Corona-Krise Ethanolpreis setzt der Spirituosenindustrie zu

von Elias Huber
Freitag, 27. März 2020
Hersteller von Spirituosen bekommen die gestiegene Nachfrage nach Ethanol in mehrfacher Hinsicht zu spüren.
Brown-Forman
Hersteller von Spirituosen bekommen die gestiegene Nachfrage nach Ethanol in mehrfacher Hinsicht zu spüren.
Corona-Krise
Ethanolpreis setzt der Spirituosenindustrie zu
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Im Zuge der Corona-Krise ist der Preis für Ethanol deutlich gestiegen. Experten rechnen mit einem Plus von 15 bis 20 Prozent für das zweite Quartal. Das beeinträchtigt das Geschäft der Spirituosen-Hersteller.
Nach dem Wegfall des Gastronomie-Geschäfts erreichen die Spirituosen-Hersteller erneut schlechte Nachrichten: Experten rechnen mit deutlich erhöhten Ethanolpreisen im Zuge der Corona-Krise. "Der Preis wird voraussichtlich um 15 bis 20 Prozent zum zweiten Quartal steigen", sagt Christoph Berg vom Marktforschungsunternehmen F. O. Licht.

Das gelte für Lieferverträge von einer Dauer von mindestens 3 Monaten. Auf dem Spotmarkt würden bereits jetzt weit höhere Summen gezahlt. Die hohen Preise seien ein herber Einschnitt für die Spirituosen-Hersteller. In der Branche ist es üblich, quartalsweise zu bestellen. "Die Spirituosenindustrie muss ihre Mengen sichern", rät Berg. Die Hersteller äußern sich im Gespräch mit der LZ zurückhaltend. Wenn der Preis bis zum vierten Quartal so hoch bleibe, sei man betroffen, teilt ein großer Hersteller aus Deutschland im Vertrauen mit.

Für mediale Unruhe sorgte ein "FAZ"-Artikel vom Samstag, in dem es um ein Hilfeschreiben an Gesundheitsminister Jens Spahn geht. Darin sollen die Desinfektionsmittelhersteller ein Lieferstopp von Ethanol für die Spirituosenindustrie fordern, da Alkohol knapp sei. Der Rohstoffexperte Berg sieht einen Lieferstopp als unangemessen an. "Der Markt wird die Ethanol-Knappheit lösen, staatliche Eingriffe können den Anpassungsprozess nicht beschleunigen." Momentan gebe es die richtigen Preissignale über den gestiegenen Preis für herkömmliches Ethanol und den gesunkenen für Kraftstoff-Ethanol. Die Industrie werde mehr herkömmlichen Alkohol und weniger Kraftstoff-Alkohol produzieren.

"In zwei bis drei Wochen ist der Engpass vorbei." Dann verlagere sich das Problem in die Logistik. Der Grund: Laut Berg könnten Flaschen zur Desinfektionsmittel-Produktion sowie LKW-Fahrer fehlen.
Die Spirituosenunternehmen sind angesichts des Schreibens an Gesundheitsminister Spahn gelassen. "Im Krisenstab war das Schreiben kein großes Thema", sagt ein großer Hersteller aus Deutschland. Im Moment könne man eine Entscheidung der Politik nur abwarten. "Die Branche tut sehr viel, um den Mangel an Desinfektionsmitteln zu bekämpfen."

Jägermeister spendete in dieser Woche 50.000 Liter Alkohol an das Klinikum in Braunschweig. Laut dem Krankenhaus produziert die hauseigene Apotheke daraus Hand-Desinfektionsmittel für die Kliniken der Region. Wie Jägermeister auf LZ-Anfrage mitteilte, wird der Kräuterlikör-Hersteller aber nicht selbst Desinfektionsmittel produzieren.

Die Schladerer Hausbrennerei beliefert das Freiburger Universitätsklinikum mit 12.000 Liter Alkohol. Das sächsische Unternehmen Verbio produziert bereits Desinfektionsmittel aus Treibstoff-Alkohol in seinem Werk in Zörbig. Andere große Unternehmen wie Bacardi und Pernod Ricard haben angekündigt, Desinfektionsmittel selbst zu produzieren und Ethanol zu spenden.

Coronavirus (Symbolbild)
imago images / ZUMA Press

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