Corona-Krise Diese Händler setzen auf Kurzarbeit

von Denise Klug
Mittwoch, 08. April 2020
Immer mehr Unternehmen beantragen Kurzarbeitsleistungen.
imago images / Marius Schwarz
Immer mehr Unternehmen beantragen Kurzarbeitsleistungen.
Corona-Krise
Diese Händler setzen auf Kurzarbeit
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Die Corona-Krise verlangt dem Nonfood-Handel viel ab: Maßnahmen der Regierung reduzieren den Bedarf an Beschäftigten drastisch während gleichzeitig die Umsätze schrumpfen. Die Zahl der Handelsunternehmen, die Kurzarbeit anmelden, steigt. Ein Überblick. 
Die Corona-Krise hat sehr gegensätzliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt der Branche. Während Nonfood-Geschäfte mit wenigen Ausnahmen temporär geschlossen sind, erleben die noch geöffneten Lebensmittelmärkte Hochkonjunktur. Die einen suchen dringend nach Mitarbeitern oder Saisonkräften, die anderen müssen auf Kurzarbeit setzen.

Die Folgen der Entwicklung sind bisher nie dagewesene Partnerschaften, neue Vermittlungsplattformen und die Überlegung der Regierung, ob Kurzarbeiter nicht zum Beispiel in der Landwirtschaft ohne Abzüge eingesetzt werden könnten.
Bundesagentur für Arbeit
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Indes steigt die Zahl der Unternehmen, die Kurzarbeit anmelden immer weiter, begünstigt durch Sonderregelungen und Erleichterungen (siehe Kasten). Die Zahlungen der Bundesagentur für Arbeit betragen je nach Familienstand bis zu 67 Prozent des Verdienstausfalls. Viele Händler stocken diesen Satz aus eigener Tasche auf. 

Es folgt ein Überblick über die Unternehmen der Branche, die vorübergehend die regelmäßigen Arbeitszeiten ihrer Mitarbeiter verringert haben. 

Elektronikhändler

  • Marktführer Media-Saturn hat vorerst bis Ende April für rund 20.000 Mitarbeiter in Deutschland Kurzarbeitsleistungen bei der Bundesagentur für Arbeit beantragt. "Bis dahin werden wir die Lage neu bewerten", erklärt der Unternehmenssprecher. Die Zahlungen stockt der Konzern um 10 Prozent auf.

  • Auch die Verbundgruppe Electronic Partner hat in ihren zentral geführten Medimax-Märkten bereits Kurzarbeit eingeführt. In der Zentrale gilt sie ab dem 1. April.

  • Auch Expert geht diesen Schritt mit seiner Zentrale – vorerst bis zum 18. April.

  • Konkurrent Euronics will sich je nach Bedarf auf "einzelne Mitarbeiter und Mitarbeitergruppen" beschränken. Den Fachhändlern, die an die Verbundgruppen angeschlossen sind, bleibt es selbst überlassen, ob sie Kurzarbeit beantragen.
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Drogeriemärkte und Parfümerien

  • Drogerie Müller muss Nonfood-Abteilungen in den Märkten sperren und werde "in einzelnen Unternehmensbereichen" auf Kurzarbeit umstellen, heißt es in einer internen Mitteilung.

  • Parfümerie-Betreiber Douglas hat bereits Kurzarbeit angemeldet. Das Kurzarbeitergeld hat das Unternehmen um 20 Prozent erhöht.

  • dm betreibt in Österreich Beauty-Salons als Shop-in-Shops, die nun vorübergehend geschlossen werden mussten. Die betroffenen Mitarbeiter helfen in den Drogeriemärkten aus oder sind für Kurzarbeit angemeldet.

Warenhäuser

  • Galeria Karstadt Kaufhof hat bereits für weite Teile der Belegschaft Kurzarbeit beantragt. Ab 1. April sei dies nun auch für die 1300 Mitarbeiter der Zentrale geschehen, so die Deutsche Presse-Agentur.

Lebensmittelhändler (und deren Tochter-Unternehmen)

  • Rewes Touristik-Tochter DER leidet momentan unter den weltweiten Reisewarnungen. Diese machten das "Verkaufen und Durchführen von Reisen aktuell unmöglich", so der CEO Ingo Burmester. Die Konsequenz sei die Einführung von Kurzarbeit bei den Veranstaltern und Zentralbereichen in Frankfurt und Köln. Vom 1. April bis zum 30. September 2020 soll diese bis zu 80 Prozent betragen. 

  • Großhändler Metro bereitet für einzelne Konzernbereiche Kurzarbeit vor. Dazu gehören nach LZ-Informationen im Inland Metro-Gastro-Märkte und Depots für das Zustellgeschäft, die stark vom Rückgang des Gastronomie-Geschäftes betroffen sind.

FAKTENKASTEN KURZARBEIT

Bundesregierung und Gesetzgeber haben Sonderregelungen und Erleichterungen zum Bezug von Kurzarbeitergeld erlassen.

Die wichtigsten Neuerungen im Einzelnen:

  • Anspruch auf Kurzarbeitergeld besteht, wenn mindestens 10 Prozent der Beschäftigten einen Arbeitsentgeltausfall von mehr als 10 Prozent haben.
  • Anfallende Sozialversicherungsbeiträge für ausgefallene Arbeitsstunden werden zu 100 Prozent erstattet.
  • Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer können ebenfalls in Kurzarbeit gehen und haben Anspruch auf Kurzarbeitergeld
  • Auf den Aufbau negativer Arbeitszeitsalden (wenn dies tarifvertraglich geregelt ist) kann verzichtet werden.

Die weiteren Voraussetzungen zur Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld behalten ihre Gültigkeit. (jw)

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