5 Fragen Lidl-Chef Oppitz fordert einheitliches Vorgehen bei Hygiene und Sicherheit

von Hans Jürgen Schulz und Jens Holst
Mittwoch, 25. März 2020
Nehmen gegenüber der LZ Stellung: Lidl-Chef Matthias Oppitz (l.) und Bünting-Chef Markus Buntz.
Lidl; Reinhard Rosendahl; Montage: LZ Grafik
Nehmen gegenüber der LZ Stellung: Lidl-Chef Matthias Oppitz (l.) und Bünting-Chef Markus Buntz.
5 Fragen
Lidl-Chef Oppitz fordert einheitliches Vorgehen bei Hygiene und Sicherheit
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Im LZ-Interview berichten die Chefs von Lidl und Bünting von der täglichen Arbeit im Corona-Krisenmodus. Lidl-Deutschlandchef Matthias Oppitz stellt dabei deutliche Forderungen an die Politik in Bezug auf Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen.

Gestern berichteten bereits die Top-Manager von Aldi Süd und Nord, Globus, dm, Norma und Kaufland gegenüber der LZ über die Sicherstellung ihres Geschäftsbetriebs in Zeiten der Corona-Krise. Tenor: Die Versorgung ist gesichert. Das unterstreichen nun auch Lidl-Deutschlandchef Matthias Oppitz sowie Markus Buntz, Vorstandsvorsitzender der Bünting Gruppe. 

Im Hinblick auf behördliche Rahmenbedingungen übt insbesondere Lidl-Chef Oppitz im LZ-Interview deutliche Kritik: "Individuelle Maßnahmen von Behörden, die von den landesweiten Allgemeinverordnungen zum Teil erheblich abweichen, erschweren unsere Arbeit in den Filialen und führen zu einer Verunsicherung bei unseren Kunden. Ich wünsche mir ein einheitliches Vorgehen, zumindest auf Landesebene, das zügig umgesetzt wird." 

Lesen Sie im Folgenden die Interviews im Wortlaut:

Kunden machen sich Sorgen, ob Händler in der Lage sind, die Versorgung sicherzustellen. Bisher hat die Lieferkette funktioniert. Welche Belastungen erwarten Sie für die kommenden Wochen auch mit Blick auf Ostern? 

Matthias Oppitz, Geschäftsleitungsvorsitzender Lidl Deutschland: Die Versorgung ist sichergestellt. Wir haben dies in den letzten Wochen über verschiedene Kommunikationskanäle immer wieder betont, um Verbrauchern und Kunden die Sorge zu nehmen und die Hamsterkäufe zu reduzieren. Mit den nationalen Ausgangsbeschränkungen beobachten wir eine Veränderung im Einkaufsverhalten: Die Hamsterkäufe werden weniger und unsere Kunden verteilen sich mehr oder weniger gleichmäßig auf unsere gesamten Öffnungszeiten.

In Bezug zu Ostern sind wir gut vorbereitet, unsere Prozesse stehen. Erste Osterartikel sind bereits in den Regalen und wir hoffen, unseren Kunden in dieser schwierigen Zeit mit unseren beliebten Deluxe-Artikeln, die seit dieser Woche im Verkauf sind, ein kleines bisschen Vertrautheit und Freude nach Hause bringen zu dürfen.

 
Markus Buntz, Vorstandsvorsitzender Bünting Gruppe: Die Versorgung ist gesichert und auch unsere Lieferketten sind stabil. Die Belastung wird weiterhin konstant hoch sein, aber es gibt keine Alternative, wir müssen alle gemeinsam durchhalten. Es ist davon auszugehen, dass der Peak an Ostern nicht so stark ausgeprägt sein wird wie unter normalen Umständen.  


Wie lange können Handel und Hersteller quasi unter Volllast arbeiten?

Matthias Oppitz (Lidl): Aktuell laufen die Prozesse wieder geordneter, die sehr hohe Auslastung der letzten Wochen hat etwas abgenommen. 

