Ausbildungsstart 2021 Generation Corona aktiv integrieren

von Silke Biester
Freitag, 16. April 2021
Auf Distanz: Die fachliche, praktische und soziale Kompetenz hat in der kontaktlosen Zeit gelitten.
Iakov Filimonov/Shutterstock
Auf Distanz: Die fachliche, praktische und soziale Kompetenz hat in der kontaktlosen Zeit gelitten.
Ausbildungsstart 2021
Generation Corona aktiv integrieren
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Wie Unternehmen sich gezielt auf den vom Lockdown geprägten Azubijahrgang 2021 einstellen sollten, stand im Fokus des virtuellen Berufsbildungsforums der LZ-Schwester Mediadidact.

Für den neuen Ausbildungsjahrgang 2021 dürfte der Start ins Berufsleben anders ausfallen als es bei vorhergehenden Nachwuchskräften der Fall war: Nach anderthalb Jahren zwischen "Corona-Ferien", Distanz- und Wechselunterricht von höchst unterschiedlicher Qualität, fragen sich nicht nur die Ausbildungsverantwortlichen in den Unternehmen, ob die "Generation Corona" über die nötigen Kenntnisse verfügt. Auch die jungen Menschen selbst sind an diesem Wendepunkt ihres Lebens in Teilen äußerst verunsichert, ob sie den neuen Anforderungen gewachsen sind.

Mit dieser andersartigen Situation sollten die Ausbildungsbetriebe bewusst umgehen, raten Michael Hanschmidt und Birgit Penczek vom Büro für Zukunft. Nicht nur die fachliche, sondern auch die praktische und soziale Kompetenz der Jugendlichen dürfte in der kontaktlosen Zeit gelitten haben, geben die Experten für Berufsorientierung und -einstieg im Online-Seminar von Mediadidakt zu bedenken, an dem mehr als 30 Personalentwickler des Handels teilgenommen haben. Sie plädieren für Verständnis und Unterstützung.

Insbesondere in der Anfangszeit sei es wichtig, diese Generation aktiv ins Unternehmen zu integrieren, erklärt die Psychologin Penczek. Der mangelhafte Reifungsprozess der vergangenen Monate müsse durch möglichst persönliche soziale Interaktion wieder angeregt werden. Es sei wichtig, dass die jungen Berufsanfänger sich wahrgenommen fühlen. "Sorgen Sie proaktiv für Mindestkontakt: Schaffen Sie Rituale, Regeln und feste Sprechzeiten." Regelmäßiges schnelles Feedback sei zudem wirksam, um die Unsicherheit auf beiden Seiten abzubauen. "Glauben Sie keinesfalls, es ist alles in Ordnung, wenn Sie von einem Azubi nichts hören!", so die Warnung. Vielmehr laufe man Gefahr, die Jugendlichen zu verlieren, die schon in letzten Schulmonaten allzu oft das Gefühl hatten "allein gelassen" zu werden. "Fragen Sie aktiv nach der persönlichen Lebenslage", raten die Experten. Das helfe, die individuellen Herausforderungen besser einzuschätzen. Grundsätzlich sei es wichtig, dass Ausbilder mit der Situation sensibel umgehen und nötigenfalls die Bereitschaft zur "Nachbeelterung" mitbringen. Hilfsprogramme zur Persönlichkeitsentwicklung seien noch ratsamer als schon bei vorherigen Jahrgängen. Voraussichtlich sei die gezielte Förderung der Selbstregulation und Impulskontrolle sowie Frustrationstoleranz, Konzentrationsfähigkeit, Zeitmanagement und Problemlösung angesagt.

Gute Chancen, mehr Abiturienten in den Handel zu locken

Schon im Bewerbungs- und Auswahlverfahren sollte die veränderte Ausgangslage berücksichtigt werden. Schulnoten sind vermutlich noch weniger aussagekräftig als in den Vorjahren. Außerdem gelte es, die Probezeit noch bewusster zu nutzen und zunächst kleine Aufgaben anzubieten, mit der Möglichkeit, schnelle Erfolge zu erzielen.

Für den Handel birgt das aktuelle Ausbildungsjahr zugleich Chancen, mehr Abiturienten anzulocken, ist Hanschmidt überzeugt. Denn viele von ihnen hadern mit ihren ursprünglichen Zielen: Sie scheuen sich vor einem möglichen Studium auf Distanz und erwägen deshalb, zunächst eine Ausbildung mit sicherem Arbeitsplatz zu machen. Allerdings fehlt ihnen auch dabei die Orientierung, da sowohl Schulpraktika als auch Ausbildungsmessen ausgefallen sind.

Wer interessierte Schüler noch kurzfristig für sich gewinnen möchte, sollte flexibel den direkten Kontakt ermöglichen: "Für den Sommer könnten Konzepte für Kurzpraktika erarbeitet werden", schlägt der Diplom-Sozialarbeiter vor. "Mit Schnelltests sind zum Beispiel Tagespraktika möglich."

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