Arbeitsrecht "Home Office nicht aus eigenen Stücken"

von Gerrit-Milena Falker
Donnerstag, 05. März 2020
Markus Mingers ist Inhaber der Kanzlei Mingers Rechtsanwälte.
Petra Vallentin
Markus Mingers ist Inhaber der Kanzlei Mingers Rechtsanwälte.
Das Coronavirus breitet sich aus. Fachanwalt Markus Mingers erklärt, welche Rechte und Pflichten nun für Arbeitnehmer gelten.

Herr Mingers, darf der Arbeitnehmer aus Sorge vor Ansteckung dem Büro fernbleiben?

Nein, ihn trifft eine arbeitsvertragliche Pflicht. Auch darf er nicht aus eigenen Stücken Home Office machen, sondern nur in Abstimmung mit dem Arbeitgeber, unter Einhaltung bestimmter Vorgaben. So benötigt er etwa einen eigenen Raum, der aus Datenschutzgründen abschließbar sein muss.

Darf der Chef den Arbeitnehmer nach Hause schicken?

Auf bloßen Verdacht hin jedenfalls nicht. Ist der Arbeitnehmer arbeitsfähig, trifft ihn die vertragliche Pflicht, zu arbeiten – und das Recht dazu.

Kann der Chef seinen Arbeitnehmer zu Messen senden?

Ja, solange keine offizielle Reisewarnung oder konkrete Gefahr besteht.

Kann er bestimmte Urlaubsregionen verbieten?

Nein, Urlaub ist Privatangelegenheit – selbst, wenn es für die Region eine offizielle Reisewarnung gibt. Jedoch trifft den Arbeitnehmer eine Gesunderhaltungspflicht: Reist er sehenden Auges in ein Krisengebiet und erkrankt, dann kann es gegebenenfalls Probleme im Hinblick auf die Lohnfortzahlung geben.

Darf der Arbeitnehmer zu Hause bleiben, wenn die Kita oder Schule geschlossen hat?

Grundsätzlich nein: Zunächst einmal muss er alles Erforderliche dafür tun, dass das Kind anderweitig betreut wird. Erst wenn niemand einspringt, kann er nach Absprache mit seinem Arbeitgeber zu Hause bleiben. Falls das Kind selber erkrankt ist, gibt es zehn Tage Sonderurlaub.

Hat der Arbeitnehmer Anspruch auf Lohnfortzahlung, wenn er auf Reisen unter Quarantäne gestellt wird?

Hier greift das Infektionsschutzgesetz: Er erhält dann Geld vom Gesundheitsamt, nicht vom Arbeitgeber. Der Arbeitgeber streckt das Gehalt jedoch vor.

Wie ist es, wenn der Betrieb vorsichtshalber schließt – und wie, wenn er behördlich geschlossen wird?

In beiden Fällen muss das Unternehmen den Lohn weiterzahlen. Im zweiten Fall aber kann sich der Arbeitgeber das Geld beim Bundesland zurückholen.

Coronavirus (Symbolbild)
imago images / ZUMA Press

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