Absolventen-Ranking Amazon bleibt Wunscharbeitgeber Nr. 1

von Silke Biester
Freitag, 04. Mai 2018
Ohne Streuverlust: Beim LZ Karrieretag am 23. Juni 2018 suchen Jungakademiker gezielt nach einem Einstiegs-Job in der Konsumgüterwirtschaft.
Thomas Fedra
Ohne Streuverlust: Beim LZ Karrieretag am 23. Juni 2018 suchen Jungakademiker gezielt nach einem Einstiegs-Job in der Konsumgüterwirtschaft.
Die Attraktivität des Handels als erster Arbeitgeber für Jungakademiker hat leicht zugelegt. Die FMCG-Industrie hat dagegen an Ansehen verloren. Und wenn es darum geht, digitale Talente anzulocken, haben fast alle Unternehmen der Branche schlechte Karten. Das zeigt die exklusive Sonderauswertung des Trendence Barometers für die LZ.

Amazon startet beim War for Talents richtig durch. Im Vergleich mit anderen Handelsunternehmen ist der Online-Riese erneut Wunscharbeitgeber Nummer Eins. Das zeigt die Sonderauswertung des Trendence Absolventenbarometers 2018. Die Studienmacher sind überzeugt: "Mit neuen Produkten wie Echo und neuen Logistiklösungen verspricht Amazon attraktive Arbeitsaufgaben für Absolventen – und das ist das wichtigste Entscheidungskriterium bei der Wahl des ersten Arbeitgebers." Der weltgrößte Händler kann sogar noch mehr Bewerber für sich begeistern: Jeder 20ste Absolvent würde sich dort bewerben. Das ist eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: der zweitbeliebteste Händler dm-Drogeriemarkt bekäme von 2,3 Prozent der Studenten eine Bewerbung, Kaufland gerade noch von 0,4 Prozent.

Amazon ist der Top-Arbeitgeber im Handel

Rang Rang 2018* Unternehmen Prozent Bewerber Rang 2017* Veränderung Rang gegenüber Vorjahr*
1 13 Amazon
5,0 18 5
2 34 dm-drogerie markt
2,3 26 -8
3 37 Aldi Süd
2,2 56 19
4 38 Ikea
2,1 35 -3
5 49 Rewe Group
1,7 49 0
6 55 Hugo Boss
1,5 54 -1
6 55 Zalando
1,5 0 NEU
8 59 Lidl
1,3 64 5
9 68 Otto
1,1 73 5
10 73 Peek & Cloppenburg
1,0 61 -12
10 73 Tchibo
1,0 68 -5
12 79 Edeka
0,9 80 1
13 90 Douglas
0,7 103 13
14 109 Kaufland
0,4 0 NEU

Wettbewerb um Talente

Lesebeispiel: Welche Arbeitgeber sind besonders attraktiv und wo würden sich Absolventen der Wirtschaftswissenschaften am ehesten bewerben? Amazon ist der beliebteste Handels-Arbeitgeber. 5 Prozent der Befragten würden ihre Unterlagen dort hin schicken. Im Vergleich aller Unternehmen aller Branchen legt der Online-Riese weiter zu und erreicht 2018 Rang 13 nach Rang 18 im Vorjahr.

Auch die Discounter Aldi Süd und Lidl legen zu: Aldi Süd zählt sogar zu den Top-Aufsteigern: von Rang 56 auf 37 im Vergleich aller Unternehmen und von Platz 6 auf 3 der beliebtesten Arbeitgeber des Handels. Der Discounter zieht damit an Ikea und Rewe vorbei. Lidl erzielt die beste Position im Gesamtranking mit Rang 59, die das Unternehmen bei den Wirtschaftswissenschaftlern je innehatte. Und mit Zalando schafft es ein weiteres Handelsunternehmen als Neueinsteiger in die Top 100 aller Branchen. Insgesamt hat sich das Image verbessert: Im vergangenen Jahr wollten noch 5,5 Prozent der Absolventen im Handel arbeiten, in diesem Jahr sind es 6,7 Prozent.

