Beschleunigte Entwicklung Virus kurbelt Strukturwandel im US-Lebensmittelhandel an

von Mike Dawson
Mittwoch, 25. März 2020
Riesenandrang: Hier bei Wegmans in Brooklyn/New York City
Jon Springer
Riesenandrang: Hier bei Wegmans in Brooklyn/New York City
Beschleunigte Entwicklung
Virus kurbelt Strukturwandel im US-Lebensmittelhandel an
:
:
Info
Abonnenten von LZ Digital können sich diesen Artikel automatisiert vorlesen lassen.
Noch trotzen die Aktienkurse der stationären Händler dem durch das Coronavirus ausgelösten Börsencrash erstaunlich gut. In der kommenden Rezession werden es aber voraussichtlich die Online-Händler sein, die von veränderten Konsumgewohnheiten nachhaltig profitieren.

Die Coronavirus-Krise treibt immer überraschendere Blüten. In Kalifornien setzen die Behörden gerade in China hergestellte Drohnen, deren Einsatz aus Gründen der Flugsicherheit bis vor Tagen verboten wurde, zur Kontrolle von nicht erlaubten Menschenansammlungen ein. Flugexperten gehen davon aus, dass deren künftige Zulassung für den Online-Lieferservice hierdurch beschleunigt wird.

Die Aktienkurse von E-Commerce-Anbietern sind im aktuellen Börsencrash weniger stark gefallen als die vieler anderer Branchen. So hat der Amazon-Kurs nur 13 Prozent nachgegeben, während der S&P-500-Index in den vergangenen vier Wochen um durchschnittlich 28 Prozent gesunken ist.

Massive Rekrutierung

Aufgrund einer extrem hohen Nachfrage will der Online-Riese, der an einem möglichst kontaktlosen Service feilt, mit der Anstellung von 100000 Zeitarbeitern in seinen 175 Kommissionierzentren die Belegschaft temporär um ein Viertel vergrößern. Aber sogar Amazon wird von der Nachfrage überwältigt und kann seit dem 18. März nur krisenrelevante Artikel, und davon nicht einmal Toilettenpapier, ausliefern.

Die Kurse der Aktien der stationären Händler, die Investoren seit der Dotcom-Blase eher stiefmütterlich gehandelt haben, konnten sich aber noch besser halten als Amazon. So sind die Werte von LEH-Marktführer Walmart und dem Branchenzweiten Kroger, die ihre Click & Collect-Angebote stark ausgeweitet haben, an der NYSE-Börse stabil geblieben.

Pleitewelle voraus

Ob die stationären Händler dauerhaft so krisenresistent bleiben, lässt sich jedoch bezweifeln. Denn Wirtschaftsexperten sehen eine Pleitewelle bei vielen Existenzen voraus, die im Zuge des Coronavirus haben schließen müssen. Trotz eines Konjunkturplans von bis zu 2 Billionen Dollar könnten die vielen Insolvenzen sogar eine „Jahrhundert-Rezession“ auslösen. Die hierdurch reduzierte Kaufkraft der Kunden dürfte gerade der stationäre Handel spüren.

Nachhaltiges Online-Wachstum

Dagegen erwarten Handelsexperten einen nachhaltigen Wachstumsschub für Online-Lieferdienste auch nach dem Abebben der Viruswelle. Ihrer Ansicht nach wird ein signifikanter Anteil von älteren Konsumenten, der vor der Krise nie oder nur selten online bestellt hat, auch in Zukunft auf digitale Angebote zurückgreifen.

Noch können stationäre Händler aber anscheinend nicht genug Zeitarbeiter einstellen. Walmart will bis Ende Mai 150000 neue Arbeitskräfte, der Discounter Dollar Tree 25000 und der Convenience-Marktbetreiber 7-Eleven 20000 anheuern.

Vor allem die finanzkräftigsten Händler bezahlen ihrem Personal auch Boni, um den Stress, dem sie aktuell ausgesetzt sind, zu kompensieren. Walmart will allen Festangestellten und Zeitarbeitern eine Sonderzahlung von 300 bzw. 150 Dollar gewähren.

Schlagworte zu diesem Artikel:

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Anzeige

Meistgelesen

stats