Corona-Krise Auch Online-Handel büßt massiv Umsatz ein

von Redaktion LZ
Montag, 06. April 2020
Der E-Commerce-Verband Bevh fordert einheitliche Regelungen, die in der Corona-Krise Click & Collect möglich machen.
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Der E-Commerce-Verband Bevh fordert einheitliche Regelungen, die in der Corona-Krise Click & Collect möglich machen.
Corona-Krise
Auch Online-Handel büßt massiv Umsatz ein
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In der Covid-19-Pandemie gilt der E-Commerce als der große Gewinner. Nun zeigen Zahlen des Branchenverbandes Bevh: Ganz so einfach ist es wohl doch nicht. Die Branche sieht sich von der aktuellen Konsumkrise ähnlich getroffen wie der stationäre Handel – und solidarisiert sich.

Außer dem Lebensmittelhandel so gut wie alle stationären Geschäfte geschlossen – das müsste dem Online-Handel doch zu einem neuen Höhenflug verhelfen. Doch die Schutzmaßnahmen vor einer unkontrollierbaren Ausbreitung des neuartigen Coronavirus haben bei den Verbrauchern eine Konsumzurückhaltung ausgelöst, die kaum zwischen "Stationär" und "Online" unterscheidet. Das legen nun vorgelegte Zahlen vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (Bevh) nahe. 

Den Angaben zufolge leidet auch ein Großteil der Online-Händler massiv unter den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie. Insgesamt lagen die E-Commerce-Umsätze im März um fast 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau, teilte der Bevh am Montag mit. "E-Commerce ist heute ein normaler Einkaufskanal. Deshalb wirkt sich solch eine Krise in der Konsumstimmung voll auf unsere Branche aus", sagte Bevh-Präsident Gero Furchheim. Die Behauptung, der Online-Handel werde pauschal als Gewinner aus der Corona-Pandemie hervorgehen, sei "schlicht falsch".


Diese Beobachtung stützt auch eine aktuelle Befragung der Offerista Group. Und mehr noch: Die deutliche Mehrheit der fast 4000 befragten Internetnutzer (78 Prozent) gab an, in der Krise "nicht, beziehungsweise eher nicht" online einkaufen zu gehen, sondern eher auf den stationären Handel zu setzen. "Im Ladengeschäft in ihrer Nähe erhalten Verbraucher in der Regel die Produkte, die sie gegenwärtig benötigen, ohne lange Lieferzeiten. Mit dieser unmittelbaren Verfügbarkeit punktet der stationäre Handel derzeit beim Verbraucher", so Offerista-Geschäftsführer Benjamin Thym.

Teils drastische Einbrüche

Der Bevh-Umfrage zufolge gab es im März vor allem im Online-Handel mit Mode, Schuhen, Elektronikartikeln, Computern und Büchern teils drastische Umsatzeinbrüche. "Einzig die Kategorien, die auch im Einzelhandel stark nachgefragt wurden, konnten zum Teil deutliche Zuwächse verzeichnen: Lebensmittel, Drogeriewaren, Medikamente und Do-it-Yourself- beziehungsweise Baumarktsortimente", berichtete der Verband.

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Im Bekleidungssegment brachen die Umsätze um mehr als 35 Prozent ein. Bei Unterhaltungselektronik lag das Minus bei über 20 Prozent. Computer und Zubehör verzeichneten trotz der Ausgaben für Homeoffice-Lösungen einen Rückgang von gut 22 Prozent. Dramatische Verluste erlitten die Dienstleistungen im E-Commerce, die insbesondere von Online-Buchungen für Reisen, Veranstaltungen oder Flugtickets geprägt sind. Sie stürzten im März um mehr als 75 Prozent gegenüber dem Vorjahr ab.

Medikamente und Lebensmittel online stark gefragt

Dagegen stieg die Nachfrage nach Medikamenten im Internet im März um mehr als 88 Prozent, und die Bestellungen von Lebensmitteln erhöhten sich um gut 55 Prozent. Bei Drogeriewaren lag das Plus bei knapp 30 Prozent. Doch gibt es für die von der Corona-Pandemie gebeutelten Online-Händler möglicherweise einen Hoffnungsschimmer. In den letzten Märztagen, die bei der Befragung nicht mehr erfasst werden konnten, habe sich eine Belebung der Nachfrage im Online-Handel gezeigt, berichtete der Bevh.

Forderung nach einheitlicher Regelung von "Click & Collect" 

Zugleich tritt der Verband mit der Forderung nach einer Lockerung der Einschränkungen im stationären Handel an die Öffentlichkeit. Länder, Städte und Gemeinden sollen stationären Händlern einheitlich die Abgabe von Waren im kontaktlosen "Click & Collect"-Verfahren erlauben, so der Bevh.

"Waren für Kunden, auch in Zeiten der Corona-Pandemie, gesundheitlich und hygienisch unbedenklich bereitzustellen, ist möglich", so Bevh-Hauptgeschäftsführer Christoph Wenk-Fischer in einer Mitteilung: "Die Läden sind voller Saison-Ware. Kontaktloses 'Click & Collect' unterstützt zusätzlich die Versorgung, kann für eine Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter sorgen und könnte dem stationären Handel eine dringend nötige Perspektive verschaffen." Die allgemeine Erlaubnis von Abholservices sei außerdem nötig, um die stationären Händler vor einem massiven Wertverlust ihrer Ware zu schützen.


Auslöser dieser Forderung ist offenbar die Beobachtung, dass "bei vielen Behörden Unsicherheit [herrscht], ob die Abholung von im Internet bestellter Ware durch Kunden im Umfeld eines Ladens als Abholservice zuzulassen ist." Darin schwingt mit, dass auch bestehende Click-&-Collect-Angebote von Online-Händlern bisweilen Probleme mit den Corona-Auflagen haben. (dpa-AFX/kit)

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