Corona-Folgen Parfümerien unter Druck

von Annette C. Müller
Donnerstag, 02. April 2020
Corona-Folge: In ganz Europa, wie auch hier in Italien, müssen alle Douglas-Parfümerien zu bleiben.
Christian Lattmann
Corona-Folge: In ganz Europa, wie auch hier in Italien, müssen alle Douglas-Parfümerien zu bleiben.
Die Corona-Krise setzt den Parfümeriehandel unter Druck, Liquidität zu sichern. Die Beauty Alliance fordert schnelle und unbürokratische Hilfsmaßnahmen und befürchtet eine verschärfte Konzentration.

Die von der Corona-Krise gebeutelte Parfümeriebranche sieht sich gezwungen, frisches Geld zu beschaffen. Erste Parfümerien nehmen die Soforthilfen in Anspruch, die die Bundesregierung jetzt vergibt.

"Doch die weiteren Kreditvergaben sind ein Problem", bemängeln die Beauty Alliance-Geschäftsführer Christian Lorenz und Frank Haensel im LZ-Interview diese als zu bürokratisch und nicht schnell genug.

Massensterben im Handel befürchtet

Die Verbundgruppe, der rund 1100 inhabergeführte Parfümeriegeschäfte angeschlossen sind, befürchtet "im schlimmsten Fall ein Massensterben im gesamten Handel".

Seit mehr als zwei Wochen sind alle Parfümerien geschlossen. In der Branche brenne der Baum, betonen Lorenz und Haensel. "Ohne Hilfe haben unsere Parfümerie-Händler je nach Größe eine Überlebenszeit von wenigen Wochen bis hin zu zweieinhalb Monaten."

Die Beauty Alliance versucht, ihre Gesellschafter so gut wie möglich zu unterstützen und zieht die Gewinnausschüttung für 2019 vor. Um Kosten zu senken, drängt die Branche darauf, Mieten zu reduzieren oder zu stunden. Gleichzeitig stoppt der Beauty-Handel alle Bestellungen und besteht bei der Industrie auf längere Zahlungsziele.


Coronavirus (Symbolbild)
imago images / ZUMA Press
Promotions in Höhe von rund 50 Mio. Euro sollen allein bei Douglas gestoppt worden sein. Zudem klagen Lieferanten, dass Douglas und Galeria Karstadt Kaufhof einige Rechnungen mit deutlicher Verzögerung bezahlen würden. 

Der Marktführer steht mit 2.400 geschlossenen Filialen europaweit besonders unter Druck. "Wir müssen die Liquidität sichern und diesen Kostenblock schnellst möglich managen", sagt der Konzern.

Das Online-Geschäft habe auch zuletzt zweistellig zugelegt. Doch das kompensiert den stationären Umsatzausfall nicht. Zudem belasten Nettoverbindlichkeiten von zuletzt rund 2,2 Mrd. Euro.

Douglas muss nun fürs Erste ohne Kapitalspritze seines Mehrheitseigners CVC auskommen. "Aktuell gibt es keine Notwendigkeit für eine solche Maßnahme", erklärt CVC auf LZ-Anfrage. Douglas sei "ausreichend finanziert und liquide".

Dennoch will sich der Händler um staatliche Hilfskredite bemühen. Douglas prüfe, so CEO Tina Müller, "von der KfW abgesicherte Kredite in Anspruch zu nehmen".

Ob der Staat über die KfW auch Unternehmen in Private-Equity-Hand mit Krediten versorgt, ist unklar. "Es gehört zur Sorgfaltspflicht eines jeden Managements alle zur Verfügung stehenden Optionen zu sondieren. Dies gilt unabhängig von der Eigentümerstruktur", sagt CVC.

Dem komme Douglas nach und prüfe die nationalen und regionalen Hilfsprogramme. Insider schätzen, dass der Händler mindestens 700 Mio. bis 800 Mio. Euro für den entgangenen stationären Umsatz nur für drei Monate bräuchte und als Erstes Kreditlinien ziehen dürfte. 

Die Corona-Krise kommt auch für den Investor zur Unzeit. Der Finanzinvestor hat kürzlich Goldman Sachs beauftragt, Optionen für einen Ausstieg zu prüfen. CVC sieht für die Exit-Strategie derzeit "keinerlei Handlungsdruck".

 

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