Ausbildungsmarkt Corona verzögert Azubi-Suche

von Julia Wittenhagen
Montag, 04. Mai 2020
Azubis im Handel: Bewerber haben die Auswahl.
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Azubis im Handel: Bewerber haben die Auswahl.
Ausbildungsmarkt
Corona verzögert Azubi-Suche
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Die Aktivitäten zur Anbahnung von Ausbildungsverhältnissen finden seit den Entscheidungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie nur noch eingeschränkt statt. Stellen- und Bewerberzahlen sind um acht Prozent eingebrochen. Stabiler zeigen sich die Zahlen laut HDE im Handel.


Der Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit ist in Corona-Zeiten besonders spannend: Er zeigte letzten Donnerstag, dass weniger Ausbildungsstellen und Veträge gemeldet wurden als im  April des Vorjahres. Von Oktober 2019 bis April 2020 registrierten die Bundesagentur für Arbeit und die Jobcenter 454.800 Berufsausbildungsstellen. Das waren acht Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Ein knappes Drittel dieses Rückganges dürfte auf Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie beruhen. Die Zahl der Bewerber, die eine Vermittlung über die Agenturen und Jobcenter suchen, ist ebenfalls um acht Prozent gesunken auf 384.300. Die rechnerischen Chancen auf eine Ausbildung haben sich damit gegenüber dem Vorjahr kaum verändert: Bis April 2020 gab es rechnerisch 67.500 mehr gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen als gemeldete Bewerber. Dies entspricht einer Relation von 85 Personen pro 100 gemeldeten betriebliche Ausbildungsstellen.

Der HDE (Handelsverband Deutschland) meldet indessen, dass die Zahl der über 30.000 Ausbildungsstellen für Kaufleute im Einzelhandel und knapp 20.000 Stellen für Verkäufer stabil bis leicht steigend ist. Dies gelte sogar im Nonfood-Bereich. Der Gedanke der Nachwuchssicherung sei von Corona nicht gestoppt worden. Die beiden Kernberufe des Einzelhandels belegen somit nach wie vor die ersten beiden Plätze im bundesweiten Ranking der Ausbildungsstellen.

Vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) kommen Vorschläge, wie man im Zuge der Corona-Krise auch die 1,3 Millionen bestehenden Ausbildungsverhältnisse sichert. Seien Ausbildungsbetriebe von Schließung oder Umsatzausfällen betroffen,  könnten Kooperationen zwischen Firmen oder eine Übertragung der Ausbildung an eine überbetriebliche Einrichtung helfen. Azubis aus kleineren Einzelhandelsgeschäften könnten nach Meinung des DIHK zeitweise in Supermärkten beschäftigt werden, um die weitere Ausbildung zu gewährleisten. Auszubildende aus insolventen Betrieben müssten rasch weitervermittelt werden und auch Kurzarbeitergeld erhalten. Der DIHK regt außerdem an, Betriebe, die zusätzliche Ausbildungsplätze anbieten, einen finanziellen Bonus zu bieten.

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