Bestell-Explosion und lange Wartezeiten E-Food boomt sich in den Liefer-Engpass

Freitag, 27. März 2020
Überlastet: Ein Lieferwagen von Rewe Online.
Jörg Rode
Überlastet: Ein Lieferwagen von Rewe Online.
Bestell-Explosion und lange Wartezeiten
E-Food boomt sich in den Liefer-Engpass
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Die Angst vor Corona beschert den Internet-basierten Lebensmittel-Lieferservices in Deutschland und der Schweiz eine Explosion der Bestellungen. Kunden können in E-Food-Shops wie Rewe Online, Amazon Fresh und Picnic so gut wie keine Liefer-Zeitfenster ergattern.

Lieferdienste stehen derzeit unter hohem Druck. Wartezeiten von ein bis zwei Wochen ab Online-Bestellung sind mittlerweile normal, weil Verbraucher befürchten, in stationären Geschäften anderen Menschen zu nahe zu kommen. So erklärt Rewe für seinen E-Food-Dienst gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, dass die hohe Nachfrage dazu führe, dass heute bestellte Ware erst in ein bis zwei Wochen geliefert werde. Der Kölner Handelskonzern ist mit seinem in 75 Städten verfügbaren Lieferservice der größte Online-Lebensmittelhändler in der Bundesrepublik.

Der Online-Supermarkt Picnic verzeichnet nach Angaben seines Deutschland-Chefs Frederic Knaudt eine Steigerung der Nachfrage auf mehr als das Doppelte des Normalen. Nach seinen Angaben müssen sogar Bestandskunden jetzt in der Regel mit der Auslieferung bis zu einer Woche nach der Online-Bestellung warten. Neukunden müssten noch länger ohne E-Food ausharren und landen zunächst nur auf einer Warteliste. Dort stehen allerdings Stand heute schon mehr als 70.000 Haushalte.

An Picnic Deutschland ist die Edeka Rhein-Ruhr beteiligt. Der E-Food-Dienst fährt derzeit hierzulande einen aggressiven Expansionskurs und beliefert bereits zehn Städte im Ruhrgebiet und im Rheinland. Laut Knaudt hat Picnic seit Ende Februar knapp 200 neue Mitarbeiter eingestellt.

Hohe Nachfrage bei Amazon Fresh

Mit einer explosionsartigen Erhöhung der Nachfrage muss auch der Food-Lieferdienst Amazon Fresh kämpfen, den der Internet-Konzern in Deutschland bisher nur in Hamburg, München, Berlin und Potsdam anbietet. Auf der Fresh-Homepage ist unübersehbar der Hinweis eingeblendet: "Sortiment und Lieferung können aufgrund erhöhter Nachfrage vorübergehend eingeschränkt sein".

Amazon fordert potenzielle Kunden auf, als ersten Schritt ein Liefer-Zeitfenster auszuwählen, um sie nicht am Ende eines vermeintlichen Online-Einkaufs zu enttäuschen. Ein Test der LZ-Redaktion ergab, dass für Amazon Fresh in Hamburg für fast alle Tage in den nächsten drei Wochen nach einem Klick der Hinweis eingeblendet wird: "Es sind aktuell keine Lieferzeiten für diesen Tag verfügbar".

Die Fresh-Bestellseite gibt Kunden weitere Corona-bedingte Hinweise: "Ihre Lieferung wird nach dem Klingeln an Ihrer Wohnungstür abgestellt, um den empfohlenen Sicherheitsabstand einzuhalten. Unsere Fahrer können derzeit keine Pfandartikel, Versandtaschen oder Tüten zurücknehmen".

Auch der relativ kleine Online-Supermarkt Getnow meldet einen steilen Anstieg der Bestellungen sowie Lieferengpässe. Nach Angaben von Thorsten Eder von Getnow sind die Zustellslots 14 Tage im Voraus ausgebucht. Die Zahl der Bestellungen habe sich schlagartig verdoppelt. "Wir können nur einen kleinen Teil der Nachfrage abarbeiten. Dabei sind wir immer auf Volllast", sagte der Manager gegenüber dpa. Laut Eder begann der Run auf die Lebensmittel-Lieferdienste am 26. Februar.  Getnow schickt seine Boten in C+C-Märkte von Metro, um Bestellungen zusammenzupacken und verfügt über keine eigenen Kommissionierzentren.

Coop ebenfalls ausgebucht

Ähnlich geht es auch den in der Schweiz erfolgreichen Lieferservices Migros-LeShop und Coop@Home. Nach Angaben der Marketing-Fachzeitschrift Horizont (erscheint wie die LZ im Deutschen Fachverlag) meldet die Homepage des E-Food-Shops von Coop, dass "in den meisten Regionen die Liefertermine für mehrere Tage vollständig ausgebucht" sind. Die Info-Seite verkündet in großen Lettern: "Die Schweiz befindet sich derzeit in einer Ausnahmesituation. Aufgrund der aktuell sehr hohen Nachfrage kommt es bei Coop@home zu vorübergehenden Einschränkungen bei der Liefertermin-Auswahl und Produkteverfügbarkeit." Der Schweizer Lebensmittelhändler kündigt an, dass er "aktuell für die Top 100 Artikel ein weiteres Zentrallager" aufbaue.  

Bei dm müssen die Kunden aktuell ebenfalls ziemlich lange auf ihre Bestellungen warten. Hier übernehmen die Paketdienste die Auslieferung. Der Chef des Drogerie-Filialisten, Christoph Werner, sagte dem Handelsblatt: "Wegen der enormen Nachfrage ist die Lieferzeit kurzzeitig von zwei bis drei Werktagen auf neun bis zwölf Werktage hochgeschnellt." Den Testlauf zur Abholung bestellter Waren in Filialen (Click&Collect) in München habe dm ausgesetzt, "weil die Mengen in den Märkten explodierten". (rod/dpa) 

Coronavirus (Symbolbild)
imago images / ZUMA Press

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