Süßwarenmesse im Schatten der Krise
Rohstoffkosten und Sorgen um Wirtschaft dämpfen Stimmung – Dennoch sind die Aussteller optimistisch / Von Andreas Chwallek
LZnet/ach. Selten waren die Rahmenbedingungen so kritisch. Rohstoffkosten, Preiskämpfe im Handel und Euro-Krise bereiten der Branche Kopfzerbrechen. Trotzdem war die Stimmung auf der ISM unterm Strich positiv, vor allem mit Blick auf das boomende Exportgeschäft.
Verglichen mit früheren Zeiten wirkte das Geschehen auf der diesjährigen Internationalen Süßwarenmesse in Köln ruhiger. Doch der erste Eindruck täuschte, die Resonanz beim deutschen wie internationalen Handel war ausgezeichnet.
Quasi alle namhaften Handelskonzerne aus dem In- und Ausland zeigten reges Interesse, von Aldi und Lidl über Edeka, Rewe bis zu Tesco und WalMart – von Arabern über Australier bis zu Chinesen.
Die große Zahl von Einkäufen aus allen Regionen der Welt unterstrich die unumstrittene Rolle der ISM als globaler Leitmesse. Daran änderte das Fehlen zahlreicher großer Anbieter gar nichts.
Mit Blick auf den deutschen Markt muss sich die Kölner Messe allerdings etwas einfallen lassen, um die weitere Erosion zu verhindern, hieß es unisono bei Ausstellern und Besuchern. Schließlich fehlen mit Ferrero, Haribo, Storck, Mars, Kraft Foods, Nestlé, Lindt, Lorenz Bahlsen, Wrigley, CFP und neuerdings auch Griesson-de Beukelaer Unternehmen, die bald drei Viertel des hiesigen Branchenumsatzes verkörpern.
Und doch bleiben zahlreiche kleinere Unternehmen der Messe treu, weil sie dort noch echte Chancen sehen. Und nicht nur kleine: Hermann Bühlbecker, Willibert Krüger und ihre Kollegen von Katjes, Stollwerck und Intersnack zeigten volle Präsenz.
Aussteller wie Intercookies berichten von konkreten Aufträgen aus dem In- und Ausland, bei Saisonanbietern wie Riegelein und Wawi laufen derzeit die Ausschreibungen. Echte Geschäfte, Kommunikation mit Top-Kunden und die Darstellung der eigenen Leistungsfähigkeit durch Neuheiten sind klare Argumente für die Messe.
Einen Überblick über Trends, aber auch die Sorgen der Branche gab die ISM allemal, auch wenn inzwischen klar ist, dass die Erfindung und Einführung echter Innovationen immer schwieriger wird. Im Trend liegen nachhaltige und regionale Produkte. Der Wettlauf um zertifizierte Ware läuft auf vollen Touren.
In den kommenden Monaten werfen alle großen Handelskonzerne im billigen Massengeschäft zertifizierte Produkte auf den Markt. Regionales schlägt sogar Bio-Produkte, wie schon die Nestlé-Ernährungsstudie zeigte. Trolli–Fruchtgummis gibt es nun auch mit dem Fairtrade-Logo. Quer Beet bringen Hersteller Produkte mit Stevia. Nur bei Backwaren ist dieser natürliche Süßstoff noch nicht zugelassen.
Beherrschendes Thema waren erwartungsgemäß die Rohstoffkosten. Dieses Jahr sind für zahlreiche Produkte Preiserhöhungen zu erwarten. Doch angesichts der Preiskämpfe im Handel dürfte sich manches Unternehmen schwertun.
Dagegen sind die Perspektiven im Export noch gut, auch wenn die Krise in der Euro-Region dunkle Schatten wirft. Sie könnte das Exportgeschäft belasten. Doch unterm Strich war die Stimmung in Köln gut.