Bei all der Arbeitslast müssen wir vor allem auch auf die Gesundheit unserer Mitarbeiter achten. Unser oberstes Ziel in den letzten Tagen ist es gewesen, ein einheitliches Hygiene- und Schutzmaßnahmenkonzept in unseren Filialen umzusetzen, um unsere Mitarbeiter bestmöglich zu schützen und den Kunden weiterhin einen unbesorgten Einkauf zu ermöglichen. Wichtig ist uns auch, unseren Mitarbeitern nach dieser sehr anstrengenden und herausfordernder Zeit eine kleine Verschnaufpause ermöglichen zu können. 

Ich bin unheimlich stolz auf unser gesamtes Team und vor allem sehr dankbar: Die Selbstverständlichkeit, überall mit anzupacken, Mehrarbeit zu leisten, sich gegenseitig zu unterstützen und auch einmal außerhalb des eigenen Arbeitsumfelds in der Filiale oder im Lager anzupacken – das beeindruckt mich sehr. Gemeinsam schaffen wir das. 

top-manager
Ute Schmidt/Aldi Süd/Alex Schmidt/Thomas Schindel/

Was kann die Politik im Moment tun, um dem Handel die Arbeit zu erleichtern?

Matthias Oppitz (Lidl): Grundsätzlich arbeiten wir gut mit den Behörden auf Landes- und Bundesebene zusammen. Es gibt einen kontinuierlichen Dialog, den wir schätzen. 

Sorge bereiten uns vor allem die vielfältigen Auslegungen der Allgemeinverordnungen der Bundesländer auf lokaler beziehungsweise kommunaler Ebene in Bezug auf Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen. Diese Herausforderung haben wir bereits an verschiedensten Stellen kommuniziert und auch kritisiert. In der aktuellen Situation tun wir alles, um die Lebensmittelversorgung verlässlich aufrechtzuerhalten. Individuelle Maßnahmen von Behörden, die von den landesweiten Allgemeinverordnungen zum Teil erheblich abweichen, erschweren unsere Arbeit in den Filialen und führen zu einer Verunsicherung bei unseren Kunden. Ich wünsche mir ein einheitliches Vorgehen, zumindest auf Landesebene, das zügig umgesetzt wird.


Markus Buntz (Bünting): Die Politik kann helfen, indem sie Rahmenbedingungen erleichtert und Auflagen aussetzt. Dies können Maßnahmen sein, die beispielsweise den Bereich Transport und Anlieferung der Märkte betreffen. Ferner kann sie unterstützen, indem sie schnellstmöglich wirtschaftliche Sicherheit für die verunsicherten Bürger schafft.

Gibt es Erfahrungen im Umgang mit der Krise aus dem Ausland, die Ihnen in Deutschland helfen? Oder gibt es Erfahrungswerte aus dem Heimatmarkt, die den Kollegen im Ausland helfen können?

Matthias Oppitz (Lidl): Wir tauschen uns aus und teilen Best-Practice-Ansätze.  

 

Handel und Industrie kämpfen Jahr für Jahr mit harten Bandagen um Konditionen. Wie funktioniert das Zusammenspiel in Zeiten der Krise?

Matthias Oppitz (Lidl): Die Zusammenarbeit mit unseren Partnern läuft sehr gut. Wir sind in einem pragmatischen und engen Austausch mit ihnen, hierfür bedanken wir uns auch bei allen. In diesen Zeiten profitieren wir von unseren langjährigen und vertrauensvollen Partnerschaften, als Europas größter Händler können wir auf ein großes und eingespieltes Lieferantennetzwerk zurückgreifen.

Markus Buntz (Bünting): Jeder muss jetzt verstehen, dass es nur gemeinsam zu schaffen ist und dass es jetzt um die Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung geht - und ganz bestimmt nicht die Zeit für Konditionsverhandlungen ist. Dies sollte überall im partnerschaftlichen Schulterschluss mit den Herstellern gelingen. Darauf ist auch der Handel angewiesen.

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