Corona-Krise Metro bereitet Kurzarbeit vor

von Annette C. Müller und Hans Jürgen Schulz
Dienstag, 07. April 2020
Die Dauer als auch der Umfang der Kurzarbeit werde "so eng wie nur möglich begrenzt", so Metro.
Fotos: Stefan Papp/Bildquelle; Sandra Blaser
Die Dauer als auch der Umfang der Kurzarbeit werde "so eng wie nur möglich begrenzt", so Metro.
Corona-Krise
Metro bereitet Kurzarbeit vor
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Metro strebt für Teile seines Geschäfts Kurzarbeit an. Analysten schätzen, dass die Folgen der Corona-Krise zu einem Rückgang des Rohertrags in Höhe von 85 Mio. Euro pro Monat führen könnte. Der Verkauf an Endverbraucher dürfte den Umsatzschwund im Gastro-Geschäft nicht ausgleichen.

Metro bereitet für einzelne Konzernbereiche Kurzarbeit vor. Dazu gehören nach LZ-Informationen im Inland Metro-Gastro-Märkte und Depots für das Zustellgeschäft, die stark vom Rückgang des Gastronomie-Geschäftes betroffen sind.

"Die Möglichkeit der Nutzung von Kurzarbeit an Stellen, an denen keine andere vertretbare Lösung gefunden werden kann, wird in einzelnen Gesellschaften bzw. Ländern innerhalb der Metro geprüft", erklärt eine Sprecherin auf LZ-Anfrage und bestätigt Bereiche wie den Vertrieb und die Depots. Die Dauer als auch der Umfang der Kurzarbeit werde "so eng wie nur möglich begrenzt". Die Höhe des Kurzarbeitergeldes, das gesetzlich bei rund 60 Prozent des Gehaltes liegt, ist offenbar noch nicht geklärt. In der Belegschaft gibt es die Erwartungshaltung, dass Metro ihren Beitrag dazu leiste und dieses "deutlich aufstockt".

Kurzarbeit
imago images / Marius Schwarz

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Metro kämpft mit den Folgen der Corona-Krise. Der Konzern schätzt, dass "jeder weitere Monat zu Umsatzverlusten von ungefähr 500 Mio. Euro" führen könnte. Dies seien 1,5 bis 2 Prozentpunkte Umsatzrückgang, hat der Händler Investoren nun auf ein eher schwieriges Jahr vorbereitet und die Prognose für 2019/20 kassiert.

Analysten gehen davon aus, dass Metro rund 85 Mio. Euro Rohertrag – das wären 255 Mio. Euro in einem Quartal – während des Shutdown einbüße, was kurzfristig nicht mit Kostensenkungen ausgeglichen werden könnte. Der Konzern hatte schon im 1. Quartal aufgrund einer hohen Wertberichtigung der verkauften Tochter Real einen Verlust von 34 Mio. Euro geschrieben.

Der Horeca-Umsatz ist bei Metro "signifikant um 75 Prozent zurückgegangen", berichtet der Händler. In vielen Ländern sind Restaurants geschlossen und auch Hotels und Caterern massiv Umsätze weggebrochen. Profikunden drängen Foodservice-Händler, wie zu hören ist, Bestellungen rückgängig zu machen.

"Gesundes Liquiditätspolster"

Metro reagiert mit ersten Kostensenkungen. Verwaltungsfunktionen werden optimieren, Investitionen ausgesetzt. Dennoch sieht sich die Handelsgruppe "gut aufgestellt". Der Konzern erwarte in Kürze einen Netto-Mittelzufluss von mehr als 1,5 Mrd. Euro aus dem Verkauf des China-Geschäfts und Real und verfüge unabhängig davon über "ein gesundes Liquiditätspolster", so ein Sprecher.

Ein Hoffnungsschimmer ist für die Branche, dass der bisher rechtlich unterbundene Verkauf an Endverbraucher in C+C-Märkten während der Corona-Krise gelockert wird. Mecklenburg-Vorpommern setzt dies als erstes Bundesland bis zum 19. April um. Davon profitieren Metro, Selgros, die Edeka-Tochter Handelshof und Spezialisten. Weitere Bundesländer wie das Saarland könnten sich anschließen. Wasgau wurde bereits von einer Gemeinde im Saarland angesprochen, zur Sicherung der Versorgungslage vorübergehend an Endverbraucher zu verkaufen.

Selgros war mit solchen Plänen vor mehr als zwei Wochen vorgeprescht, hatte diese aber wegen Beschwerden von Rivalen wieder zurückgenommen. Auch Metro hatte laut Insidern vereinzelt Vorkehrungen für diese Kundengruppe getroffen. Der Marktführer zeigt Interesse, "in dieser Sondersituation auch in anderen Bundesländern für Endkunden zu öffnen, wenn die Behörden das genehmigen." In Österreich, den Niederlanden und Portugal ist dies im Zuge der Krise schon der Fall.

Für die C+C-Branche ist der Verkauf an Endkunde aber nur ein kleiner Ausgleich für den Umsatz- und Ergebnisschwund im Gastro-Geschäft. Mit Profi-Kunden werden wesentlich höhere Bons erzielt, die mit Endverbrauchern fallen niedriger aus. Das in Mecklenburg-Vorpommern zuständige Ministerium für Infrastruktur schließt ohnehin "eine dauerhafte Regelung dieser Art" aus: "Sobald sich der Alltag in Deutschland wieder normalisiert, wird eine solche Nutzungsänderung nicht mehr geduldet werden."

Transgourmet arbeitet kurz

Auch bei Transgourmet Deutschland ist Kurzarbeit ein Thema. Die Handelsgruppe sich sieht sich ebenfalls "gezwungen, auf Kurzarbeit zurückzugreifen". Insbesondere in den Bereichen Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung sei aufgrund der behördlichen Vorschriften im Zuge der Corona-Pandemie der Umsatz signifikant eingebrochen, teilt der C+C-Branchenzweite und Foodservice-Marktführer auf LZ-Anfrage mit.

Ab April seien ca. 3500 Mitarbeiter in der Sparte Zustellung, bei spezialisierten Beteiligungen wie Sump & Stammer und in der Zentrale in Kurzarbeit.

Auch bei der C+C-Tochter Selgros prüft Transgourmet Kurzarbeit. "Mit einer Entscheidung in dieser Sparte kann frühestens nach dem Ostergeschäft gerechnet werden", erklärt die Handelsgruppe. Kurzarbeit helfe, Arbeitsplätze über die Corona-Krise hinweg zu sichern. "Sollten sich die Voraussetzungen für Betriebe in der Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung wieder normalisieren, werden wir die Kurzarbeit beenden", betont Transgourmet Deutschland.

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