationsplattform. Der Termin ist aber kein Taktgeber für unsere Neuheiten, sondern eine der besten Gelegenheiten, um unser Leistungsspektrum und unsere Sortimentsvielfalt darzustellen. Bei unseren Gesprächen mit dem Handel ist oft nicht genügend Raum, um ein Grundverständnis zu vermitteln." Die Anuga sei für Develey "gelebte Kundennähe".

Das Unterhachinger Unternehmen ist sehr breit aufgestellt mit Senfspezialitäten wie Develey, Bautz’ner, und Löwensenf, den "Specht"-Sauerkonserven, den österreichischen Mautner Markhof-Sortiment, McDonald-Tomatenketchup und Vertriebsmarken wie Kikkoman, Tabasco und Patak’s.

Nach einer Pause 2007 ist die Carl Kühne KG (GmbH & Co.), Hamburg, wie schon 2009 auf der Anuga. Dem Hersteller von Essig, Senf, Sauerkonserven, Dressings, etc. geht es aber in Köln nur um das Exportgeschäft.

Inlandsmarkt ist gewachsen

Geschäftsführer Andreas Schubert: "Für Deutschland haben wir andere Möglichkeiten, um uns darzustellen. Wir reden das ganze Jahr mit den Zentralen des Handels und den regional Verantwortlichen." Neuheiten, die für das Inland bestimmt sind, "starten wir, wenn wir sie haben und deren Einführung in die Saison passt".

Die Geschäftsführung der Theodor Kattus GmbH (Fuchs-Gruppe) beurteilt die Anuga als Pflichtprogramm. Als Feinkostexperte und Premium-Vollsortimenter habe das Unternehmen den Anspruch, seinen Kunden die neuesten Innovationen und Foodtrends der einzelnen Spezialitätenküchen zu präsentieren.

Das Portfolio umfasst die Marken "Kattus" mit mediterraner Feinkost, die Tex-Mex-Linie "Fuego", die Premium-Feinkost-Marke "Escoffier", orientalische Spezialitäten unter der Marke "Jadira" und unter der Dachmarke "Bamboo Garden" Produkte für die Spezialitätenküchen aus China, Thailand, Indien sowie Komponenten für den Wok und Sushis.

Auch Kattus ist seit Jahren regelmäßig auf der Anuga präsent. In den Fokus des Messeauftritts will das Unternehmen seine Produktinnovationen stellen. Unter der Marke Kattus wurden gerade Produkte entwickelt, die eine einfache Hilfestellung bei komplexeren Rezepten in der mediterranen Küche bieten. Authentische landestypische Rezepturen, ein hoher Grad an Convenience und neue Verwendungsanlässe würden diese Neuentwicklungen auszeichnen.

Der Inlandsmarkt für Feinkost ist zwar wertmäßig laut Nielsen Marktforschung um 1,5 Prozent gewachsen, mengenmäßig aber um 1,1 Prozent geschrumpft. Die bessere Umsatzentwicklung dürfte auf Preiserhöhungen zurückzuführen sein, die oft mit der Rohstoffkostenentwicklung begründet werden.

Eine Besonderheit in diesem Jahr schlägt sich aber beim Segment Salatdressings nieder, und das in der Hauptsaison, die von der "Ehec-Krise" belastet war. Wertmäßig schrumpfte dieses Segment um 6,4 Prozent, mengenmäßig waren es 4,4 Prozent.

Mengenmäßig stark rückläufig war auch der Verkauf von Senf. Hier schrumpfte der Absatz vermutlich wegen Verschiebungen der Aktionswochen.

Alles in allem zeigt sich bei Feinkost über die Jahre aber eine große Stabilität des Marktes und bei einigen Segmenten, vor allem beim Speiseöl eine große Dynamik. Insofern steht diese Branche auf einem soliden Fundament, was der Stimmung in Köln nur gut tun dürfte.



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