Die FMCG-Branche fällt dagegen in der Gunst der Wirtschaftswissenschaftler zurück. In diesem Jahr wollen 7,9 Prozent der Studenten bei einem FMCG-Unternehmen arbeiten, im vergangenen Jahr waren es noch 9,2 Prozent. Es gibt kein FMCG-Unternehmen in den Top 20 der Top-Arbeitgeber mehr. L’Oréal als bestplatzierter Hersteller landet auf Rang 23 (2017: 19), gefolgt von Red Bull auf Rang 31 (2017: 25) und Unilever auf Rang 34 (2017: 26). Bis auf sehr wenige Ausnahmen verlieren die FMCG-Arbeitgeber in der Gunst der Wirtschaftswissenschaftler.

FMCG-Branche verliert an Plätzen

Rang Rang 2018* Unternehmen Prozent Bewerber Rang 2017* Veränderung Rang gegenüber Vorjahr*
1 23 L'Oréal
3,1 19 -4
2 31 Red Bull
2,4 25 -6
3 34 Unilever
2,3 26 -8
4 42 Coca-Cola
2,0 43 1
5 45 Beiersdorf
1,8 38 -7
5 45 Ferrero
1,8 37 -8
7 49 Dr. Oetker
1,7 43 -6
8 52 Procter & Gamble
1,6 47 -5
9 59 Haribo
1,3 49 -10
9 59 Nestlé
1,3 56 -3
11 64 Henkel
1,2 64 0
12 90 Bahlsen
0,7 80 -10
12 90 Johnson & Johnson
0,7 95 5
14 98 Mars
0,6 103 5
15 114 Mondelez
0,3 112 -2

Das größte Interesse wecken grundsätzlich allerdings Andere: BMW (11,9 Prozent der Bewerber), Daimler, Audi, Adidas, Porsche und Google können sich die Besten Talente aussuchen. Besonders brisant: Die Automobil- sowie Technologie- und Beratungsunternehmen erreichen auch die "Digitals" im Bewerberpool. Als solche stuft Trendence Wirtschaftsstudenten ein, die besonders ausgeprägte digitale Kompetenzen und gegenüber der Digitalisierug eine positive Einstellung mitbringen. Die Handels- und FMCG-Arbeitgeber erreichen diese zukunftsrelevante Zielgruppe kaum. Nur 6,3 Prozent der Digitals wollen bei FMCG-Herstellern arbeiten und 4,7 Prozent wollen in den Handel. Einzige echte Ausnahme mit Magnetwirkung für diese Zielgruppe: Amazon. Ikea, Red Bull, Unilever sowie Procter & Gamble sind diesbezüglich gerade noch im grünen Bereich, alle anderen haben das Nachsehen. "Wem die Talente mit digitalem Know-how und Mindset fehlen, ist schecht für die Digitalisierung gerüstet", mahnt das Trendence Institut.

Die Digitals unter den Absolventen haben klare Vorstellungen davon, was ein Arbeitgeber bieten muss, um sie anzulocken: Sie wünschen sich flexible Arbeitszeiten, Weiterbildung und Überstundenausgleich. Im Vergleich zu den Non-Digitals legen sie mehr Wert auf Homeoffice und leistungsbezogene Boni. "Digitals sind flexibler, belastbarer und leistungsbereiter als ihre Kommilitonen und verlangen dafür auch mehr Gehalt", erklärt Trendence-Geschäftsführer Holger Koch. "Diese Investition lohnt sich für Unternehmen, wenn sie in Zeiten zunehmender Digitalisierung wirtschaftlich erfolgreich sein wollen."

Die Unternehmenskultur ist auch allen anderen wichtig, insbesondere der Führungsstil ist für 96,5 Prozent ein wesentliches Auswahlkriterium für den Job. Sie wünschen sich Chefs, die organisieren und motivieren können. Empathie, Konfliktmanagement und Kritikfähigkeit sind ebenso relevant. Kaum eine Rolle spielen dagegen eine Duz-Kultur, Sport- und Freizeitangebote oder Betriebskantine. Studenten, die in der Branche einen Job suchen, wollen maximal 42,1 Stunden pro Woche arbeiten und erwarten dafür ein Brutto-Jahresgehalt von 43 200 Euro das sind 3 300 Euro weniger als Kommilitonen, die sich anders orientieren.

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