Corona-Krise Handel will einheitliche Regeln

von Hans Jürgen Schulz, Jens Holst, Jan Mende und Annette C. Müller
Donnerstag, 26. März 2020
Händler gehen davon aus, dass die Umsatzdynamik bald nachlassen wird, weil sich die Kunden nun mit Ware eingedeckt haben.
Niki Love/Fotolia
Händler gehen davon aus, dass die Umsatzdynamik bald nachlassen wird, weil sich die Kunden nun mit Ware eingedeckt haben.
Corona-Krise
Handel will einheitliche Regeln
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Nach zwei Wochen im Ausnahmezustand bekommt der Lebensmittelhandel diese Woche eine erste Atempause. Trotzdem gibt es punktuell noch Warenlücken. Der Nachschub funktioniert, doch das Geschehen in den Märkten ist noch weit entfernt vom Normalbetrieb.

Die Warenmengen waren enorm, die Belastung der Mitarbeiter extrem. Wie schon ausländische Händler wie Auchan, Leclerc oder Tesco hat nun auch Rewe verkündet, die Mitarbeiter für ihren Einsatz mit einer Prämie zu belohnen. Auch andere Händler stimmen ein Loblied auf ihre Belegschaften an. Sonst kaum beachtet, wurden die Mitarbeiter in Fuhrpark, Filialen und Logistik zu den Helden des öffentlichen Lebens erklärt. Sie müssen den Ansturm bewältigen und zugleich dafür Sorge tragen, dass die neuen Abstands- und Hygieneregeln in den Märkten eingehalten werden.

In manchen Regionen schaut die Polizei zudem, ob verbotswidrig Nonfood-Ware angeboten wird. In Sachsen müssen Einkaufswagen desinfiziert werden. Es sind solche, zum Teil unterschiedliche Vorgaben, die den Händlern gerade das Geschäft zusätzlich erschweren. Darin sind sich die von der LZ befragten Handelsmanager einig. "Ich wünsche mir ein einheitliches Vorgehen, zumindest auf Landesebene, das zügig umgesetzt wird", sagt Matthias Oppitz, Geschäftsleitungsvorsitzender Lidl Deutschland und spricht damit vielen seiner Kollegen aus dem Herzen.

Matthias Oppitz Lidl Bünting Markus Buntz
Lidl; Reinhard Rosendahl; Montage: LZ Grafik

Kein Anlass zum Hamstern

Ein weiteres Anliegen formuliert Aldi-Chef Stefan Kopp: "Für Hamsterkäufe gibt es keinen Anlass". Ein geordneterer Abverkauf mit normalen Einkaufsmengen würde vieles erleichtern. Alle Kunden bekämen Ware und der Händler könnte die Warenströme besser steuern. Der zeitweise Abschied vom Sonderangebot, wie diese Woche von Rossmann und Globus verkündet, ist aus Sicht von Beobachtern keine Dauerlösung. "Das ist ein sensibles Thema.

Die Leute sagen sofort, der Handel nutzt die Krise aus", urteilt ein Handelsmanager. Und entsprechende Schlagzeilen ließen nicht lange auf sich warten. Solche Schritte könnten zwar helfen, keine zusätzliche Kundenströme in den Laden zu holen. Doch niemand geht davon aus, dass künftig zusätzliche Kaufanreize nicht mehr nötig wären.

Hoher Mehraufwand

Trotz der Jahrhundertumsätze der vergangenen Wochen ist den Händlern nicht zum Feiern zumute. Denn diese Umsätze waren oft mit hohem Mehraufwand erkauft. Rossmann hat einige Hundert Sicherheitsleute eingestellt, um "Mitarbeiter zu schützen und zu unterstützen." Und keiner weiß, wie lange es so weitergeht. "Die Erfahrung aus Frankreich oder Österreich zeigt, dass sich mit den Ausgangsbeschränkungen die Nachfrage auf ein normales Maß nivelliert hat und vernünftige Arbeitsabläufe für die Logistik sich wieder einpendeln werden", sagt Norma-Vorstand Gerd Köber.

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dfv

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So gehen Händler davon aus, dass die Umsatzdynamik bald nachlassen werde, weil sich die Kunden nun mit Ware eingedeckt haben. Aldi Nord muss den Corona-Ausnahmezustand inzwischen in allen Auslandsmärkten bewältigen. "Viele Maßnahmen in der aktuellen Situation werden gruppenweit erarbeitet und je nach Situation in den einzelnen Ländern umgesetzt", sagt Nicolas de Lope, Sprecher der Verwaltungsratsbevollmächtigten bei Aldi Nord. Auch dm, Lidl, Kaufland und Aldi Süd profitieren von den Erfahrungen in anderen Ländern.
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Das Ostergeschäft ist für viele ein wichtiger Gradmesser. Es gibt die Sorge, die Krise könnte schnell die Konsumlaune eintrüben. Beobachter sehen diese Woche schon eine sinkende Kundenfrequenz. Wenn die Konsumenten sich an die Empfehlungen der Fachleute halten und seltener einkaufen, könnte das einen negativen Einfluss auf die Umsätze haben. Immerhin wird ein Teil des Umsatzes, der in der Gastronomie wegfällt, nun dem LEH zugute kommen.

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