Arbeitgeberimage im Handel Viel Fläche – wenig Personal

von Redaktion LZ
Freitag, 07. Dezember 2018
Beruf mit Imageproblem: Oft sind die Gehälter im Einzelhandel wenig attraktiv.
Reinhard Rosendahl
Beruf mit Imageproblem: Oft sind die Gehälter im Einzelhandel wenig attraktiv.
Seniorberater und Handelsurgestein Jürgen Panke warnt vor personellen Engpässen. Er empfiehlt bessere Entgeltsysteme und Social Recruiting.

In der Region Ingolstadt musste jüngst der erste Nonfood-Markt schließen, weil Personal nicht zu finden ist. Einen Metzger in Wülfershausen zwingt der gleiche Grund zur Geschäftsaufgabe. Auch erste Apotheken bleiben trotz guter Umsätze wegen Personalmangels geschlossen, Gastronomie und Bäckereien legen zusätzliche Ruhetage ein. Im filialisierten Einzelhandel kommt es bereits zu längeren Schließungen während der Mittagszeit. Die Supermarktkasse ist unbesetzt, der Kunde muss eine Rezeptionsklingel betätigen, um bezahlen zu können. "Nicht nur die Beschaffung neuer, sondern auch die fehlende Qualität bestehender Mitarbeiter wird zur größten Herausforderung für den Einzelhandel", ist der Personalberater Jürgen Panke überzeugt.

Bewiesen sei, dass freundliche, interessierte und kompetente Mitarbeiter den Unterschied machen. Sie ziehen potenzielle Kunden "magisch" an. Trotz dieser Tatsache werde die wichtigste Aufgabe, das Thema Personal, oft dem Zufall überlassen. "Die Zeit drängt, wir brauchen eine schnelle, praktikable Lösung", sagt er und fordert zukunftsorientierte Personalmaßnahmen: Mehr Sorgfalt bei der Personalbeschaffung, höhere Kompromissbereitschaft und vor allem mehr Schnelligkeit. Dazu gehöre unbedingt die Personalbeschaffung über das Internet durch Social Recruiting. Das habe die Vorteile eines geringen Kostenaufwands, der zielgerichteten Kandidatensuche, es könnten mehr Kandidaten erreicht werden und die Arbeitgeber bekannter machen. Als wesentlichen "Brennpunkt" bezeichnet er "die ungerechte Bezahlung der Mitarbeiter". Der Kampf um Marktanteile gehe allzu häufig über geringen Lohn und lange Öffnungszeit. Teils würde 30 Prozent unterhalb des Tarifs gezahlt. "Das ist einfach zu wenig." Auch unbezahlte Überstunden dürfe es nicht geben und Ruhezeiten bei Schichtwechsel sollten eingehalten werden, wenn man die Beschäftigten behalten möchte. Die Installation praktikabler Entgeltsysteme, um außerhalb der Tarifbezahlung einen Rahmen zu schaffen, sei notwendig. Dies sorge für gerechte und faire Bezahlung. Die Branche habe dies bisher überwiegend versäumt und unterschätzt, urteilt Panke.

Panke warnt jedoch davor, alle über einen Kamm zu scheren. Viele Unternehmen, insbesondere auch Regiebetriebe, haben tarifliche Bezahlung festgeschrieben und halten sich an die vorgenannten Empfehlungen. Ein Beispiel sei Alnatura: Dort wurde hausintern eine Einkommensordnung festgesetzt. Die Bezahlung ist identisch mit den gültigen Tarifverträgen der einzelnen Bundesländer. Auf der Basis einer 37,5-Stundenwoche erfolgt die Gehaltseingruppierung unter Berücksichtigung des erlernten Berufs und der Berufserfahrung. Darüber hinaus werden im Bedarfsfall Spät-, Nacht-, Sonntags- und Feiertagszuschläge bezahlt. Außerdem erhalten die Mitarbeiter Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld. Einkaufsgutscheine gibt es zusätzlich bei überdurchschnittlichem Geschäftsergebnis. Ab dem 7. Monat der Unternehmenszugehörigkeit werden auch Beiträge zur Altersvorsorge gewährt.

Die größte Herausforderung für das 21. Jahrhundert sieht Panke darin, die Personalstrategie mit den strategischen Prioritäten des Unternehmens in Einklang zu bringen, mit dem Ziel, der Schaffung einer Unternehmenskultur, die Mitarbeiterbindung fördert und die Fluktuation eindämmt.

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