Rohstoffkosten drücken
Preise und Verfügbarkeit von Rohstoffen machen Branche Sorgen – Hersteller optimistisch für Export / Von Iris Tietze
Die Hoffnung der Süßwarenbranche ruht auf dem Exportgeschäft.
Foto: Koelnmesse
LZnet. Kurz vor der ISM als einer der wichtigsten Messen des Jahres ist die Stimmung in der deutschen Süßwarenbranche verhalten. Die Hersteller stehen vor "großen Herausforderungen" wegen weiterhin volatiler Rohstoffkosten und der Eurokrise. Wachstum versprechen Exporte und Innovationen.
Die Hoffnung ruht auf dem Ausland. Mit Blick auf die Zukunft der deutschen Süßwarenindustrie setzt die Branche kurz vor der Internationalen Süßwarenmesse (ISM) in Köln zunehmend auf das Exportgeschäft. Die Produzenten möchten ihren Exportanteil in den nächsten drei Jahren auf über 50 Prozent steigern.
Schon im vergangenen Jahr kamen wesentliche Impulse für das Produktionswachstum aus dem Ausland, vorwiegend der Europäischen Union. So konnte der Exportumsatz 2011 um 5,4 Prozent auf rund 5,67 Mrd. Euro gesteigert werden. Insgesamt umfasste das Auslandsgeschäft bereits 46 Prozent der produzierten Menge.
In Deutschland hingegen sank die Absatzmenge von Süßwaren um 0,4 Prozent auf knapp 2,6 Mio. t. Der Inlandsumsatz stiegt marginal um 0,4 Prozent auf rund 9,3 Mrd. Euro.
Mit Ausblick auf 2012 sei die Entwicklung der Eurokrise zwar weiterhin ein "Risiko", so Tobias Bachmüller, Vorsitzender des Arbeitskreises Internationale Süßwarenmesse (AISM) und Katjes-Gesellschafter. "Da wir einen Großteil unserer Umsätze jedoch in der EU machen, sind wir vor Wechselkursschwankungen besser geschützt", so Bachmüller. Eine weiterhin große Herausforderung sei die ausreichende Verfügbarkeit von Rohstoffen sowie deren Preisentwicklung.
Bereits im vergangenen Jahr hätte dies auf die Erträge gedrückt. Beispielsweise der Preis für Haselnüsse stieg um 32 Prozent und für Zucker in der Spitze um bis zu 50 Prozent. Davon sei die ganze Branche betroffen, besonders Mittelständler litten beachtlich.
Der scharfe Wettbewerb in Industrie und Handel habe dafür gesorgt, dass die Preissteigerungen nur verzögert weitergegeben werden konnten. Vor allem bei Kleinbetrieben drohten deshalb Insolvenzen, sollte sich daran nichts ändern, so Bachmüller.
Auch die Handelsseite rechnet mit stärkeren Schwankungen der Einkaufspreise. "Wir müssen den Anstieg der Energie- und Rohstoffkosten gemeinsam schultern", so Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland.
Dies könne auch zu stärkeren Preisschwankungen für die Verbraucher führen. Die Preiserhöhungen auf Produzentenseite im letzten Jahr konnten laut Genth nur zur Hälfte an den Kunden weitergegeben werden – wegen des "intensiven Wettbewerbs in der Branche".
Angesichts dieser schwierigen Rahmenbedingungen erhofft sich die süße Branche durch Innovationen Wachstum. Erste Unternehmen stellen zur ISM bereits Produkte mit dem Süßungsmittel Stevia vor, andere sind gerade in der Testphase
Innovationen – nicht nur rund um Stevia – zeigen in diesem Jahr 1412 Hersteller und Importeure aus 65 Ländern auf der ISM einem internationalen Fachpublikum. Das sind 82 weniger als im Jahr 2011. Katharina C. Hamma, Geschäftsführerin der Koelnmesse seit Oktober, hält die Veranstaltung trotzdem noch immer für eine "unvergleichliche Plattform".