Anleitung zum kreativ sein Neulich beim Design Thinking Workshop

von Julia Wittenhagen
Freitag, 16. Februar 2018
Klare Struktur: Für Roxanna Noll sind Prozess, Raum und Team die Basis von Design Thinking
Zukunftsinstitut Workshop
Klare Struktur: Für Roxanna Noll sind Prozess, Raum und Team die Basis von Design Thinking
Die Workshop-Tochter des Zukunftsinstituts hat Design Thinking schon länger im Programm. Ihre Besonderheit ist die Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Zukunft. Ein Erlebnisbericht.

Morgens um zehn im hippen Co-Working-Space Frankfurt: Die Trainerinnen Roxanna und Jule plus Praktikantin Simone begrüßen uns, wir sind alle beim Du. Sie werden uns mit großer Uhr straff durch den Tag führen. Nach kurzer Vorstellung und Wahrnehmungsübung zur Herstellung einer Teamkultur – ganz wichtig – kommt die Inspiration an die Reihe: Input zur Wirkungsweise des Design Thinking, der momentan überaus beliebten Methode zur strukturierten Gewinnung von Innovationen.

Teambuilding: Nur in gelöster Atmosphäre sprudeln die Ideen
Zukunftsinstitut Workshop
Teambuilding: Nur in gelöster Atmosphäre sprudeln die Ideen

Schnell folgt unsere erste praktische "Fast Forward-Übung": Unser Gegenüber erklärt uns Umgang, Lieblingsfunktionen und -Apps seines Smartphones samt Story, wann es Probleme gab und was für ihn noch nicht optimal gelöst ist. Auf Basis dieser nicht befriedigten Nutzerbedürfnisses entwickelt jeder für sich – das einzige Mal an diesem Tag – eine Problemlösung. Zum Bau des Prototyps dieser Lösung, beispielsweise einer gepolsterten Handyhülle gegen Glasbruch, dürfen wir erstmals an den Tisch mit dem verlockend buntem Bastelmaterial gehen und ein bisschen wie im Kindergarten mit Schere, Uhu und Stiften loslegen.

Buntes Bastelmaterial: Unverzichtbar
Zukunftsinstitut Workshop
Buntes Bastelmaterial: UnverzichtbarWir nehmen den Spaß ernst und erfüllen damit schon eine Regel des Design Thinking. Weitere wie "Ausprobieren statt Diskutieren", "Scheitern ist Lernen" kleben in bunten Zetteln am Fenster. Die Stimmung ist locker gelöst. Alle sind wild entschlossen, sich vom neuen Darling unter den Digitalisierungshelfern inspirieren zu lassen. Mit noch viel mehr Post-Its wird der Seminarraum am späten Nachmittag gepflastert sein, nachdem zwei Gruppen ihren Ideen freien Lauf gelassen haben, und das Teammitglied mit der Rolle "Leitfigur" sie alle notiert, sortiert, verdichtet hat.

Die Ideengeneration, im Fachjargon "Ideation-Phase", beginnt: Aus ihrem Kartenset ziehen Roxanna und Jule zwei Szenarien. In einem geht es um das Angebot des Möbelhändlers "Wikea" im Jahr 2025, in dem die Menschen mit durchschnittlich 25 internetfähigen Geräten viel vernetzter als heute leben. Wir ziehen die Augenbinden über und sammeln beim "Blindstorming" Ideen, wie die "Personas" als Ausgangspunkt unserer heutigen "Design Thinking The Future"-Sitzung 2025 leben. Wir werden konkret und geben drei Familienmitgliedern Namen, Alter, Beruf, Interessen. Daraus leiten wir Wohnbedürfnisse der modernen Kleinfamilie ab. Im Team formt sich ein Bild von einer nüchternen, effizient eingerichteten Wohnung mit kluger Haushaltstechnik, nachhaltigen Materialien, Platz für mehr Arbeit im Home-Office, wenig Raum, multifunktionalen Möbeln. Unser Designauftrag: Mit welchem Wohnangebot können wir neue Kundenbedürfnisse in einer veränderten Welt der Zukunft ansprechen?

Der Prototyp: Lösungen zu visualisieren macht den Teilnehmern Spaß
Zukunftsinstitut Workshop
Der Prototyp: Lösungen zu visualisieren macht den Teilnehmern Spaß

Beim Bodystorming, also Bewegung im Raum, notiert jeder spontane Einfälle. Wir sortieren sie an Koordinaten nach Innovationsgrad und Bedürfniserfüllung. Der Favorit in unserem Team ist eine "Hotelbox" für Vielreisende. Sie soll überall auf der Welt ein Zuhausegefühl vermitteln durch individualisierte Ausstattung mit den bevorzugten Wikea-Produkten. Wir stellen die Box dem gegnerischen Team vor. Auf Lego und Bastelarbeit verzichten wir zugunsten eines Rollenspiels. Auf Post-Its sammeln wir positives und negatives Feedback, offene Fragen und Anregungen. Nicht alle sind von der Lösung überzeugt. So liebt eine Teilnehmerin an Hotels gerade das neue Wohnerlebnis. 

Tipps zur Vertiefung von Zukunftsinstitut Workshop:

Seminare: Design Thinking mit Fokus Zukunft
Online: Anwendungsbeispiele http://thisisdesignthinking.net
Artikel: Harvard Business Review 09/2015 über die Anwendung von Design Thinking in Strategie und Organisation
Bücher: "30 Minuten Design Thinking" von Jochen Gürtler und Johannes Meyer (schnelle Übersicht), "Design Thinking Playbook. Mit traditionellen, aktuellen und zukünftigen Erfolgsfaktoren" von Michael Lewrick u.a. (aktuelle Methoden), "Durch die Decke denken: Design Thinking in der Praxis" von Jürgen Erbeldinger und Thomas Ramger.

Der große Wurf ist uns also an diesem Nachmittag noch nicht gelungen. Doch die meisten von uns haben genau vor Augen gehabt, wie man 2025 wohnt und würden als "Wikea-Mitarbeiter" gern noch mehr Hirnschmalz in marktfähige Lösungen stecken: mittels Iteration, also Annäherung an die Lösung durch Korrekturschleifen, gemeinsam verfeinerte Ideen, Produkttests. Denn mit Wohnen aus der Sicht des Kunden kennen wir uns alle aus. Und genau darum geht es.

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Design Thinking Kreativitätsmotor und Teamwunder

Damit wir Design Thinking ins eigene Unternehmen tragen können, kriegen alle Teilnehmer eine Box mit, die mit vielen Karten, Bastelmaterial und großer Uhr durch den kreativen Prozess führt. Roxanna und Jule, die beide am Hasso Plattner Institut in Potsdam ausgebildet wurden, empfehlen Teams von vier bis sieben Personen und drei bis fünf Stunden Zeit pro Durchlauf.

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