Corona-Folgen Parfümerien im Shutdown-Modus

von Annette C. Müller und Werner Tewes
Donnerstag, 19. März 2020
Omnichannel: Parfümerie-Marktführer Douglas muss ebenfalls seine Filialen bundesweit schließen und setzt nun große Hoffnungen auf den Onlinehandel.
Karolis Kavolelis/shutterstock.com
Omnichannel: Parfümerie-Marktführer Douglas muss ebenfalls seine Filialen bundesweit schließen und setzt nun große Hoffnungen auf den Onlinehandel.
Corona-Folgen
Parfümerien im Shutdown-Modus
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Der amtlich verhängte Shutdown bereitet dem stationären Parfümeriehandel große Sorgen. Die Branche muss mit Umsatz- und Ertragsausfall fertig werden. Gleichzeitig verlagern sich noch schneller Umsätze in die Online-Kanäle.

Im Parfümeriehandel sind je nach Bundesland die ersten Läden geschlossen. Vor allem bei kleinen Geschäften sorgt der im Zuge der Coronavirus-Krise verhängte Shutdown dem Vernehmen nach für Existenzängste. "Wie soll es weitergehen?", fragen sich inhabergeführte Händler, ob ihre Liquidität reichen wird. Von heute auf morgen fallen Umsätze weg, während Mieten und andere Fixkosten weiterlaufen. Schon vor dem Shutdown rauschte im Beauty-Handel die Frequenz in den Keller. "Die Frequenz änderte sich von Tag zu Tag, das machte einen ganz wuschig", sagt ein Parfümhändler.

Gleichzeitig verschieben sich aufgrund der Virus-Angst mit Wucht Beauty-Umsätze in digitale Kanäle. "Das Onlinegeschäft zieht an, der Trend dürfte auch nach der Krise anhalten", erwartet ein Experte. Doch verfügen nicht alle stationären Parfümeriehändler über einen Onlineauftritt. Douglas setzte den Filialhandel am Mittwoch in den meisten europäischen Märkten aus und kann auf den E-Commerce ausweichen. "Die fokussierte Fortführung des Onlinehandels hilft, einen Teil der Auswirkungen des ausgesetzten Filialhandels abzufedern", teilt der Marktführer per Ad-hoc-Mitteilung mit. Douglas verfüge über "robuste Liquiditätsreserven" und habe "umfangreiche Kostenmaßnahmen in die Wege geleitet". Auch prüfe der Händler "die Teilhabe an den angekündigten nationalen und regionalen Hilfsprogrammen für betroffene Betriebe". Noch sind die Auswirkungen des Shutdown nicht absehbar. Doch dürfte Corona die Exit-Strategie des Douglas-Investors CVC tangieren und einen Börsengang bis auf Weiteres verhageln.

Umsatzverlagerung ins Internet

Klar ist, dass Douglas, Flaconi, Amazon, Notino und Mittelständler wie Pieper mit ihren Onlineshops von der Umsatzverlagerung ins Internet profitieren. Douglas erreicht hierzulande fast 32 Prozent Onlineanteil. Der Branchenprimus steigerte den Umsatz im Netz im Jahr 2018/19 europaweit um 38 Prozent auf 585 Mio. Euro und baut die Geschäfte mit Zukäufen und Marktplatz aus. Noch stärker legte Verfolger Flaconi 2019 durch seine Internationalisierung mit einem Plus von 48 Prozent zu, wenn auch auf einer geringeren Umsatzbasis von rund 200 Mio. Euro.

Die Branche kämpft um Marktanteile. "Der deutsche Markt ist preislich transparent und unter Preisdruck: Je länger die Corona-Unsicherheit anhält, desto stärker kann sich das aufs Pricing auswirken, was Marge frisst", befürchtet ein Händler. "20 Prozent auf alles, auch alle Luxusmarken sind schon reduziert", trommelte Douglas in dieser Woche zum 20-jährigen Bestehen des Onlineshops. "20 Prozent Rabatt", hieß es bei der Tochter Parfumdreams. "Spare jetzt 30 Prozent auf fast alle nicht reduzierten und 12 Prozent auf reduzierte Produkte. Noch sechs Stunden, 58 Minuten und 56 Sekunden", inszenierte Flaconi einen Countdown.

Sephora plant Shops auch bei Karstadt

Auch Weltmarktführer Sephora arbeitet mit Rabatten zu Events und Sale bis 70 Prozent zum Kollektionswechsel. Die LVMH-Tochter, die 2017 nach Deutschland zurückkehrte, expandiert mit eigenen Flächen offenbar derzeit nicht und ist von den anvisierten mehr als 50 Flächen weit entfernt. Der Konzern betreibt drei Filialen und rund 17 Shops bei Galeria Karstadt Kaufhof, die dort für rund 30 Mio. Euro Umsatz stehen sollen. Der Ausbau des Sephora-Geschäfts erfolgt, wie zu hören ist, über den eigenen Onlineshop und Kooperationspartner – bei Karstadt sind weitere Boutiquen geplant.

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